Eindrücke vom 11. BarCamp Rhein-Main 2019 #bcrm19

Bar­Camps sind ein groß­ar­ti­ges Ver­an­stal­tungs­for­mat, weil sie Men­schen aus unter­schied­li­chen Berei­chen an einem Ort zusam­men­brin­gen und den Raum für frei­en Wis­sens­aus­tausch bereit­stel­len. In 2016 schrieb ich bei HalloFrankfurt.de einen län­ge­ren Arti­kel über das dama­li­ge Bar­Camp Rhein­Main; bis auf 2009 und 2015 war ich immer dabei. Die­ses Jahr war ich wie­der vor Ort und möch­te daher mei­nen Ein­druck von der Ver­an­stal­tung fest­hal­ten. Die­ses Jahr war ich auch noch bei einem ande­ren Bar­Camp, dem Con­tent Stra­te­gy Camp (#Cos­ca), das auch in einer Hoch­schu­le statt­fand. Hoch­schu­len sind die bes­ten Orte für die­se Ver­an­stal­tun­gen, weil sie in der Regel opti­mal aus­ge­stat­tet sind und neben der tech­ni­schen Aus­stat­tung in den Ver­an­stal­tungs­räuma­en (Bea­me­ran­schluss, Inter­net) auch eine grö­ße­re Grup­pen an Men­schen bewäl­ti­gen kön­nen. Toi­let­ten — mein beruf­li­ches Lieb­lings­the­ma — gibt es auch selbst­ver­ständ­li­cher als anderswo. 

So war es dann also auch nicht ver­wun­der­lich, dass das dies­jäh­ri­ge 11. Bar­Camp Rhein­Main im Neu­bau der Hoch­schu­le Fre­se­ni­us, Stand­ort Wies­ba­den durch­ge­führt wur­de. An die­ser pri­va­ten Hoch­schu­le ist alles etwas klei­ner als man es viel­leicht von der nor­ma­len Uni gewohnt ist, dafür in einem sehr guten, neu­wer­ti­gen Zustand, was des­we­gen auch erwäh­nens­wert ist, weil es den posi­ti­ven Gesamt­ein­druck unter­streicht und es auch auf­wer­tet. In 2019 wird es lei­der immer schwie­ri­ger, Spon­so­ren oder Spen­der für so eine Ver­an­stal­tung zu fin­den (der Ver­an­stal­ter ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein), daher soll auch die­ser Bei­trag hel­fen, dass das Bar­Camp-For­mat wie­der bekann­ter wird. Wün­schens­wert wäre es, wenn ein zukünf­ti­ges Bar­Camp in der Uni in Frank­furt statt­fin­den könn­te. Anläss­lich des 100. Web­mon­tag Frank­furt schrieb ich schon, dass gute Räu­me in Frank­furt abso­lu­te Man­gel­wa­re sind und es eigent­lich ein Armuts­zeug­nis für Frank­furt ist, dass wir hier so eine Ver­an­stal­tung nicht hin­be­kom­men. Unse­re Part­ner­städ­te im Rhein-Main-Gebiet sind da wesent­lich wei­ter. Selbst Offen­bach hat mich damals bei der ers­ten TEDx posi­tiv über­rascht, die dort in einem Muse­um statt­fin­den konn­te. Die gan­ze Ver­an­stal­tung steht und fällt lei­der auch zu einem Groß­teil mit der Loca­ti­on: Ist die nicht opti­mal, beein­flusst das auch den Rest. Inso­fern bin ich sehr froh, dass die Hoch­schu­le Fre­se­ni­us ihre Räum­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung stel­len konnte!

