Die Kunst im Juli

Wieder war es ein Tweet in der Timeline, ein Bild von Max Beckmann vom Frankfurter Hauptbahnhof, das mich aufhorchen ließ. Über ein Bild aus einer früheren Schaffensperiode („Eisgang”) gibt es im Blog des Frankfurter Städelmuseums einen lesenswerten Beitrag zur Provenienz des Bildes. Das Bild des Frankfurter Hauptbahnhofes von 1943 dagegen wirkt eher unruhig, mit einer schwarzen Katze an der Seite, der eine eigene Bedeutung zugemessen wird. Er malte es im Exil aus der Erinnerung, insofern schon eine Leistung.

Es erschien alo in meinem Twitterfeed, als Tweet einer Nutzerin, die mich in letzter Zeit schon zu manch anderen Dingen inspiriert hat und mit der ich gerne mal ins Museum / aufs Konzert / aufn Acker zur Ernte gehen würde. Solche Begegnungen sind oft sehr fruchtbar, aber vor allem ist Max Beckmann für mich nicht einfach so ein normaler Künstler, sondern eine prägende Gestalt meiner Kindheit. Und das kam so:

Max Beckmann: „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“. 
1942, Öl auf Leinwand, 60 × 30 cm

Irgendwann Mitte der 1980er Jahre schickten uns die Eltern zu einem Sommerkurs an die Bremer Kunsthalle, wo wir die Aufgabe bekamen, ein Bild auszuwählen und es in Linoleum nachzuschnitzen. So entschied ich mich damals für das Beckmannsche Bild „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)” von 1942 (das wohl nicht ein Teil der damalige Ausstellung, wohl aber in einem der Kataloge abgebildet war). Der Linolschnitt war ein Kampf, für mein 10jähriges Ich war es eine geistige Herausforderung, es sollte ja alles spiegelverkehrt aufgezeichnet und negativ ausgeschnitten werden. Die spitze Nase, die Frisur, das Haarband, der lange, schlanke Hals, das Kinn, die langen Ohren oder Ohrringe – dieses Bild brannte sich mit bleibender Erinnerung in mein Hirn. Gerade letztens hielt ich zu Hause noch einen Abdruck des Linolschnitts in den Händen und werde ihn hier irgendwann nachtragen.

Jedenfalls: Das war Max Beckmann für mich damals. Und genau daran erinnerte ich mich beim Anblick des Beckmannschen Hauptbahnhofes im Tweet.

Frankfurt

Heute lebe ich seit einigen Jahren in Frankfurt und habe erst letztens gemerkt, dass dort am Haus Nr. 3 in der Schweizer Straße eine Plakette montiert ist, auf der Max Beckmanns Wohnung gekennzeichnet ist. Kein Wort steht dort über Ugi Battenberg, seinen Malerkumpel, der ihn während des ersten Weltkriegs aufnahm und versorgte. Ebenso unerwähnt bleibt bisher oft auch noch Ottilie Roederstein, zu der es wohl in 2021 eine Ausstellung im Städel geben wird und auf die ich mich schon sehr freue! Ottilie war Ugis Lehrerin, und ohne sie und Ugi hätte es wohl auch keinen Beckmann in Frankfurt gegeben.

Max Beckmann also, dieser sicherlich schwierige, eigensinnige Kerl, mit seinen Vorträgen zur Kunst. Dieser Beckmann malte im besetzten Amsterdam in 1942 ein Bild einer Frau, die ihm wohl in seinen Träumen erschienen war. Dieses Bild der “Ägypterin”, es zog mich als kleiner Junge in seinen Bann und beim Anblick heute verfalle ich noch ins Schwärmen. Es berührt mich auf so vielen Ebenen und gefällt mir so gut, dass ich es mir dieser Tage am Drucker in Farbe ausgedruckt und in Ermangelung freier Wände an die Toilettentür gehängt habe. Gibt es einen anderen Ort in der Wohnung, an dem man auf eine Tür starrt? Eben.

