Der Blog / Das Blog

Damals in 2005 hatte ich aus drei Gründen mit dem Bloggen angefangen. 1. Weil mein Kumpel Mzeecedric schon länger ein eigenes Blog hatte und ich darauf öfter kommentierte, 2. weil man über ein eigenes Blog eigene Inhalte in diesem Internet veröffentlichen kann, ohne dass diese einer redaktionellen Zensur unterliegen oder irgendwelche Leserwünsche* erfüllen müssen und 3. weil es auch schon damals mitteilenswerte Gedanken gab, die wir heute eben in Form von YouTube Vlogs, Tweets und Facebook-Kommentaren im Netz hinterlassen. Damals meinte meine Mutter übrigens noch, dass es ja alles ganz nett sei, aber frug auch zugleich, wer das denn alles lesen wolle. Mittlerweile hat sie selber ein iPad und ruft an, wenn ich mal keine Bilder bei Instagram poste. “Junge, alles klar bei Dir? Länger keine Bilder gesehen…”.  Continue reading “Der Blog / Das Blog”

HP 840 G1 vs. Dell E7440 vs. Dell E5450

HP Elitebook 840 G1 vs Dell Latitude E7440 vs. Dell Latitude E5450

A visual comparison between three 14″ business laptops that may be of interest to some of you. My Dell Latitude E5450, my Dell Latitude E7440 and an HP Elitebook 840 G1. These are the sort of laptops that are about two to three years old and are sold as used items on eBay. I received the E5450 as a new item though, otherwise it would probably be in a worse shape as the body is not as strong as the one on the e7440.  Continue reading “HP 840 G1 vs. Dell E7440 vs. Dell E5450”

Particulate Matter Pollution

PM sensor
The PM sensor (hidden in a grey pipe) mounted next to my Diamond x30n VHF/UHF antenna. A bit ugly, but we are on the 4th floor, so it doesn’t really matter and the windows are closed all day long.

There may be worse places on earth when it comes to Particulate Matter (PM) Pollution, but I happen to live next to a busy road with daily traffic jams and, as a consequence of that, have a dusty room that I need to clean almost every day. I also read about expats in countries like China or India who are complaining about the air quality in those places and who meticulously invest in good air filters for each room in their appartments. Good air filters are expensive! Hence, clean air seems to be be a commodity that also comes with a commercial value among other attributes. We take it for granted but complain when it isn’t available. And another issue with clean air is that you often don’t see the pollution – only the results. Polluted air reminds me of radioactivity or unhygienic surfaces: you don’t see it, hence can’t estimate the potential danger. That’s why a sensor to measure the Particulate Matter Pollution yourself is an approach to this open question. Continue reading “Particulate Matter Pollution”

Das BarCamp RheinMain 2016 #bcrm16

Es ist eigentlich sehr verwunderlich, dass man in 2016 immer noch das BarCamp Format erklären muss. “BarCamp was? Hat das etwas mit Bar zu tun?”, so die erste Frage, sobald man freudestrahlend vom BarCamp erzählt. Dabei geht es doch weniger um das Format, sondern vielmehr um den Wissensaustausch.

BarCamps sind Veranstaltungen, auf denen Menschen ihr Wissen austauschen können und seitens des Veranstalters nur der Termin und die Räumlichkeiten vorgegeben wird. Die Veranstaltung ist meistens 1- oder 2-tägig, man trifft sich morgens am Veranstaltungsort, die Teilnehmer machen eigene Themenvorschläge, über das Publikum wird kurz Interesse signalisiert und der Veranstalter arbeitet dann ein Tagesprogramm — die Sessionplanung — aus.

Die Eröffnung des 8. BarCamps RheinMain
Hat jemand Interesse an der vorgestellen Session? Handzeichen genügt.

Und darin genau besteht der Unterschied zu einer normalen Konferenz: Es gibt kein fertiges Programm mit Sprechern und die Teilnehmer können sich selber einbringen, eigene Themen vorstellen und in den einzelnen Sessions jeweils Fragen stellen. Für einen Wissensaustausch ist das viel förderlicher und die Interaktion, dieses Miteinander, steht daher im Mittelpunkt. BarCamps sind damit im Grunde das, was wir uns seinerzeit in 2005 unter dem Web 2.0-Begriff im Internet gewünscht haben. Ein fröhliches Miteinander, das oftmals inspiriert und vor allem in seinen spontanen Momenten lebt.

Edit: Zur Geschichte des BarCamps gibt es diesen wunderbaren Artikel von Mikka Luster, der die Anfänge der Camps erzählt und vor allem auch auf die offene Kultur hinweist.

“Dafür braucht es Freiwillige, und die müssen Aufstehen. Das Camp als Konsumveranstaltung, als Sales-Pitch, das funktioniert nicht. Es ist, vom Design her, eine mehrtägige Veranstaltung auf engstem Raum, bei dem Menschen zusammen, jeder nach seinem Können und für Jeden nach dessen Bedürfnissen, etwas schaffen das nachhaltige Wirkung auf die Arbeit und das Leben jedes Teilnehmers hat.”