Auch in 2019 ist das Ver­an­stal­tungs­for­mat immer noch bei vie­len — vie­len guten und inter­es­san­ten — Men­schen voll­kom­men unbe­kannt. 13 Jah­re nach dem ers­ten Bar­Camp in Deutsch­land ist es immer noch ein erklä­rungs­be­dürf­ti­ges Pro­dukt, was ent­we­der am schlech­ten Mar­ke­ting oder am Des­in­ter­es­se der Men­schen liegt. Dabei ist ein Bar­Camp so inspi­rie­rend wie frü­her viel­leicht die TED(x)-Veranstaltungen, die ich auch mit­or­ga­ni­sie­ren durf­te. Dort lau­te­te die Tag­li­ne “ide­as worth sprea­ding”, und das könn­te man beim Bar­Camp auch so als Grund für den Wis­sens­aus­tausch ange­ben. Bar­Camps schaf­fen auch eine unge­zwun­ge­ne Atmo­sphä­re: Man kann an den ein­zel­nen Vor­trä­gen (Ses­si­ons) teil­neh­men, muss aber nicht und kann sich genau­so gut mit irgend­wel­chen Leu­ten unter­hal­ten oder auch wäh­rend einer Ses­si­on bei Twit­ter die Tweets durch­fa­ven. Alles ist recht zwang­los, nie­mand regt sich dar­über auf, wenn ein Teil­neh­mer die “Vor­le­sung” ver­lässt und in den Nach­bar­raum wech­selt. Die meis­ten Teil­neh­mer ver­las­sen die Ver­an­stal­tung mit einem sat­ten und zufrie­de­nen Lächeln im Gesicht, man wird inspi­riert und lernt neue Men­schen, The­men und Sicht­wei­sen ken­nen. Das kann auch alles sehr berei­chernd sein und ist auf jeden Fall eine wun­der­ba­re Art, sein Wochen­en­de zu verbringen.

Meine Session

Die­ses Mal hat­te ich auch wie­der einen Vor­trag mit­ge­bracht, in den ich eini­ge Zeit inves­tiert hat­te und der aber aus mei­ner Sicht viel­leicht nicht so gut ankam bzw. etwas ver­wir­rend war. Das lag sicher­lich auch dar­an, dass ich kurz­fris­tig zwei The­men­be­rei­che unter einen Hut brin­gen woll­te, was rhe­to­risch eher ungüns­tig ist und dann der CTA am Ende fehl­te (thx für die Rück­mel­dung dazu, Bernhard!).

Am Vor­tag hat­te eine Per­son über Metho­den berich­tet, mit denen sie in ihrem All­tag ihren Kon­sum redu­ziert. Als Umwelt­Ing. habe ich da eine etwas ande­re Sicht auf die Din­ge und fand das etwas zu ein­sei­tig, weil wir zwar seit dem Erschei­nen von Rachel Car­sons Buch “Der stum­me Früh­ling” in den 1960er Jah­ren in Deutsch­land schon recht früh über den Umwelt­schutz dis­ku­tiert haben, aber selbst jetzt in 2019 am Ende oft nur ein Ver­zicht auf dies und das als Lösungs­weg emp­fun­den wird. Immer nur (nega­ti­ves) Schuld­ma­nage­ment, weni­ger vom Schlech­ten, weni­ger “Plas­tik”, weni­ger Kon­sum, weni­ger Ver­brauch, weni­ger Ener­gie­ein­satz usw…

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110 Sli­des in 45 Minuten!

Aus Kon­su­men­ten­sicht ist das auch nicht ver­kehrt, am Ende kön­nen wir nur mit unse­rem Kon­sum­ver­hal­ten abstim­men und unse­ren Bei­trag leis­ten. Inso­fern ist das schon kor­rekt. Ich bin aller­dings auch Anhän­ger des Crad­le to Crad­le-Ansat­zes, bei dem Kon­sum als sol­cher nicht ver­teu­felt wird. Eher sind es die bis­he­ri­gen Pro­duk­te, die stoff­lich so zusam­men­ge­setzt sind, dass sie nicht wie­der­ver­wen­det wer­den kön­nen, gar gif­tig sind und dann als Son­der­müll enden. Bis­her sind die meis­ten Pro­duk­te Crad­le to Gra­ve. In Deutsch­land ist dann der ein­zi­ge Ent­sor­gungs­weg oft nur die ther­mi­sche Ver­wer­tung (Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge). Den Kon­sum sol­cher Pro­duk­te ein­zu­däm­men ist also nicht ver­kehrt, er bringt uns aber nicht weiter.

