“the Africans”

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Why are there books (like the selection pictured above) & online publications on post & neo-coloniaslim in Africa as well as important recent developments on the African continent on one hand IF on the other hand I am still terribly at unease writing about “the Africans”?

It’s not just the term “the Africans”, but also my arrogance to write about a third party.

I just found myself deleting an e-mail I had written to a client explainig the use of social media platforms by “the Africans”, because: who am I to explain e.g. what motivates “the Africans” in using social media tools (unless we are talking about Facebook Zero and other free stuff / communities)?

Would my reader be prepared enough to spot the difference between the stuff I know (facts), I assume (observations) and define as a conclusion?

Could the term “the Africans” only be possible when we’re also using “the Europeans”? Are these terms only used outside their initial territory?

My passport says I am German and I often also act that way, but to be honest: I know more about “the Africans” than about “the Europeans”. Does this qualify me to write an e-mail about “the Africans” – if instead I am maybe only talking about a certain age group from a region or about common user behaviour that’s rooted deep down in a historical context (like the lack of Intellectual Property Rights as argued by J.Shikwati & others)?

And: is this self-criticism a typical German thing?

Dein Tag für Afrika

Heute mittag trudelte der IKEA Newsletter ein, bei dem ich auf folgende Aktion stoß:

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Aktion Tagwerk. Nette Website, interessanter Wikipediaartikel dazu.

Für Bildungsprojekte bin ich immer zu haben, auf meinem Webspace läuft auch das The Nest Home Blog, ein Kinderheim außerhalb Nairobis, das sich (vor allem) um die Kinder inhaftierter Mütter kümmert.

Insofern dürfte ich mich eigentlich nur freuen, denn (christliche) Nächstenliebe ist immer gut & ganz weit oben auf meiner Werteskala.

Dennoch – und das schreibe ich jetzt nicht, weil ich in typisch deutscher Art erstmal alles schlecht machen möchte: wieso ausgerechnet Afrika?

Wieso wird immer nur Afrika als Synonym für Armut und Elend verwendet? Was ist mit Kindern deutscher HartzIV Empfänger? Geht es denen nicht auch schlecht? Wer kümmert sich um deren Bildung?

Klar, weil es in “Afrika” oft keine richtige Berufsausbildung gibt, Universitätsausbildungen teuer sind und/oder nur den gleichen, praxisfernen Frontalunterricht bieten, wie wir ihn schon von den oft schlechten Schulen kennen. Ist ja auch ein kulturelles Problem in einer Gesellschaft, in der es wenige Widerworte gegenüber den Älteren gibt.

Hilfe zur Selbsthilfe, Hilfe zu einer besseren Bildung – sofern überhaupt erwünscht – finde ich gut und beachtenswert.

Hilfe ja, Generalisierung nein.

Was mich stört: dass dort Afrika steht. Wieso diese Verallgemeinerung?

1. Der afrikanische Kontinent ist bisweilen vielseitiger als Europa. Wer das nicht glaubt und nur nach dem Armutsgefälle urteilt, hat “Afrika” noch nicht richtig erlebt.

2. Welchen Einfluss auf das öffentliche Bild “Afrikas” hat so eine Aktion?

3. Es ist ja nicht das erste Mal, dass “Afrika” als Synonym bzw. Platzhalter für Spendenaktionen verwendet wird. Ein Beispiel wären Wasserprojekte, wie ich sie in der Vergangenheit schon kritisiert habe und die meiner Meinung nach falsch sind. Es ist eigentlich eine ganze Industrie, die dahinter steckt. Menschen, die viel ehrenamtlich helfen, und andere, die damit ihr Einkommen haben.

Ein ganz krasses und aktuelles Beispiel ist das von TMS Ruge auf projectdiaspora.org dokumentierte #1millionshirts Dilemma, wo ein unwissender T-Shirt Vermarkter aus den USA über Videos dazu auffordern wollte, dass man seine alten T-Shirts zusammensucht und mit nem Dollar als Transportgebührenspende zu ihm schickt. Wollte er dann als Container nach Afrika schicken. Zeitlich passt das gerade gut, denn gegen Ende April werden die Steuererklärungen eingereicht, und so eine nette Spende läßt sich immer gut mit der Steuer verrechnen. Leider hatte der gute Mann nicht bedacht, dass es in vielen afrikanischen Ländern eine Textilindustrie gibt, die eh schon stark mit importierten Kleiderspenden konkurriert (welche übrigens fast immer verkauft werden – nix kostenlos wie bei uns in der Kleiderkammer..).