Interessanterweise wurde dieses Bild in 2018 für 4,7 Millionen Euro (plus Aufgeld) beim Berliner Auktionshaus Grisebach versteigert. Versteigerungen sind wunderbare Gelegenheiten, mehr Informationen über Kunstwerke zu sammeln und zu veröffentlichen. So gibt es bei Grisebach eine sehr informative PDF (11,5 MB) mit den Hintergründen zum Bild und vor allem zur Kunsthistorikerin Barbara Göpel, die sich unter anderem dem Werke Beckmanns verschrieben hatte.

Spätestens seit unserer Fotokunstaktion in 2018 zum Thema Mylius (Mylus-Spuren.de) sehe ich Frankfurt auch immer mehr mit anderen Augen. Dieses alte Frankfurt, es interessiert mich und wenn ich bei den Pommes am Birmingham Pub stehe, denke ich an den Verlauf der damaligen Judengasse. Wie mag das alte Frankfurt vor 1945 auf diese Maler gewirkt haben? Gerade im Bereich der Judengasse gab es eine alte Synagoge, die Beckmann auch mal festgehalten hatte.

Frankfurt hatte Beckmann vom ersten Tag an fasziniert. Wenn sich der Maler nicht in seinem Atelier unweit des Städel zurückzog, liebt er es, am späten Nachmittag in der Hotelhalle des Frankfurter Hofs einen Kaffee oder einen Drink zu nehmen.Abends,noch lange nach Mitternacht, traf man ihn oft im Restaurant des Hauptbahnhofs, wo er neben Sekt und Muschelsuppe seine Brasilianischen Zigarren genoss. Es war das hektische Treiben dieser Orte, das geschäftige Hin und Her, die Möglichkeit, Menschen zu beobachten, die in magisch anzog.

Beckmann und Frankfurt also: So wie er, sind auch wir nur hier gestrandet und dann länger geblieben. Einfach weil es so schön ist.


Gold

Einige Tage später schaute ich online nach den Bildern eines japanischen Malers, von dem meine Eltern damals einige Werke gekauft hatten. Er malte vor allem schwarze, sehr dunkle Bilder, als Kinder haben wir sie immer nur als die “schwarzen Bilder” bezeichnet, weil da außer ein paar helleren Schattentönen nicht viel zu erkennen war. Schon sehr modern und interessant, aber vielleicht auch nicht gerade das was man sich statt eines lebhaften Farbklecks ins Zimmer hängen möchte.

Sucht man online nach der Kunst, werden einem oft auch andere, thematisch passende Suchergebnisse angezeigt. So bekam ich ein Bild eines US-Amerikanischen Malers angezeigt, der ebenfalls aus Japan stammt, in Japan und den USA aufgewachsen ist und sich eines japanischen Kunststils (“Nihonga“) angenommen hat, auf den ich noch eingehen werde.

Die traditionelle japanische Kunst ist mir eigentlich relativ vertraut, was aber auch daran liegt, dass wir von 1975-1983 in Tokio gelebt haben und mein Vater wohl sein ganzes Einkommen in Antiquitäten gesteckt hatte. Ich kenne mich leider noch viel zu schlecht aus und entdecke erst jetzt mit Mitte 40 diese alte Welt der feinen Künste, daher auch dieser Blogpost.

Um es abzukürzen: Bilder mit goldenen Farben ziehen mich auf eine für mich noch unerklärliche Weise magisch an.