Cradle to Cradle

Wie macht es denn die Natur? Bei Crad­le to Crad­le (C2C) wird oft der Kirsch­baum erwähnt, des­sen vie­le Früch­te der Umwelt als Nah­rung die­nen und von denen nur ein klei­ner Bruch­teil der Fort­pflan­zung dient. Das ist dann im Gegen­satz zu den von uns Men­schen pro­du­zier­ten Din­gen kei­ne Ver­schwen­dung, son­dern eine “intel­li­gen­te Ver­schwen­dung”. Wie wäre es also, wenn wir unse­re All­tags­pro­duk­te neu desi­gnen und stoff­lich so zusam­men­set­zen, dass sie nicht mehr gif­tig für Mensch und Umwelt sind? Bei denen die bio­lo­gi­schen und tech­ni­schen Stof­fe nicht mehr als Abfall, son­dern als Nähr­stof­fe wahr­ge­nom­men wer­den, die in einem Kreis­lauf ver­blei­ben sollen?

Das Sham­poo beinhal­tet dann nicht mehr 21 ver­schie­de­ne Stof­fe, die alle in der Klär­an­la­ge lan­den (und dann im Gewäs­ser), son­dern nur noch 9, die alle nicht gif­tig sind. Die Ver­pa­ckung wird unter­sucht und stoff­lich ver­bes­sert, selbst die Dru­cker­tin­te oder das Kle­bee­ti­kett wer­den unter­sucht und opti­miert. Die Tep­pich­fa­sern im Büro kön­nen beden­ken­los ein­ge­at­met oder der Tep­pich­kle­ber nach Gebrauch kom­plett recy­celt wer­den. Man­che Ver­pa­ckun­gen sind bio­lo­gisch abbau­bar und beinhal­ten Samen (das gibt es bereits bei Kos­me­tik­pro­duk­ten). Klei­dung wird nicht mehr aus der güns­tigs­ten Baum­wol­le her­ge­stellt, deren Anbau Fol­ge­schä­den ver­ur­sacht. Allei­ne im Bau­be­reich (wo viel Abfall und hohe Ent­sor­gungs­kos­ten anfal­len) gibt es eine gan­ze Rei­he neu­ar­ti­ger Pro­duk­te, die alle nach C2C-Kri­te­ri­en opti­miert wur­den und so die Ent­sor­gungs­frach­ten deut­lich redu­zie­ren kön­nen. Der Fokus liegt da sicher­lich auch bei den Pro­duk­ten, die bis­her viel Son­der­müll erzeugt haben. So Klei­nig­kei­ten wie Q‑Tipps aus Papier oder Bio­po­ly­me­ren statt Kunst­stoff­stäb­chen (weil die­se oft­mals über die Toi­let­te ent­sorgt wer­den!) sind da eher nice-to-have.

In Frank­furt gab es in 2008 die NUTEC, über die ich damals blogg­te. Beim Crad­le to Crad­le Pro­ducts Inno­va­ti­on Insti­tu­te gibt es eine kom­plet­te Web­site mit vie­len Pro­duk­ten, die bereits nach den C2C-Vor­ga­ben “neu desi­gned” wur­den. Es gibt einen C2C-Ver­ein (mit monat­li­chen Tref­fen im Rhein-Main-Gebiet), der die C2C-Denk­schu­le in die Mit­te der Gesell­schaft brin­gen möch­te. Das ist alles schon bes­ser als nur den Kon­sum zu redu­zie­ren (der dann am Ende zu einem Null­kon­sum führt?). Und es ist auch kei­ne Uto­pie, wobei Her­stel­ler eher durch geld­wer­te Vor­tei­le über­zeugt wer­den, weni­ger durch den Umwelt­schutz. Crad­le to Crad­le soll­te auch nicht mit der “Cir­cu­lar Eco­no­my” ver­wech­selt wer­den, die aus mei­ner Sicht bes­ten­falls nur einen Teil­be­reich von C2C abdeckt und noch­mal einen ande­ren Ansatz bei der Ver­ant­wort­lich­keit für die ein­ge­setz­ten Mate­ria­li­en verfolgt.