4. Aus unserer, europäischen Sicht mag an der Begrifflichkeit “Afrika” kein richtiges Problem aufkommen, aber bei so einer Verallgemeinerung müssen wir uns dann auch nicht wundern, wenn wir vor den Toren Europas afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge haben, die dann in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Niedriglohnsektor anschaffen und “Europa” als Land der Möglichkeiten wahrnehmen.

Kurz: ich habe ein richtiges Problem damit, wenn bei so einer Aktion von “Afrika” gesprochen wird. Und dabei betreibe ich selber ein Twitterkonto mit dem Namen @afritwit und blogge bei AfriGadget.com, wo wir auch von “Afrika” sprechen (wohlweislich, dass man mit English als Blogsprache nicht mal die Hälfte erreicht und überhaupt…). Die Toastscheibe mit den Formen Afrikas ist natürlich schon ein guter Teaser, auch wenn thematisch falsch (es geht ja um Bildung, nicht um Ernährung).

Gibt es da keine bessere – all inclusive – Vermarktungsstrategie als das Wort “Afrika”? Bei AfriGadget ist das Wort zumindest positiv besetzt (“Solving everyday problems with African ingenuity”). So etwas – eine positive Botschaft – würde ich mir auch für solche Spendenaktionen wünschen. Damit “Afrika” nicht nur als bemitleidenswertes Hilfsprojekt wahrgenommen wird.

SocialBar Frankfurt

The following blog post will be in German, as it is about an event that took place in Frankfurt this Wednesday evening. Following the Twitter back channel conversations during last week’s Ignite Frankfurt event (where attendees criticized the use of English instead of German), I realized that in order to reach those who are targeted, I will have to use their language. So the following will be a recap of the SocialBar event and a few thoughts about it – in German.

For those interested, the presentation I gave about AfriGadget tonight is very similar to the one I had given in London last year – only updated a few slides and included links to sites like appfrica.com, projectdiaspora.org or semasource.org. The reasoning is the same from my post back then, even my motivation for giving a talk on AG is pretty much the same. Imo, it’s all about giving another picture of “Africa”. One that may be different from what is usually known via the (partly biased) media. My colleague Steve Mugiri also presented AfriGadget during the TEDxAtlanta event on January 26 – if you can, pls check out his video. I also like it that everyone of us at AfriGadget has his/her own perspective & motivation for AfriGadget – and uses a different approach to highlight our work.

I think I am very passionate about this subject, and I consider “passion” a driving force for a lot of good projects. But anyways, I digress and should probably continue in German.

Auf Deutsch also. Dies war nun die vierte SocialBar in Frankfurt, dieses Mal relativ gut besucht, ca. 13? Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen, mit verschiedener Motivation / Absichten / Erwartungen aber doch schon relativ ähnlichem sozialen und beruflichen Hintergrund.

Was ist eine SocialBar?

Laut der Website ist die SocialBar “ein Treffen von Weltverbesserern. Web-Aktivisten, Social Entrepreneurs, NGOs, ehrenamtliche Helfer, Politiker und Unternehmen mit sozialer Verantwortung kommen bei der Socialbar zusammen, um sich kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und Kooperationen einzugehen.”

Trotz dieser Beschreibung wüsste ich aber immer noch nicht, wie man die SocialBar genauer beschreiben sollte – es ist eine Veranstaltung, an der interessierte Leute teilnehmen, die sich für soziale Themen interessieren. Sozial, im Sinne von: ich mache etwas, das ich nicht nur für mich alleine mache.