Alex Kerr erwähnt in seinem überaus spannenden lehrreichen Buch “Lost Japan” den japanischen Autor Tanizaki Jun’ichiro (Tanizaki ist der Nachname), der wiederum in seinem Buch “In’ei Raisan / Lob des Schattens” die Bedeutung der goldenen Stellwände in den japanischen Häusern beschrieb. Traditionelle japanische Häuser zeichneten sich vor allem oft dadurch aus, dass in ihnen gekocht wurde und an einer zentralen Feuerstelle im Boden ein ständiges Feuer glühte, so dass die Wände und Decken vom Rauch dunkel verfärbt (und die Deckenbalken mit Tabak & Co vollgehängt) waren. Diese Stellwände (screens, byobu) hatten neben ihrer Aufgabe als Trennwände / Raumteiler und zur Darstellung materiellen Reichtums also auch die Aufgabe, das sparsame Sonnenlicht zu reflektieren, um die Häuser von innen zu beleuchten. Alex Kerr führt fort, dass dies übrigens auch der Grund dafür sei, wieso die japanischen Städte immer alle so grell und hell beleuchtet sind, was für mich alles sehr plausibel klingt. Man wollte der ewigen Dunkelheit der traditionellen Häuser entkommen.

Sehe ich also goldene Wände, denke ich automatisch an Japan, an diese Screens, an goldene Buddha-Figuren, an einen ostasiatischen Zauber, der mich in seinen Bann gezogen hat. Das Gold selber und sein Wert interessiert mich da weniger, wohl aber seine chemischen Eigenschaften und dass uns goldene Schmuckstücke auch nach Jahrhunderten faszinieren können. Oft haben die Materialien den Zahn der Zeit überdauert und können so eine Handwerkskunst offenbaren, die teilweise verloren gegangen ist. Hätte man mich früher gefragt, ich hätte dem Gold keinen großen Wert beigemessen. Die goldene Farbe? Gibt es doch auch schon bei den vielen (indischen) Messingprodukten im Haushalt. Wir leben in einer übertriebenen Medienwelt, in der praktisch jede Farbe und -kombination auf Knopfdruck bereitgestellt werden kann.

Makoto Fujimura und Daniel Siedell im Studio des Malers in Princeton, New Jersey, vor dem Bild “Golden Sea” (64 x 80, 2011) [Quelle]

Golden Sea

Und dann kamen diese Bilder des US-Japaners Makoto Fujimura in mein Leben. Jetzt, im Juli 2020. Sein hier abgebildetes Werk “Golden Sea” ist ein Meisterwerk, für das ich jede Wand in dieser Wohnung freiräumen würde. Es ist perfekt, es ist vollständig, es beruhigt und unterhält zugleich. Ich liebe genau diese Farben und könnte es mir täglich anschauen, ohne davon genervt zu sein. Es hat alles was ein Kunstwerk für mich haben muss, um in meiner Wahrnehmung der Welt genossen zu werden.

Standbild aus einem Video auf der Website des Malers: Ein Regal voller Farbpigmente in Glasbehältern.

Der Maler verwendet für seine aktuellen Bilder (die eine Mischung aus der traditionellen Nihonga-Stilrichtung und abstraktem Expressionismus darstellen) eine spezielle Maltechnik, bei der Gold und Farbpulver aus zerstoßenen Mineralien zum Einsatz kommen. Diese Farben kamen auch schon früher zum Einsatz, sie waren oft die Basis in der europäischen Malerei des Mittelalters und der Renaissance. Es sind intensive, natürliche Farben mit einer eigenen Brillianz. Die Farben kauft er in einem exklusiven japanischen Ladengeschäft und lässt sie sich sogar bis in die USA schicken. Gerade letztens wieder: Ein Ladung intensives Blau aus Azurit. Bei Instagram gibt es aktuelle Bilder und Stories zu sehen, und das spricht mich alles schon sehr an.

Der Fujimurasan mischt diese Farbpulver dann mit Knochenleim und trägt sie in dünnen Schichten auf die Leinwand auf, teilweise 80 bis 100 Lagen, bis er mit dem Malen des eigentlichen Bildes beginnt. Auch das ist so eine typische japanische Grundhaltung zur Kunst: Bloß nicht schneller machen als nötig, lieber viele, lange Pausen. Als Europäer müsste man wohl sehr geduldig sein. Der Maler ist es auf jeden Fall, bezeichnet Nihonga als “slow art” und hat zugleich eine christliche Missionierungsbotschaft, was ich etwas befremdlich finde. Aber wenn es ihm bei seiner Kunst hilft, OK.

