Nachhaltigkeit im Badezimmer

Vor eini­gen Jah­ren habe ich mal auf einer gro­ßen Klär­an­la­ge in der Ver­fah­rens­tech­nik gear­bei­tet und dort mit­er­lebt, wie Haa­re, Hygie­ne­ar­ti­kel und diver­ser Klein­kram die Gerä­te auf der Klär­an­la­ge ver­stop­fen. Auf den Klär­an­la­gen gibt es  Rechen­wer­ke, die das gro­be Zeug aus dem Abwas­ser her­aus­fi­schen, aber vie­les geht eben immer noch durch und lan­det dann dort, wo es eigent­lich nur die Gerä­te im ordent­li­chen Betrieb behin­dert. Schlimm sind natür­lich auch immer Kon­do­me, die auch nach län­ge­rer Zeit im Abwas­ser eine gewis­se Elas­ti­zi­tät auf­wei­sen und sich daher nur sehr müh­sam aus den Mazer­a­to­ren (Zer­klei­ner) manu­ell ent­fer­nen las­sen. Man muss also rich­tig Hand anle­gen und die Gerä­te regel­mä­ßig von all die­sen Fremd­kör­pern befrei­en. Das ist alles ein müh­sa­mer und sicher­lich auch kos­ten­in­ten­si­ver Teil der mecha­ni­schen Abwas­ser­rei­ni­gung, bevor es mit den che­mi­schen und bio­lo­gi­schen Rei­ni­gungs­stu­fen wei­ter­ge­hen kann.

“Flush and for­get” nen­nen wir im WASH-Sek­tor die­se Men­ta­li­tät, und ich schrieb auch schon mal drü­ben im Sani­blog dar­über, wie die Toi­let­ten­be­nut­zung ein Teil der kul­tu­rel­len Iden­ti­tät ist und wie sehr sich das auf die Wert­schät­zung von Sani­tär­ein­rich­tun­gen aus­wirkt. „Ein­fach alles hin­un­ter­spü­len” oder „Aus den Augen, aus dem Sinn” – so wird die Toi­let­te lei­der von vie­len Benut­zern immer noch als Ein­bahn­stra­ße für die Abfall­ent­sor­gung ver­wen­det. Auf die­se Art und Wei­se lan­den dann auch vie­le — man mag es kaum glau­ben — Q‑Tips in der Kana­li­sa­ti­on. Ja genau, die­se Wat­te­stäb­chen, die eigent­lich für die Rei­ni­gung schwer zugäng­li­cher Berei­che ver­kauft wer­den und ihren Weg in die Toi­let­te (statt in den Müll­ei­mer) fin­den. In der Kana­li­sa­ti­on lösen sich die­se natür­lich nicht auf, die vie­len Kunst­stoff­stäb­chen blei­ben erhal­ten und lan­den irgend­wann auf der Klär­an­la­ge, wo sie sich in einer ruhi­gen Ecke über die Jah­re ansam­meln. Und zwar nicht nur so eine klei­ne Hand voll, son­dern Kubikmeterweise.

Da man die Men­schen und ihre Ver­hal­tens­wei­sen nur sehr schwie­rig ver­än­dern kann, muss man also an den Pro­duk­ten anset­zen und hier bei­spiels­wei­se die Wat­te­stäb­chen aus einem Mate­ri­al her­stel­len, das sich im Was­ser auf­löst. Zum Bei­spiel aus einem sog. “Bio-Plas­tik” (wor­über ich mal hier schrieb) oder aus fes­tem Papier. Ähn­li­che Wat­te­stäb­chen gibt es auch schon seit eini­gen Jah­ren auf dem Markt, aber sie waren oft teu­rer als die Kunst­stoff­va­ri­an­te. Ich sel­ber nut­ze Wat­te­stäb­chen nur für Rei­ni­gungs­ar­bei­ten an Gerä­ten, wo ich die hohe Stei­fig­keit des Sta­bes sehr schätze.

avlver­de Maga­zin der DM-Dro­ge­rie, 02/2018

Als ich also die­ser Tage im alver­de-Maga­zin der dm-Dro­ge­rie­ket­te die­se Ankün­di­gung las, dass der Schaft der Stäb­chen (der Haus­mar­ke) ab 02/2018 nur noch aus Papier bestehen soll, war die Freu­de groß! Ja, das ist genau das was ich mir immer gewünscht hat­te. Klar, den Schaft könn­te man jetzt im Crad­le-to-Crad­le-Stil auch noch ver­bes­sern und so imprä­gnie­ren oder mit einem Samen ver­se­hen, dass dar­aus ein Baum wächst, aber — und das ist der Punkt: Wo die Indus­trie und der Ver­brau­cher nur ein­ge­spar­ten Kunst­stoff betrach­ten (“weni­ger vom Schlech­ten”), freue ich mich vor allem dar­über, dass sich der Kram im Klo fort­an auch viel leich­ter auf­lö­sen wird. Wenn man die Men­schen nicht ändern kann und sie ihren Müll wei­ter­hin über die Toi­let­te ent­sor­gen, dann muss die­ser Müll so geschaf­fen sein, dass er in der Kana­li­sa­ti­on und auf der Klär­an­la­ge weni­ger Scha­den anrich­ten wird.

Ähn­lich ver­hält es sich auch mit dem feuch­ten Toi­let­ten­pa­pier, das sich im Was­ser fort­an leich­ter auf­lö­sen soll. Super! Und ja, natür­lich fän­de ich die Hap­py­Po-Dusche für den Intim­be­reich noch bes­ser, aber ich bin mir sicher, dass auch sie (oder ein ähn­li­ches Pro­dukt) irgend­wann ihren Weg zur dm-Dro­ge­rie fin­den wird, weil es 1A zur Ziel­grup­pe gehört (Mens­trua­ti­ons­tas­sen wer­den ja auch schon dort ver­kauft) und neben diver­sen ande­ren Grün­den (die ich hier erwähnt hat­te) ein­fach einen gro­ßen Bei­trag zur Hygie­ne leisten.

Schluss­end­lich ist es für mich als Akti­ver im Bereich der Sani­tär­ver­sor­gung immer eine Freu­de, wenn die­se Hygie­ne­the­men aus den Intim­be­rei­chen in der Gesell­schaft offen dis­ku­tiert wer­den und wir uns alle mal über­le­gen, wie man das bes­ser machen kann. Für mich hat dm hier gera­de einen sehr gro­ßen Schritt getan — vie­len Dank!

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