Vielleicht auch wegen dieser doch recht ungenauen Definition, meines eigenen Hintergrundes und der doch regionalen Unterschiede bei Events solcher Art (eine SocialBar in z.B. Berlin erreicht meistens ein anderes Publikum), kann ich natürlich nur für mich selber sprechen: ich empfinde die SocialBar als sinnvolle Veranstaltung, bei der ich vor allem Gleichgesinnte treffe, die sich “soziale Projekte” auf die Fahne geschrieben haben. Sei es aus beruflicher Natur, oder auch weil man in der Freizeit einen sinnvollen Beitrag für die Allgemeinheit leisten möchte und der 9-to-5 Tagesjob dies nur unzureichend ermöglicht. Und so kommen wir auch schon zum zweiten Vortrag des Abends: von Wolfgang Weicht über die “Coding Battle”, oder wie er es nennt: The Social Media Fight Club.

Kurz: mehrere Teams bestehend aus Programmierern, Konzeptern und anderen Kreativen arbeiten ehrenamtlich an einem Wochenende zusammen und als Teams gegeneinander, um einer NGO zu einer Website zu verhelfen.

Die Idee finde ich nach längerer Diskussion und einigen Bieren mit Wolfgang nicht ganz so verkehrt, aber vor allem interessiert mich daran natürlich die Frage, ob man in einer Stadt wie Frankfurt – die ich in diesem Bereich als sehr träge empfinde – eine kritische Masse von Leuten zusammenbringen kann, die in ihrer Freizeit – in einer (an den HipHop angelehnten) Battle oder auch einfach nur so – für Níchtregierungsorganisationen (de: NROs, en: NGOs) unentgeltlich und aus Spaß (!) an der Sache ehrenamtlich arbeiten wollen.

Die Frage nach der Teilnahme an so einem Event empfinde ich als sehr wichtig – immerhin funktionieren viele Einrichtungen in Deutschland nur deswegen, weil es ehrenamtliche Helfer gibt. Ohne direkte Bezahlung einfach mal schauen ob man im Kollektiv etwas erreichen kann – das empfinde ich als sehr spannende Idee. Klar, gibt es ja auch schon online in Form der Wikipedia – kollektives Zusammentragen von Wissen – aber die Leute dann von ihren Computerbildschirmen hin zu einem realen Treffen zu bewegen, wo sie sich aufraffen müssen und gemeinsam etwas erarbeiten – das ist schon anders. Und eben auf den Frankfurter Kontext bezogen. Leute anschreiben, motivieren, begeistern können, Leidenschaft wecken, hinterher sein und sicherstellen, dass sie auch wirklich kommen (ich hatte mich auch schon mal zu einem Treffen bei Wolfgang angemeldet und dann im letzten Moment abgesagt). Das ist alles irre viel Arbeit. Können die Organisatoren der SocialBar sicherlich auch bestätigen.

Ob die Coding Battle in dieser Form klappen wird – who knows?

Ob ich daran teilnehmen werde? Hell, yes! Weil:

“Leadership Lessons learned from Dancing Guy”, von Derek Sivers, dessen Videos eigentlich alle super sind, alleine schon wegen seiner netten Stimme.

Einen ähnlichen Ansatz hat uns dann noch Denis Engemann vorgestellt, Student der Psychologie & Philosophie, der uns von dem anstehenden WIRKCAMP 2010 (am 07.-09. Mai 2010) in Leipzig berichtet hat. Ein ähnlicher Ansatz also wie die Coding Battle, in Leipzig nennen sie es allerdings Synagieren – gemeinsam handeln: “wir bringen für 3 Tage engagierte Menschen in kleinen Projekten zusammen”.

Laut den auf der Website angekündigten Arbeitsgruppen wird es folgende Themen/Arbeitsschwerpunkte geben: Vegetarische Tage für die Uni-Mensa, Filmen für Nachhaltigkeit, Littlebird – Schmackhaft in den Arbeitsmarkt, Nachhaltigkeit im Internet und Konsum Global Leipzig. Aus studentischer Sicht macht dies alles schon irgendwie Sinn.