Eine Besonderheit der mineralischen Farbpigmente ist, dass sie sich schwer vermischen lassen. Möchte man also eine neu Farbe erzeugen, trägt man die einzelnen Farben als einzelne Schichten auch. Aufgrund der längeren Trocknungsdauer ergibt sich dadurch auch eine viel längere Bearbeitungszeit. Wenn man sich in Nihonga etwas eingelesen hat, werden auch die essentiellen Farben und Tricks beschrieben, um Farben etwas nachzudunkeln. So kann man einige Pigmente in extra für diesen Zweck verfügbaren kleinen Pfännchen auf dem üblichen Gasherd nachdunkeln. Bei Nihonga100 findet man ein großartiges Blog rund um das Thema, mit vielen ausländischen Künstlern, die diese Technik in Japan neu erlernen. Exklusiv ist das alles auch deswegen, weil diese Farbpigmente in Japan mit etwas mehr Sorgfalt und manuell hergestellt werden. So werden die Farbpigmente beim Herstellungsprozess beispielsweise in Wasser getaucht und nach unterschiedlichen Sinkraten vorsortiert. Die Gebinde kommen üblicherweise in Einheiten zu je 15gr, man bestellt sie dann als Vielfache dieser Mengeneinheit.

Als Leinwand kommt beim Fujimura auch Kumohada Mashi zum Einsatz, dickeres japanisches, handgeschöpftes Papier aus Hanf und Maulbeeren. Das liegt vermutlich auch an den Farben, die ihre Zeit brauchen, um zu trocknen und mit dem Untergrund – so erklärt es der Maler in einem Video – eine spezielle Verbindung eingehen: Die Farbpigmente erfassen das Licht und lassen es in tieferen Farbschichten reflektieren. Dadurch erhalten die Bilder auch eine räumliche Wirkung, die wohl im Original und bei entsprechender Beleuchtung noch besser erkennbar sein soll.

Und das alles nachdem ich mir letztens schon in einer spontanen Aktion ein – bei näherer Betrachtung etwas merkwürdiges – Bild eines deutschen Künstlers am heimischen Farbdrucker als Poster ausgedruckt und über das Bett gehängt hatte (siehe Bild). Die Wand hinter dem Bett ist petroleumfarbig und dort hing in Ermangelung einer passenden (konsensfähigen) Alternative lange Zeit: Nichts. Diesen Zustand habe ich jetzt geändert und erfreue mich seitdem täglich an diesem goldenen Farbton. Gerade die im oberen Bereich sichtbaren kleinen Quadrate empfinde ich als sehr genial. Weniger genial ist hierbei die aus meiner Sicht völlig dämliche Beschriftung des Bildes mit einem Frauennamen in weißer Schreibschrift. So als wenn der Maler jeder Herzensdame ein Bild gewidmet hätte. Das erkennt man erst bei näherer Betrachtung, aber dennoch: irgendwie absurd. Der Grund ist auch egal, es zerstört das Bild einfach etwas. Der Rest passt gut!  Interessanterweise hatte sich der deutsche Maler hier an der Ikonenmalerei orientiert und sein Werk auch auf Holz gemalt.

Ich kann mir weiterhin nicht erklären, wieso ich auf diese Farbkombinationen derzeit so abfahre, aber sie beruhigen mich unheimlich und sättigen die Augen. Mehr brauche ich nicht, so reicht es mir.

Und das ist eigentlich ein sehr schöner Zustand so und für mich allemal Grund genug, den Juli 2020 zum Monat der Kunst zu deklarieren und darüber zu schreiben.