Das Kli­ma­schutz­the­ma habe ich da noch nicht mal ange­spro­chen, das auch drin­gen­den Hand­lungs­be­darf vor­aus­setzt, aber schein­bar von vie­len Leu­ten noch kom­plett falsch ver­stan­den und bewer­tet wird. Beim Bar­Camp gab es die­ses Mal auch eine sehr gute Ses­si­on von Mar­tin Kraft am Sonn­tag Abend, in der er ein paar Begriff­lich­kei­ten zum Kli­ma­schutz ver­ständ­lich erklärt hatte.

Ziel muss es also sein, dass wir mehr vom Guten pro­du­zie­ren und das Schlech­te redu­zie­ren.  Das woll­te ich mit mei­nem Vor­trag klar­stel­len und so erwähn­te ich anfangs die­se C2C-Leh­re. Dabei war der Grund für mei­nen Vor­trag eigent­lich ein ganz anderer.

Gebrauchte Hardware

Eigent­lich woll­te ich näm­lich über mei­nen Blog­post erzäh­len, den ich hier im Früh­jahr 2019 ver­öf­fent­licht hat­te, weil ich beim The­ma Lap­top­kauf so lei­den­schaft­lich unter­wegs bin und vie­le Leu­te lie­ber neue Gerä­te kau­fen, die dann auch bes­ser sein sol­len, es aber oft­mals nicht sind. Ich emp­feh­le dage­gen gebrauch­te, gene­ral­über­hol­te Busi­ness­lap­tops. Gera­de ein­fa­che — neue — Lap­tops oder Tablets sind nicht immer bes­ser. Die Leu­ten kom­men dann zu mir ins Repair­ca­fé (oder auch nicht, weil: Das Repair­ca­fé wird nicht gut besucht — “ja, ich habe davon gehört und woll­te immer schon vor­bei­kom­men”, nur macht das dann nie­mand…) und dann ver­su­chen sie von ihrem 10″ High-Tech-Tablet ihre Daten zu sichern. Das Tablet wur­de aber nur auf eine Lebens­dau­er von 3 Jah­ren aus­ge­legt und ist mehr so fürs Couch­sur­fen gedacht, nicht zur Archi­vie­rung von Urlaubs­fo­tos. Die meis­ten Leu­te wären mit einem gebrauch­ten Lap­top bes­ser bedient, und sie müs­sen sich auch noch nicht mal damit aus­ken­nen! Es ist ihnen aber oft­mals nicht bewusst, dass es die­se Opti­on gibt, die nicht nur Geld und Frust spart, son­dern auch viel mehr auf ihre Bedürf­nis­se ein­geht. Der Fach­ver­käu­fer im Elek­tro­dis­coun­ter hat auch kein Inter­es­se dar­an, den Kun­den einen “refur­bis­hed lap­top” zu emp­feh­len. Und vie­le Händ­ler, die “gene­ral­über­hol­te” (refur­bis­hed) Gerä­te anbie­ten, neh­men da über­haupt kei­ne Gene­ral­über­ho­lung vor. Die ver­kau­fen zwar die Lea­sing­rück­läu­fer aus den Büros (Moni­to­re, Desk­top PC, Lap­tops von HP, Leno­vo, Dell, Fuji­tsu, gebrauch­te Laser­dru­cker usw.), wischen aber viel­leicht höchs­tens mal kurz drü­ber und star­ten die Kis­te 1x. Dabei gibt es eine gan­ze Rei­he von Din­gen, die man beim Kauf beach­ten soll­te. Daher mein Blog­post sei­ner­zeit, daher mein Vor­trag beim Bar­Camp dazu und daher auch die­ser Blog­post. Ich hät­te mal bei einem The­ma blei­ben sol­len (C2C _ODER_ gebrauch­te Hardware).