Am Ende des Abends bleiben für mich die folgenden Fragen: welche Themen sind die ultimative Garanten für eine Mitarbeit von Freiwilligen? Wie kann ich eine möglichst interessierte Anzahl von Mitbürgern zu einem unentgeltlichen Projekt bewegen? Sind solche Aktivitäten ein Hinweis auf die Arbeitsweise in der Zukunft (kleine, dezentrale Projekte, vernetzes Arbeiten)? Inwiefern definieren wir uns mit so einem – bisher nur ausserberuflichen – Ansatz heute schon die Arbeitswelt von morgen? Und: inwiefern unterscheidet sich eine SocialBar in Frankfurt von einer SocialBar in Dresden, Berlin, Bonn oder Hannover?

my take on AfricaGathering in London

I’ve just returned home from London where I’d been attending AfricaGathering on Saturday 25 April 2009 which was held at Birkbeck College, University of London. A perfectly organised event (by Ed Scotcher & many helpful volunteers – thx!), the Gathering turned out to be quite a success, especially as it eventually provided me with the opportunity to meet some of my AfriMates in real life.

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Kudos also go out to Karola Riegler who took lots of photos throughout the day and to @RedZola & @MatthewNcube who both helped me trying to get online as the University’s WiFi didn’t work out for me.

So instead of providing you with a summary of all talks (I also presented some slides on AfriGadget and couldn’t do any liveblogging), let me just forward you to the following blogs that already did an excellent job of blogging on the event:

There may be even more interesting posts on AfricaGathering. It also helps to do a Twitter and/or Flickr search on #africagathering to catch some additional links (Twitter Search is a gold mine for anyone interested in ppl and their opinions).

Ed also filmed the event and promised to upload some talks to Vimeo this coming week – so let’s stay tuned for an update. Filming such an event is really sustainable and helps those who couldn’t make it to London in time. Teddy of ProjectDiaspora.org was also supposed to attend the panel discussion, but stupid visa regulations killed this endeavour.

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Some attendees already met on Friday evening for great Ethiopian food at Lalibela Ethiopian Restaurant – including David McQueen and Sokari Ekine. It was very nice to eventually say hello to Sokari, who I’d been spamming with links via delicious.com for the past few months. Eh, Sokari – we will be back to London in June!

There have been so many inspiring conversations and shared ideas during this AfricaGathering that it would seem to be unfair to pick out a few selected ones -so I will only add a few words to my own presentation. I also need to work on my presentation style as I am bit too nervous on stage, often speaking too fast or having too many details on my mind that I want to include and then miss out. It was a great opportunity though to present our work and I am also quite passionate about it. Oh, and pls ignore that extra slide on a Liverpool flag as seen in a pub in Garissa the other day – unless of course you are like Ken of Kiwanja.net, whose pic on mobile pay phones we’ve used on one of the slides. :-)

My presentation on AfriGadget on behalf of the whole AfriGadget team (remember, it’s a group blog and everyone is invited to contribute and share interesting AfriGadgets – even you!) wasn’t primarily focused at displaying interesting or funny AfriGadgets even though I introduced it by saying that “we are not here to help anyone, we only do this for fun”.

My message between the lines rather was that there’s still so much undiscovered potential on the continent that needs to be commercialised (I hope I got this message across?). AfriGadget is just the vehicle to showcase that there are innovative solutions that work on a local level.

There’s a new generation of young & skilled workers who grew up with mobile phones & an understanding of how technology works. Skilled IT workers who can already take over programming jobs and develope their own tools.

Of course, IT isn’t the only sector and there are other sectors that will benefit from a new perspective on development in Africa. I, for one, believe that the upcoming sea cable(s) – which will help providing better broadband internet access to many African countries – will also help in providing some incentives for the younger generation to stay in rural areas. The internet has changed the way we live and work – I am also working as a consultant from my home office. Consequently, this progress in the IT sector could hopefully also influence other sectors.

Ecological sanitation concepts, for example, currently work best in rural areas. And with an increasing urbanisation, things are only getting worse. As long as we (humans) do not come up with sustainable cities and (much) more urban agriculture (as a way to provide real livelihood for everyone), there will be a need to “upgrade” rural areas and create markets in such areas. Better internet connectivity and the provision of sustainable power supplies is a way forward as it helps ppl to go about their business.

Business, or the consumer orientation, is my 2nd point on the AG presentation. I think that commercialism has for a long time been undererstimated in the African context. We need to return to free markets and an understanding that people knew how to trade goods (and make a living out of it!) a long time before outsiders occupied SubSaharan Africa and introduced new cultural values.