Bonus

Generative things are happening in the studio… #culturecare

Gepostet von Makoto Fujimura Art am Montag, 13. Juli 2020

Der Dreizehnte Monat

Mit der Unschärfe ist es wie mit der Liebe: Am Ende zählt nur der Blick fürs Ganze. Für die Farben und die Stimmung, für die Gefühle beim Betrachten. Ähnlich verhält es sich mit geschrieben Werken – auch Jahre später können sie noch Emotionen erwecken. So wie bei mir.

Vor ungefähr 67 Jahren verfasste Erich Kästner einen (mittlerweile berühmten) Gedichtzyklus über die 12 Monate des Jahres. Später ergänzte er sein Werk noch durch ein schönes Vorwort und vor allem einen dreizehnten Monat, in dem er die Frage stellt, wie dieser wohl aussehen könne.

Das Vorwort alleine schon könnte in diesem Corona-Jahr nicht treffender sein: „Die Jahreszeiten finden in der Markthalle statt.”  – als Großstadtmensch verlernt man schnell den Blick für die Natur, weil man vor allem von versiegelten Flächen umgeben ist. So war es schon 1954, und heute ist es nicht viel besser. In diesem Jahr aber verbringen wir unheimlich viel Zeit voneinander getrennt, und erleben die Jahreszeiten wie im Rausche vorbeifliegen. Jetzt haben wir schon fast Ende Juli und erleben ein Jahr, in dem die Welt Kopf steht und sich eigentlich verändern, gar verbessern könnte.

Dieser Tage stieß ich via Twitter wieder auf Kästners Werk und so arbeitete es in mir, den 13. Monat in einer eigenen Wunschvorstellung mit Leben zu erwecken. Twitter ist ein sehr kurzweiliges Netzwerk, mit kurzer Aufmerksamkeitsdauer und sich schnell ändernden Inhalten. Es gibt zwar eine Suchfunktion, doch wonach suchen? Daher möchte ich meine Tweets zu diesem Thema mal in Form dieses Blogposts festhalten und hier eintragen, was ich dort so zum dreizehnten Monat schrieb. Die Länge der Tweets ist derzeit auf 280 Zeichen begrenzt, die Kürze bestimmt also die Länge. :-)

Der 13. Monat, er wäre wohl meiner,
die Menschheit in ihm, sie wäre feiner.
Sie würde keine Kriege ausfichten,
stattdessen mit Güte und Liebe beschwichten.
Es wäre eine Zeit der globalen Pandemie,
für die Menschen eine Möglichkeit zur Therapie. (src)

 

Besinnung auf die eigentlichen Werte,
ohne dass sich jemand wirklich beschwerte;
In der ein Mensch vor allem er selber ist,
sein Wert sich nicht an Herkunft misst,
In der Faschismus nicht erstärke,
Dummheit und Hass nicht ständig werke. (src)

 

Der 13. Monat, er wär so fein,
er wär willkommen, wir riefen “Herein!”.
Wir würden seiner an Weihnachten gedenken,
uns gegenseitig mit Liebe beschenken.
Und doch wär er nur Wunsch und Utopie,
ein Gedanke in dieser elenden Pandemie. (src)

 

“Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!”
hör ich den Dichter im Vorwort stöhnen.
Der 13. Monat sodann, er wäre unsere Chance,
die Welt zu verbessern, und wärs nur eine Nuance.
Wir müssten sie uns selber schaffen,
mit viel mehr Liebe als unseren Waffen. (src)

 

Im 13. Monat würden die Autos keinen Raum einnehmen,
sie führen lautlos in ihren Systemen;
Das Miteinander wäre das Maß der Dinge,
wenn es um die Umwelt ginge;
Öffentlicher Nah- und Fernverkehr
wär viel günstiger und so populär;
Die Städte wieder für die Menschen da,
is klar? (src)

 

Im 13. Monat wär die Musik auch wichtig,
wohlklingend, antreibend und so vielschichtig;
Sie wäre viel mehr Mittelpunkt im Alltag,
ein jeder dürfte hören was er mag;
Ob Sprechgesang oder transponierte Höhen,
man könnte sich an all das gewöhnen. (src)

