…in dem wir gut und gerne leben. #aussteigen #iaademo

Überall nur Räder, ein Traum!

Den unten stehenden Text schrieb ich letzte Nacht spontan bei Facebook rein, was für mich eher untypisch ist und ich meine Texte lieber in meinen Blogs sammel. Auslöser für den Text war die Teilnahme an der Fahrraddemo in Frankfurt am 14.9.2019, bei der aus allen Himmelsrichtungen Radfahrer aus Frankfurt und anderen Städten sternförmig zusammenkamen und in der Frankfurter Innenstadt vor der IAA-Messe demonstriert haben. Während diese große Menge an Radfahrern in dieser Stadt für mich ein ganz neues und sehr positives Erlebnis war, gab es nicht nur positive Rückmeldungen zur Demo, sondern auch viel Häme. Mir scheint als sind die Radfahrer die natürlichen Feinde der Autofahrer, es ist ein ständiger Kampf, dabei könnte es ein viel empathischeres Miteinander geben. Und es scheint mir vor allem ein Kommunikationsproblem zu sein, weil wir in Deutschland zwar viele Dinge diskutieren, aber so grundlegende Dinge für ein fröhliches Miteinander eher einer Erwartungshaltung überlassen, als sie in der Gesellschaft zu trainieren. Selbst die sogenannte “Flüchtlingskrise” oder die absurde “Überfremdungsangst” sind aus meiner Sicht auch ein Ergebnis dieser ungenügenden Kommunikation, in der wir verlernt haben, uns gegenseitig zu wertschätzen und zu verstehen.

Zurück zur Demo: Ich empfand die so genial und werde auf jeden Fall bei den nächsten Critical Mass Veranstaltungen in Frankfurt wieder mitmachen. Mein Fahrrad ist unbequem, mir sind die Reifen zu schmal, 7 von 21 Gängen sind seit Jahren defekt und ich favorisiere eine andere Sitzhaltung. Trotzdem empfand ich das alles als genau richtig, und ich erwähne es, weil es genau darum auch geht: Das Rad ist nicht DIE (perfekte) Lösung für uns alle, aber ein Teil der Lösung. Wer auf dem Land wohnt, ist oftmals zwingend auf ein Fahrzeug angewiesen. Ich liebe unseren 2007er VW Touran mit 2.0 Diesel EA188-DPF-Motor (Euro 4), seinen kostengünstigen Tiefgaragenstellplatz in der Wohnungsbaugenossenschaft und nutze den Wagen in der Stadt vor allem zum Einkaufen. In der kompletten Diskussion geht es seit Jahren allerdings nur um schwarz-weiß-Denke. Dafür oder dagegen. Aus meiner Sicht geht es vor allem um eine Industrie, die an den realen Bedürfnissen vorbei an teilweise überflüssigen Produkten arbeitet und das alles so selten in Frage gestellt wird. Was hat sich jetzt eigentlich in Folge des Dieselskandals getan und was ist mit den anderen Luftverpestern, die nicht verfolgt werden? Das ist alles nicht so einfach zu beantworten, wenn man selber gerne mit dem Auto fährt und sich über rücksichtslose Radfahrer ärgert, andererseits aber als gelegentlicher Radfahrer ums nackte Überleben kämpft und defensiver unterwegs ist als mit dem Auto. Und das ist in Frankfurt schon derbe brutal, weil es hier überaus viele Verstöße gegen die StVO gibt. Fahrt im Stadtverkehr mal konstant 50 km/h und beobachtet die Reaktionen.


Hier mein Beitrag bei Facebook:

Niemand möchte Euch die SUV wegnehmen, alles gut.

 

Trotzdem haben wir uns heute aufs Fahrrad geschwungen und sind bei dieser grandiosen Demo durch die Frankfurter Innenstadt mitgefahren. Weil wir Teil der Bewegung sein möchten, die ein Zeichen setzt gegen diesen Wahnsinn, der uns immer größere Autos vorsetzt, die vor allem eine Aufgabe haben: Den Autoherstellern größere Margen zu ermöglichen.