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And by mentioning commerce, I am not talking about dealers in a small village who are ALL selling the same product (like the one pictured above where everyone sells rice), but instead a healthy trade of locally produced goods and services and much more diversity.

Someone from the audience asked if ppl would also be this inventive if they weren’t that poor and could afford to buy “better” products. It’s a tricky question because in reality it’s often not a question of being rich or poor, but rather the availability of affordable solutions. If you just can not buy enough welding machines that are required in the metal business and also won’t get a credit because you are not credit-worthy or because there’s no serious bank around, then you have to look for alternative solutions and make do with what is available. If the problem could be solved by being rich and just importing a welding machine from let’s say a Chinese manufacturer, the African economy wouldn’t benefit as much as when these machines are produced locally. As a consequence of that, ppl are instinctively doing the right thing by developing their own solutions and providing business opportunities for a local market. It’s a natural process that may not be that visible, or maybe even condemned by those who still believe that superior products have to come from the outside.

This btw also happened in Zimbabwe some time ago when local supply of sanitary towels was limited and women (not men) had to come up with their own solutions, e.g. using natural materials. Now, from a technical (process engineering) point of view, it’s much easier to treat natural (biodegradable) products than plastics – at least when it comes to the stuff ppl are flushing down their toilets. So these alternative sanitary towels may not be as convenient as those from the supermarket, but they are available and affordable. By the end of the day, products that work for customers will prevail. Everything else is just luxury and filed under “nice-to-have”.

Alasdair Munn also put it nicely on his blog:

“Technology solutions coming out of Africa are built with purpose, against objectives and within the boundaries of their resources. It is a solutions based approach. It is also a stripped down approach where only the relevant resources and tools are used. Simple works because less can go wrong and if it does go wrong, simple is easier to fix. There is a shift in the way tools and technologies are looked at.”

I believe that there’s no master plan for development in Africa, and even less a need for a well-meant guideline from the outside. There’s no one-way solution and this AfricaGathering certainly wasn’t meant to look for solutions “on how to help” etc. etc.. People in need know how to help themselves as most governments on this planet only exist to set a legal framework. We, the people, have to bring the change we want and so it was a valuable opportunity to team up with other like-minded folks during AfricaGathering who have understood that less help and more business may be an interesting alternative for a better way forward.

AOB: I spent less than 48h in London and met enough people to whom I was introduced as “Kikuyumoja”. It still amazes me that ppl know about this blog.

Wrong, Johnson, Moyo – eine Auswahl

Ein Artikel online über Demenz brachte mich auf Umwegen zu Tilman Jens, der ein sehr streitbares Buch über …. den Umgang mit seinem Vater, Walter Jens , geschrieben hat.

Überhaupt, dass ein 54jähriger Mann immer wieder als “Sohn von…” eingeleitet wird, wäre dann schon Grund genug, sich noch zu Lebzeiten zu differenzieren. Aber so?

Das Thema Alzheimer haben wir in der eigenen Familie von Anfang bis Ende durchlebt und nachdem der Spuk jetzt endlich vorbei ist, frage ich mich immer wieder: was bleibt?

Was bleibt – außer der Erinnerung, der Liebe, den Verbindungen – vom Intellekt, vom Schaffen zurück?

Menschen sind wie Bäume. Je älter sie werden, desto mehr Jahresringe bekommen sie und können besser verwertet werden. Spenden sie zu Lebzeiten Schatten und Schutz, können aus ihren Stämmen später lange und breite Bretter gesägt werden. Je mehr ein Baum erLebt, desto ergiebiger lässt sich davon profitieren.

Leider stimmt der Vegleich an dieser Stelle nicht mehr, denn Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson befallen Menschen wie ein Pilz, der die Substanz verändert und genau dort ansetzt, wo es am meisten schmerzt. Aus brauchbar wird unbrauchbar.

Eine ähnliche Frage stelle ich mir immer wieder bei Online Publikationen, die oft weniger breit und nachhaltig irgendwo im weiten Datennetz erscheinen und ob der Fülle an Informationen im Datennirwana untergehen.