NUR: Wenn man sich hin­stellt und über Hard­ware erzäh­len möch­te, kommt da fast nie­mand hin. Lei­der hat es sich auf dem Bar­Camp Rhein Main in den letz­ten Jah­ren so eta­bliert, dass es immer weni­ger tech­ni­sche The­men gibt. Am Sams­tag war ich in einer Ses­si­on über LTE und Mobil­funk­mas­ten, aber dort saßen dann nur 6 Mann. Alles Män­ner, kei­ne Frau­en. Wie kommt das und wie­so ist das so? Ande­re The­men — ich nen­ne sie oft­mals “Laber­the­men”, auch wenn das abfäl­lig klingt und der Sache eigent­lich nicht gerecht wird — sind da viel erfolg­rei­cher. Kom­pli­zier­te Hard­ware- oder Nerd­the­men sind nicht so mas­sen­taug­lich. Die Leu­te kom­men zwar zu den Bar­Camps, um etwas neu­es ken­nen­zu­ler­nen, aber gleich­zei­tig wol­len sie sich auch nicht so aus ihrer Fil­ter­bla­se ent­fer­nen und mal kom­plett wert­frei neue Din­ge ken­nen­ler­nen? Oder viel­leicht liegt es auch nur an den nerdi­gen Vor­tra­gen­den, die kei­ne Mas­sen begeis­tern kön­nen? Ich ken­ne den wah­ren Grund nicht, fin­de es aber jedes Mal scha­de. Mein Haupt­kri­tik­punkt an die­sem Bar­Camp ist, dass es immer mehr “Laber­the­men” gibt, also so Ses­si­ons, bei denen eher die Dis­kus­si­on im Mit­tel­punkt steht und weni­ger die Inspi­ra­ti­on. Ver­steht mich bit­te nicht falsch: Die­se The­men sind abso­lut gleich­wer­tig gut und haben genau­so ihre Daseins­be­rech­ti­gung. Die tech­ni­schen The­men sucht man aber mit der Lupe, es wer­den immer weni­ger und wenn die­se dann nur so spär­lich besucht wer­den, lohnt sich der Auf­wand dafür eigent­lich nicht mehr.

Selber Sessions anbieten

Man mer­ke sich also: Der Erfolg eines Bar­Camps hängt ganz ent­schie­den von den Teil­neh­mern ab. “Es ist Euer Bar­Camp”, hieß es bei der Ein­füh­rung an bei­den Tagen. Genau so ist es, und es liegt an uns, die Ver­an­stal­tung mit Leben zu fül­len. Ich habe die­ses Jahr wie­der mei­nen Bei­trag geleis­tet und wer­de wohl auch in 2020 wie­der am Start sein, dann viel­leicht mit einem ande­ren The­ma, das etwas mas­sen­kom­pa­ti­bler ist.

Ich hat­te bis­her immer den Anspruch, jedes Jahr mit einem neu­en The­ma an den Start zu gehen. In 2010 hat­te ich Afri­Gad­get vor­ge­stellt, in 2014 erzähl­te ich zusam­men mit dem @pingaffe etwas über Soft­ware Defi­ned Radio (SDR) und wie man mit einem USB-DVB-T-Stick und dem Lap­top Radio hören konn­te. In 2016 sprach ich über öffent­li­che Toi­let­ten (auch ein Laber­the­ma!), in 2018 konn­te ich den Vater der Mit­be­woh­ne­rin akti­vie­ren, damit er in einer Ses­si­on eine klei­ne Mess­pla­ti­ne vor­stellt, die abso­lut geni­al ist. Das Ding kann so vie­les und ersetzt einen gan­zen Gerä­te­park. Lei­der kamen in die­se tech­ni­sche Ses­si­on in 2018 nur 4 Teil­neh­mer, was ich dann etwas scha­de fand. Tech­ni­sche The­men lau­fen ein­fach schlech­ter. Eine Teil­neh­me­rin erzähl­te mir auch die­ses Mal wie­der, dass ihr Mann zu Hau­se geblie­ben sei, weil ihm die The­men zu untech­nisch sei­en. Seufz. Ihr Mann hat Ahnung und ich hät­te ger­ne eine tech­ni­sche Ses­si­on von ihm besucht. Be the change…