 

Autos, die in einer dicht besiedelten, engen Stadt wie Frankfurt eher deplatziert sind. Autos, mit denen hier herumgeprotzt wird und die leider oftmals auch alternativlos sind, weil es an guten Radwegen fehlt, Busse & Bahnen noch viel besser ausgebaut und genutzt werden müssten und es für die vielen Pendler sowieso nur wenige Alternativen zum Auto gibt.
Kurzum: In Frankfurt und anderswo muss es eine Verkehrswende geben, eine Grundsatzentscheidung in der Politik, die eine komplette Neuausrichtung und Optimierung des Verkehrs ermöglicht.
Anreize schaffen, damit weniger Autos die Innenstadt blockieren. Belohnung statt Verbote. 365 EUR Tickets für Bus & Bahn, oder gar komplett kostenlos und die Kosten durch andere Maßnahmen decken. Es gibt so viele Möglichkeiten, sie müssen nur genutzt werden und aktiv als Priorität wahrgenommen werden. Die Bürger verlangen das! Die 25.000 Teilnehmer heute sind hoffentlich ein klares Zeichen für eine Änderung.

 

Leider wird in der kompletten Diskussion zu dem Thema immer nur polarisiert. “Die Demonstranten wollen dies, das, möglichst sofort, wollen SUV verbieten, usw.” – ja hallo, wart Ihr mal auf einer Demonstration? Wer Änderungen wünscht, muss diese auch einfordern. Politik verläuft doch niemals so schwarz-weiß, wie es die Medien der einfachen Denkweise verkaufen möchte.

 

Ich wohne hier an der meistbestauten Straße Frankfurts mit den höchsten Meßwerten (PM 2.5 & PM10), die ich hier auch selber am Fensterbrett messe. Jeden Tag staut sich hier der Verkehr an der Straße. Den Feinstaub sieht man auch an dem Dreck in der Wohnung. Wird sich hier jemals etwas ändern?

 

Frankfurt war schon immer eine Messestadt und sollte sein Potential dazu nutzen, dass die IAA zukünftig eine Messe für Nachhaltigkeit und intelligente Mobilität wird. Derzeit steht die Messe nach außen hin eher für die alte Welt, in der die Autos immer leistungsfähigere Motoren haben, immer weniger Platz im Innenraum bei gleichzeitiger Maximierung der Außengröße bieten und vor allem weiterhin für eine Welt beworben werden, in der sich der Stadtverkehr komplett ums Auto dreht und nur dem Auto Platz eingeräumt wird. Das muss sich alles so grundlegend ändern, und das ganze Klimaschutzding habe ich ja noch nicht mal angesprochen. Das alleine wäre ja schon Anreiz genug.

 

Diese autofreien Straßen wie heute sind sehr angenehm und trotz der wirklich vielen Fahrräder hatte man nicht das Gefühl, dass die 18.000 Räder so viel Fläche einnehmen wie das vergleichsweise Autos machen würden. Vielleicht wäre es gar nicht verkehrt, wenn es in der Innenstadt öfter solche autofreien Tage geben würde. Bevor die Polizei alle Zufahrtsstraßen sperren konnte, mussten etliche Autofahrer noch länger als sonst im Stau stehen, teilweise mit laufendem Motor während sich die Massen der Radfahrer vorbeischlängelten. Da gibt es mal an einem Tag in all den Jahren so einen Zustand für ca. 1 Stunde und dann regen die sich teilweise mega auf. Diese Selbstverständlichkeit, dass die Straßen nur den Autos gehören sollen, ist einer der vielen Gründe, wieso diese Demo ein voller Erfolg war, weil sie genau solche Dinge aufzeigt.

Abschlusskundgebung vor der Messe anlässlich der IAA-Demo

Mobilität ist eines der ganz großen Themen des Jahrhunderts. Beim Webmontag Frankfurt hatten wir im Januar 2019 extra einen Abend diesem Themenbereich gewidmet, mit vielen schönen Vorträgen zum Thema. Auch da zeigte sich schon bei den Diskussionen, dass es noch so viel Entwicklungs- und Optimierungsbedarf gibt in der Rhein-Main-Region und es auch zu einer Änderung der Wahrnehmung kommen muss, denn die Autos nehmen eigentlich viel zu viel ungenutzten Raum in den Städten ein, der hier so dringend benötigt wird. Martin Kraft war einer der Sprecher an dem Abend und hat es sehr schön zusammengefasst:

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