 

Kommen wir nun zur Essenslage,
denn die wäre auch kein Grund zur Klage;
Ein jeder hätte eine Grundversorgung,
es gäb keinen Hunger, keinen Grund zur Sorge;
Auch sanitäre Einrichtungen wären vorhanden,
Duschen und Toiletten an jeder Ecke entstanden. (src)

 

Fürwahr, der 13. Monat wäre eine Utopie,
so etwas Schönes aber, das gab’s noch nie;
Es wär mal Zeit für diesen Wandel,
Zeit für die Menschen, bald zu handeln;
Der Planet, er braucht uns nicht wirklich,
im Grunde sind wir alle gar nicht wichtig. (src)

 

Nun sind wir aber trotzdem hier,
glänzen vor allem durch unsere Gier;
Trotz der Ohnmacht vor dem Durcheinander,
fänden wir wohl doch zueinander;
Würden uns alle weniger streiten,
eher gegenseitig Freude bereiten. (src)

t.b.c.

Mit der Dichtkunst verhält es sich bei mir wie mit anderen Dingen, die ich in 2020 aktiviert habe. Sie ist vielleicht nicht ideal, aber in dem Moment ist es einfach da und muss raus. Nicht für die Anerkennung, sondern fürs eigene Seelenheil werden die Dinge aufgeschrieben. Nicht für die Likes oder Twitterfame. Und während andere in der Krise zu Hause in Schockstarre verweilten, weil die Umstände die gewohnten Abläufe verhinderten, fühlte ich mich in dieser Zeit so frei und lebendig wie schon lange nicht mehr. Eine Bekannte schrieb mir dazu, dass sie aufgrund unseres Third Culture Kid (TCK) Hintergrunds derzeit aufblühe und diese neu empfundene Energie das Ergebnis unserer Kindheit wäre, in der man durch die vielen Ortsveränderungen ständig auf neue Dinge programmiert worden sei. Und so empfinde ich es auch. 2020 meint es bisher gut mit mir, obwohl sich derzeit alles auf den Kopf stellt und die Achterbahnfahrt sicherlich noch nicht zu Ende ist.

2020 ist unser dreizehnter Monat.

Wer schreibt, der bleibt.

Das “unrelated photo” hat bei mir schon Tradition. Aber so eine Schale Erdbeeren ist doch auch schon schön, oder?

Heute bin ich nach einem unruhigen Schlaf aufgewacht, griff zum Handy, las ein paar Tweets und dachte mir so: “Ach, zu diesem Thema hatte ich doch schon mal einen Blogpost geschrieben”.

Und dann ist mir schlagartig bewusst geworden, dass dieses Blog schon seit fast 15 Jahren existiert. Und dass ich immer wieder hier und auf meinen anderen (Themen-)Blogs nach alten Beiträgen schaue, die teilweise in der Thematik nicht all zu viel an Aktualität eingebüßt haben und Gedanken zusammenfassen, die ich in der Zeit mal auf Englisch oder Deutsch zu einem bestimmten Thema zusammengeschrieben hatte. Vieles vergisst man ja auch inhaltlich, da ist so eine Merkhilfe nicht verkehrt.

15 Jahre! Andere gründen in der Zeit eine Familie, bekommen Nachwuchs, machen Karriere, reisen durch die Welt. Und ich? Habe in den 15+ Jahren mein Geschreibsel im Internet gesammelt und es an einem Ort veröffentlicht. Vielleicht nicht immer für alle Leser*innen interessant oder relevant, aber für mich doch auch faszinierend, dass man ein Blog so lange betreiben kann. Gerade wo doch die Inhalte online immer kürzer (Twitter), visueller und kurzlebiger (IG Stories) werden, und die Anzeige eher einem zufälligen Aufpoppen im Feed des Lesers überlassen wird. Alleine das Thema “RSS-Feeds” wäre ja auch schon ein Grund zum Jammern. Überhaupt, wer liest denn heutzutage noch Blogs?