Bleibt sonst noch etwas zum Bar­Camp zu erwäh­nen? Ja!

1. Es gab wie­der einen “Qua­li­täts­sonn­tag”, also gute und inter­es­san­te Ses­si­ons beson­ders am zwei­ten Tag, dem Sonntag.

2. Habe ich natür­lich eini­ges ver­passt, was mich auch sehr inter­es­siert hät­te. Das ist lei­der einer der Nach­tei­le so einer Ver­an­stal­tung, wenn gute Ses­si­ons par­al­lel ablaufen.

3. Es gab eine genia­le Ses­si­on über Fakes im Netz, die von einem Archi­var ange­bo­ten wur­de, der beim ZDF arbei­tet und Vide­os und Bil­der im Netz auf ihren Ursprung und Wahr­heits­ge­halt mit lega­len Mit­teln über­prüft. Es ist ver­blüf­fend und erschre­ckend  zugleich, wie vie­le Daten über uns im Netz vor­han­den sind, und damit mei­ne ich nicht sol­che Leu­te wie mich, deren Impres­sum und Akti­vi­tä­ten hier sowie­so trans­pa­rent sind, son­dern Men­schen, die in irgend­wel­chen Daten­ban­ken auf­tau­chen, weil ihre Kon­tak­te die­se abge­spei­chert und einer App frei­en Zugang zu den Daten gewährt haben. Das ist so krass und da ist ein rie­si­ges Pro­blem, des­sen sich vie­le Nut­zer über­haupt nicht bewusst sind. “Spei­che­re bit­te nicht mei­nen Namen zusam­men mit mei­ner Tele­fon­num­mer ab”. Das habe ich bis­her erst von einem Kum­pel gehört und es gibt so etwas lei­der viel zu selten.

4. Das Essen in der Kan­ti­ne an der Hoch­schu­le Fre­se­ni­us war phä­no­me­nal! Sonst gibt es näm­lich oft nur Nudeln oder Reis mit einer (manch­mal vega­nen) Toma­ten­sauce, die­ses Mal einen lecke­ren Auf­lauf, dazu ein Reis­cur­ry und guten Salat. Ich bin ein gro­ßer Fan von Bowl-Essen, also alles in Schüs­seln, was man nur mit einem Löf­fel ver­spei­sen kann und was sich leich­ter dosie­ren lässt (Modu­la­ri­tät ist für mich einer der Schlüs­sel­be­grif­fe in die­sem Jahr­hun­dert). Das Früh­stück allei­ne war schon traum­haft, bes­ser als jedes Hotel! Alles opti­mal schmack­haft, und allei­ne dafür haben sich schon die 10€ Teil­neh­mer­ge­bühr / Tag abso­lut gelohnt. Mir ist die Teil­nah­me die­se 20€ abso­lut wert, auch ohne das sehr gute Essen schon ist der Preis abso­lut gerecht­fer­tigt. Übri­gens hat­te ich bei der Anmel­dung die vega­ne Opti­on aus­ge­wählt, und das nicht etwa weil sich hier im Haus­halt eh schon zu 80% vegan ernährt wird, son­dern weil ich damit ein Zei­chen set­zen möch­te. Daher erwäh­ne ich hier auch das Essen und die Qua­li­tät der ange­bo­te­nen — teil­wei­se vega­nen — Gerich­te. Die vega­ne Opti­on soll­te nicht mehr die Aus­nah­me oder ein Zusatz sein, son­dern die Basis von allem, und alles nicht-vega­ne dann der Zusatz.