Dieser Blogpost könnte auch ganz anders betitelt werden und ich könnte vielleicht von Anfang an hervorheben, dass ich mich viel lieber mit der Bedeutung von Onlineveröffentlichungen vs. Büchern beschäftigen würde.

Allein, ich vermag es in seiner Gänze nicht zu erfassen, gar zu überblicken, daher beschränke ich mich auf simple Fragen und stelle im Folgenden drei Bücher vor, die jetzt dank Amazon den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben und sich elegant an der sonstigen Pflichtlektüre vorbeimogeln.

Die Pflichtlektüre besteht zur Zeit übrigens aus wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Abwasserbehandlung in Entwicklungsländern, was zwar technisch überaus interessant ist, aber eben nicht faszinieren vermag – ganz im Gegensatz zu Gegenwartsliteratur über den afrikanischen Kontinent.

Eines aber noch vorweg: wenn wir in Zeiten einer WebCiety den Wechsel hin zu einer sich-ins-Netz-verlagernden-Gesellschaft bemerken, in der die Kommunikation miteinander an erster Stelle steht, stelle ich mir zwangläufig immer wieder die Frage: welchen Stellenwert haben Bücher (gedruckt, auf Papier) im 21. Jahrhundert?

Und: wer soll das alles lesen (?)…. in einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen durch MTV und YouTube gerade einmal gefühlte 10 Minuten beträgt und wenn Informationen nicht mehr in kleinen Häppchen oder gar in Linkform präsentiert werden?

Wenn wir weiterhin davon ausgehen, dass sich moderne e-Book Reader (wie Amazons Kindle und kostengünstige Einsteigercomputer wie Netbooks als alternative e-Book reader) durchsetzen werden (oder gar Handyromane, wie in Japan schon sehr populär), wie werden diese Inhalte (und nur darum geht es eigentlich) mit dem neuen Konsumverhalten vernetzt? Werden unsere Kinder das Buch als solches wahrnehmen und konsumieren, oder eher als Teil des Wissens in einer virtuellen Bibliothek abspeichern? Und wie werden sie damit umgehen?

Alles Fragen, die mich immer wieder beschäftigen und die micht jetzt trotzdem nicht vom Kauf der folgenden Exemplare abgehalten haben:

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Michaela Wrong: “It’s our turn to eat – the story of a Kenyan whistle blower”

Über John Githongo und seinen Kampf gegen die kenianische Korruption. Aufgeschrieben von Michaela Wrong, die ihn seinerzeit in seinem selbstgewählten Exil in England aufnahm. Michaela Wrongs Buch über Mobutu wurde schon gierig verschlungen und liest sich gut, ähnliches erwarte ich daher auch von diesem Werk, das die (größtenteils schon bekannten) Verstrickungen kenianischer Politiker in Korruptionsskandale beschreibt .

Dieses Buch wird in Kenia zur Zeit wohl nur unterm Ladentisch verkauft und dürfte sich zu einem Beststeller entwickeln, denn – anders als der Verfall Kongos – handelt es sich bei Kenia um eines der reichsten Länder Afrikas. Freilich hat Kenia nicht die Bodenschätze, wie sie Botswana oder der Kongo (DRC) aufweisen können. Seinen Reichtum zieht es vielmehr aus der geopolitisch günstigen Lage am Indischen Ozean (Hafen, Tourismus), den vielen Exilkenianern im Ausland (die für einen informellen Geldfluss sorgen) und vielleicht auch noch aus der Agrarwirtschaft (Kaffee, Tee, Blumen). Und während viele Ministerien immer noch vom Geldsegen der EU abhängen, die gelegentlich ein paar Pickups als Projektautos finanzieren, verfügen viele kenianische Politiker über ein sehr gutes Einkommen, das im sehr krassen Verhältnis zu ihren eigenen Leistungen, aber vor allem dem Durchschnittseinkommen im Lande steht.

Korruption als solche mag für viele als Ausgleichssystem für die vielen Ungerechtigkeiten in der Volkswirtschaft verstanden werden. Tatsächlich jedoch ist sie wie ein Pilz, der ein gesundes System zerstört und unbrauchbar werden lässt.