Vielleicht ist das auch die falsche Frage, denn ein Maler malt seine Bilder auch nicht weil sie angeschaut werden sollen, sondern weil da etwas tief drinnen ist, das befreit werden möchte und sich dann entfalten soll. So ist es auch immer mit meinen Blogposts gewesen, und in all den Jahren habe ich auch nie nach SEO-Kriterien geschrieben, was sicherlich auch daran liegt, dass es diesen ganzen professionellen / kommerziellen Ansatz zum Bloggen erst viel später gab. Im Artikel über den leider viel zu früh verstorbenen Robert Basic schrieb ich auch etwas zu dieser Art des Bloggens: Die Dinge einfach runterschreiben, aber um des Schreibens willens, nicht weil man irgendwelche Nischenthemen besetzen oder irgendwelche Klickraten in dieser Aufmerksamkeitsökonomie erreichen möchte.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich mich nach 2008 immer wieder gegen die Bezeichnung “Blogger” gewehrt hatte. Ich wollte nicht mit diesen neumodischen Bloggern in einen Topf geworfen werden, die ihre Blogs vor allem aus kommerziellen Gründen heraus gestartet hatten und da ganz anders herangingen. Fucking Millenials aber auch, ständig diese Optimierung der Selbstdarstellung, dicht gefolgt von einer Sinnkrise, wenn es mal nicht so gut läuft. So einer von denen wollte ich nicht sein, “Blogger” sein war mir zu blöd geworden. Auf einer Fachkonferenz wurde ich mal als Blogger vorgestellt, was ich etwas absurd fand. ABER! Aber…. aber die anderen Teilnehmer waren größtenteils Wissenschaftler, die nicht emotional oder “spannend” genug formulierten, die Texte nur aus Forschungsberichten und -anträgen kannten und die wenn dann erst spät Twitter für sich entdeckt hatten und ihre akademischen Tweets mit Hashtags ertränken (was soll das? Referenzierbarkeit wichtiger als Lesbarkeit? So absurd…). Dann doch lieber Blogger sein – und kein Journalist, kein Wissenschaftler, kein sonstwas, sondern Blogger. Wo ein Artikel als Satire oder Meinung gelten kann und keine Standards erfüllen muss, die irgendjemand auferlegt hat. Das Schreiben nach SEO-Kriterien empfinde ich übrigens auch als so eine Gängelung: Sind meine Texte zu lang? Liest das überhaupt jemand noch, wenn sie einerseits nur noch Tweets und IG-Stories gewöhnt sind, andererseits “Blogposts” nur noch als diesen weichgespülten SEO- und Klickbbait-Mist kennen?

Im Grunde ist es egal. Es ist egal, was man als Blogposts in dieses Netz schreibt, weil die Leute immer weniger längere Beiträge lesen und selbst beim besten Willen noch nicht mal sicher ist, dass sie Deine Inhalte richtig angezeigt bekommen. Nicht egal ist mir aber das Schreiben und vor allem dieses Blog – mein Hauptblog – in das ich seit 2005 Dinge reinschreibe und das ich immer wieder gerne aufrufe, weil ich hier Gedanken verortet habe, die mir irgendwann wichtig waren. Vielleicht ist das alles Grund genug, um einfach weiterzumachen.

Eindrücke vom 11. BarCamp Rhein-Main 2019 #bcrm19

BarCamps sind ein großartiges Veranstaltungsformat, weil sie Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an einem Ort zusammenbringen und den Raum für freien Wissensaustausch bereitstellen. In 2016 schrieb ich bei HalloFrankfurt.de einen längeren Artikel über das damalige BarCamp RheinMain; bis auf 2009 und 2015 war ich immer dabei. Dieses Jahr war ich wieder vor Ort und möchte daher meinen Eindruck von der Veranstaltung festhalten. Dieses Jahr war ich auch noch bei einem anderen BarCamp, dem Content Strategy Camp (#Cosca), das auch in einer Hochschule stattfand. Hochschulen sind die besten Orte für diese Veranstaltungen, weil sie in der Regel optimal ausgestattet sind und neben der technischen Ausstattung in den Veranstaltungsräumaen (Beameranschluss, Internet) auch eine größere Gruppen an Menschen bewältigen können. Toiletten – mein berufliches Lieblingsthema – gibt es auch selbstverständlicher als anderswo. Read more →

…in dem wir gut und gerne leben. #aussteigen #iaademo

Überall nur Räder, ein Traum!