5. In der Kan­ti­ne gab es einen Was­ser­spen­der, so dass man auf­ge­for­dert wur­de, sei­ne Trink­fla­sche mit­zu­brin­gen und die­se sel­ber auf­zu­fül­len. Das habe ich gemacht und fand das gut. So soll­te es immer sein. Auch gab es beim Ein­gang statt den übli­chen Jute-Beu­teln ein wie­der­ver­wend­ba­res Obst­netz für den nächs­ten Ein­kauf, dazu fri­sche, regio­na­le Äpfel. Ich fin­de das gut und hof­fe, dass alle ande­ren Teil­neh­mer die Bedeu­tung die­ser Maß­nah­me genau­so gese­hen haben. In 2017 gab es näm­lich “Keks­hal­te­run­gen” aus Kunst­stoff für die Bürotas­se, was ein Spon­sor aus­ge­legt hat­te. Das war der größ­te Quatsch ever. Das Bar­Camp Rhein­Main und auch alle ande­ren Bar­Camps kön­nen ger­ne so öko­lo­gi­scher aus­ge­rich­tet wer­den. Die­ses Mal habe ich auch wie­der eine erwach­se­ne Frau dabei beob­ach­tet, wie sie ihren abge­kau­ten Apfel in einem Ver­an­stal­tungs­raum lie­gen­ge­las­sen hat. Da fragt man sich dann schon, ob man mit sol­chen Men­schen Wis­sen aus­tau­schen möch­te? Gera­de beim Müll­the­ma kann man die Men­schen sehr gut erkennen.

Wer bis­her noch nie beim Bar­Camp war, soll­te das in 2020 unbe­dingt nach­ho­len. Es muss kein the­men­frei­es Bar­Camp sein, man braucht auch kein Essen, wich­tig sind eigent­lich nur gute Räu­me und die rich­ti­gen Men­schen, die einen inspi­rie­ren und mit neu­en Impul­sen behaf­ten. Und das kann es nur geben, wenn wir öfter über das Bar­Camp spre­chen oder schrei­ben — so wie ich jetzt. Und bit­te: Erzählt es auch Euren Chefs, sofern ihr wel­che habt und nicht wie ich allei­ne arbei­tet. Wir brau­chen beim Bar­Camp unbe­dingt mehr Ent­schei­der, die hier sicher­lich mehr ler­nen kön­nen als bei irgend­wel­chen Manage­ment-Semi­na­ren. Eine jun­ge Agen­tur hat­te von ihrem Onboar­ding-Pro­zess berich­tet, also wie sie neue Mit­ar­bei­ter über Trel­lo auf ihre The­men und Beson­der­hei­ten ein­stimmt. Das fand ich so groß­ar­tig, weil das kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit ist und die neue Arbeits­welt ande­re, bes­se­re Metho­den für ein fröh­li­ches Mit­ein­an­der ver­langt. All das gibt es bei so einem BarCamp.

Bis zum nächs­ten Bar­Camp in 2020!

P.S.: Im Vor­feld hat­te ich bei mei­nen Kon­tak­ten Wer­bung für die Ver­an­stal­tung gemacht, weil ich natür­lich auch dar­an inter­es­siert bin, dass gute Leu­te zum Aus­tausch zusam­men­kom­men. Die­ses Mal kam dann der Götz mit und hat sogleich sei­ne ers­te Ses­si­on gehal­ten. Spon­tan hat er uns über sei­ne Rei­se durch Russ­land bei einem Fahr­rad-Renn­team erzählt und dabei Bil­der von der Rei­se gezeigt. Inter­es­san­te Ein­drü­cke und Erfah­run­gen aus einer ande­ren Welt, mit ein­fach Mit­teln im klei­nen Kreis erzählt — auch das ist ein Bar­Camp und kann durch­aus inter­es­sant sein. Ich freue mich sehr, dass das Bar­Camp so gut ankam!

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