Die wirkliche Kernaussage dieses Buches scheint aber zu sein, dass das korrupte System vom scheinbar eigenen Mann aufgedeckt worden ist, der als Vertreter einer neuen Generation mit anderen Werten und Idealen aufgewachsen ist. Was wir hier sehen, ist der ungerechte Kampf zwischen den alten Männern eines über die Jahre gewachsenen profitablen Systems und einzelnen Vertretern wie John Githongo, die über einen viel moderneren Erfahrungshorizont verfügen.

Wäre ich ein bißchen Deutscher und älter – vielleicht so wie Tilman Jens – würde ich es vielleicht mit den Identifikationsproblemenen der 1968/1978er Generation im Nachkriegsdeutschland vergleichen. Interessant dabei: die wirklichen Auswirkungen erkennen wir oft erst an der folgenden Generation.

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Dominic Johnson “Kongo: Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens”

Dominic Johnson ist mir als Afrika Korrespondent der taz bekannt, dessen Artikel seinerzeit mit einer der Gründe für mein taz-Abo waren.

Ich war noch nie im Kongo, jedoch steht die Region auf meiner Reiseliste ganz weit oben. Aufmerksame Leser meines Blogs wissen sicherlich, dass ich hier schon den einen oder anderen Artikel mit Inhalten zum Kongo (als Region, nicht nur DRC) veröffentlich habe. Kurzum: für mich ein überaus vielversprechendes Buch, in dem ich vielleicht auch meine Vermutung wiederfinden werde, dass sich die “Demokratische Republik Kongo” in den nächsten Jahren in Einzelstaaten aufteilen wird. Der Kongo ist die für mich zur Zeit spannendste Region Afrikas.

“Die Kunst des Überlebens” – ja. Trefflicher kann man es wohl nicht beschreiben.

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Dambisa Moyo: “Dead Aid – Destroying the biggest global myth of our time”

Ein Buch im Stil von Prof George Ayitteys “Africa Unchained – The Blueprint for Africa’s Future”, das die “Ablasszahlungen” des Westens an Afrika beschreibt und einen neuen Weg aufzeigen möchte, der wirkliche Entwicklung in Afrika ermöglichen soll.

Da ich auch in dieser aufgeklärten Zeit immer wieder auf Zeitgenossen stoße, die ein komplett falsches Bild vom afrikanischen Kontinent und dem riesigen Potential haben, ist es umso wichtiger, Vertreter neuer Theorien zu entdecken, die – wissenschaftlich fundiert – eine eigene Lösung aus der Misere beschreiben und idealerweise auch noch über die nötige berufliche Erfahrung verfügen, die ihre Glaubwürdigkeit untermauert.

In Dead Aid, Dambisa Moyo describes the state of postwar development policy in Africa today and unflinchingly confronts one of the greatest myths of our time: that billions of dollars in aid sent from wealthy countries to developing African nations has helped to reduce poverty and increase growth. (Quelle)

Dambisa wurde letztens auch von der BBC im HardTalk interviewt und ich habe sie vorhin via Twitter auf das Africa Gathering Ende April in London hingewiesen. Mal schauen was draus wird…Sie kann nicht, ist auf Lesereise in den USA.

The silver lining der hier vorgestellten Werke ist für mich ganz klar die Erkenntnis, dass es Veränderungen in Afrika nur durch eine neue Generation geben kann, die – aufgewachsen mit traditionellen Verhaltensmustern und typischen US-amerikanischen SitComs wie dem Fresh Prince of BelAir – ihren eigenen Weg finden muss.

UPDATE: Fünf Wochen nach VÖ dieses Beitrags ist in der FAZ ein Interview zu Dambisa Moyos Buch erschienen. Und jetzt hat sie sogar wohl noch im Vortrag bei der Weltbank überzeugt. Wer sich auch nur ein bißchen mit Afrika beschäftigt, sollte dieses Buch unbedingt lesen – kann es wärmstens empfehlen. Weniger um einen möglichen Lösungsweg aufgezeigt zu bekommen, als vielmehr die moderne Einstellung des neuen Afrikas zu verstehen.