Den unten stehenden Text schrieb ich letzte Nacht spontan bei Facebook rein, was für mich eher untypisch ist und ich meine Texte lieber in meinen Blogs sammel. Auslöser für den Text war die Teilnahme an der Fahrraddemo in Frankfurt am 14.9.2019, bei der aus allen Himmelsrichtungen Radfahrer aus Frankfurt und anderen Städten sternförmig zusammenkamen und in der Frankfurter Innenstadt vor der IAA-Messe demonstriert haben. Während diese große Menge an Radfahrern in dieser Stadt für mich ein ganz neues und sehr positives Erlebnis war, gab es nicht nur positive Rückmeldungen zur Demo, sondern auch viel Häme. Mir scheint als sind die Radfahrer die natürlichen Feinde der Autofahrer, es ist ein ständiger Kampf, dabei könnte es ein viel empathischeres Miteinander geben. Und es scheint mir vor allem ein Kommunikationsproblem zu sein, weil wir in Deutschland zwar viele Dinge diskutieren, aber so grundlegende Dinge für ein fröhliches Miteinander eher einer Erwartungshaltung überlassen, als sie in der Gesellschaft zu trainieren. Selbst die sogenannte “Flüchtlingskrise” oder die absurde “Überfremdungsangst” sind aus meiner Sicht auch ein Ergebnis dieser ungenügenden Kommunikation, in der wir verlernt haben, uns gegenseitig zu wertschätzen und zu verstehen.

Zurück zur Demo: Ich empfand die so genial und werde auf jeden Fall bei den nächsten Critical Mass Veranstaltungen in Frankfurt wieder mitmachen. Mein Fahrrad ist unbequem, mir sind die Reifen zu schmal, 7 von 21 Gängen sind seit Jahren defekt und ich favorisiere eine andere Sitzhaltung. Trotzdem empfand ich das alles als genau richtig, und ich erwähne es, weil es genau darum auch geht: Das Rad ist nicht DIE (perfekte) Lösung für uns alle, aber ein Teil der Lösung. Wer auf dem Land wohnt, ist oftmals zwingend auf ein Fahrzeug angewiesen. Ich liebe unseren 2007er VW Touran mit 2.0 Diesel EA188-DPF-Motor (Euro 4), seinen kostengünstigen Tiefgaragenstellplatz in der Wohnungsbaugenossenschaft und nutze den Wagen in der Stadt vor allem zum Einkaufen. In der kompletten Diskussion geht es seit Jahren allerdings nur um schwarz-weiß-Denke. Dafür oder dagegen. Aus meiner Sicht geht es vor allem um eine Industrie, die an den realen Bedürfnissen vorbei an teilweise überflüssigen Produkten arbeitet und das alles so selten in Frage gestellt wird. Was hat sich jetzt eigentlich in Folge des Dieselskandals getan und was ist mit den anderen Luftverpestern, die nicht verfolgt werden? Das ist alles nicht so einfach zu beantworten, wenn man selber gerne mit dem Auto fährt und sich über rücksichtslose Radfahrer ärgert, andererseits aber als gelegentlicher Radfahrer ums nackte Überleben kämpft und defensiver unterwegs ist als mit dem Auto. Und das ist in Frankfurt schon derbe brutal, weil es hier überaus viele Verstöße gegen die StVO gibt. Fahrt im Stadtverkehr mal konstant 50 km/h und beobachtet die Reaktionen.


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