Bundesweit gibt es so einige fachspezifische Veranstaltungen im BarCamp-Format, beispielsweise über Projektmanagement, über Ernährung oder über erneuerbare Energie. Das Format selber eignet sich also schon auch für eine fachspezifische Anwendung und punktet vor allem dort, wo die Teilnehmer bisher nur traditionelle Konferenz-Formate gewohnt sind.

Das BarCamp RheinMain ist themenunabhängig und findet seit 2009 jedes Jahr nur einmal statt. Dieses Jahr zum 8. Mal vom Verein zur Förderung der Netzkultur im Rhein-Main-Gebiet e.V. veranstaltet, ist es organisatorisch ein großer Aufwand: es gibt ein kleines Team von Freiwilligen, die ihre (Arbeits-)Zeit und Energie in die Orga stecken, Sponsoren organisieren, ein großartiges Catering buchen und vor allem den richtigen Ort dafür finden.

Die Visual Thinking Freunde in Frankfurt planen übrigens ein MeetUp im Janur 2017.

 

In den vergangenen acht Jahren hat sich herausgestellt, dass die Hochschulen immer die besten Orte für ein BarCamp sind, weil es dort große Versammlungsräume, Seminarräume mit Internet und Beamer gibt, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und auch genügend Toiletten.

Tom Nolte stellt die Intrapreneur Starter Box der Deutschen Bahn vor.

Die Hochschule RheinMain am Standort Wiesbaden und die Uni Mainz waren jetzt jeweils schon zwei Mal Gastgeber, beim Mediencampus Dieburg der Hochschule Darmstadt und bei der Telekom in Darmstadt war man zu Gast, die FH in Bingen öffnete ihren Campus in 2015 — nur in Frankfurt, Standort der Uni und FH, ist man noch nicht so weit und musste in 2014 auf die Räumlichkeiten einer Frankfurter Agentur ausweichen. Was muss eigentlich geschehen, damit eine Veranstaltung wie das BarCamp auch in einer Frankfurter Hochschule stattfinden kann? Und wäre es nicht folgerichtig, dass die BarCamps von den Studenten organisiert werden?

“Hast Du mal mit Studenten gesprochen? Die haben keine Zeit …”, schrieb mir Markus Tacker auf meinen Tweet hin zurück. Markus ist im Veranstalterteam des BarCamps und möchte die Verantwortung dafür nächstes Jahr abgeben. Einer der Gründe dafür ist auch, dass es jetzt in 2016 für jedes Einzelthema ein eigenes Meetup gibt. Sogar für den Text-Editor Vim gibt es mittlerweile eine regionale Usergroup, für den rein fachlichen Austausch gibt es also weniger Grund, ein BarCamp mit allgemeinen und im Vorfeld unbekannten Themen zu besuchen. Und doch fasziniert es mich immer wieder; das BarCamp RheinMain ist die für mich wichtigste Veranstaltung im Rhein-Main-Gebiet, auf der jedes Mal ein buntes Potpourri an Themenfeldernangeboten wird.

Lego Serious Play als Problemlösungsmethode

Das alles erwähne ich hier so ausführlich, weil ich selber auch Veranstaltungen in Frankfurt organisiere und mich immer ärgere, dass es in Frankfurt so viele Menschen gibt — die man aber so selten bei solchen Events sieht. Ich bin mir sicher, dass jeder ein interessantes Thema hat, über das er oder sie gerne sprechen möchte. Selber aktiv sein und mitmachen, zum Wissensaustausch beitragen! Nicht immer nur passiv konsumieren, dafür gibt es ja schließlich das Fernsehprogramm und selbst das integriert immer mehr Interaktion (vgl. Funk, Die-Tatort-Show, usw.).

Simon Brüchner mit einem Vortrag über Instabug

Manche Themen beim BarCamp sind auch so sonderbar, dass man sich gerade aufgrund dessen für die Session entscheidet. Und wenn es dann doch nicht gefällt, kann man auch einfach aufstehen und in den Nachbarraum zur nächsten Session gehen. Interessante Vorträge, die leider parallel ablaufen, kann man so besser verfolgen. “In welche Session gehst Du? Ich gehe in den anderen Vortrag und Du kannst mir dann später davon erzählen und umgekehrt”, so der Simon Brüchner zu mir am Sonntag vormittag. Simon ist PHP-Entwickler im B2B-Bereich und erst dieses Jahr nach Frankfurt gezogen. “Überagile Mobile Development with Instabug”, hieß sein Vortrag über ein Tool, das in der agilen Entwicklung zum Einsatz kommt und direktes Feedback der Nutzer erlaubt. Seine Session habe ich leider verpasst, weil ich bei der Yasmin Tuncay in einem Vortag über Messenger Bots saß. Bots sind programmierte Anwendungen, die u.a. beim Erstkontakt mit Kunden zum Einsatz kommen und Standardfragen beantworten. Diese Bots werden immer leistungsfähiger und können aus dem Sprachmischmasch unserer Fragen Antworten erzeugen, die komplexe Suchergebnisse beinhalten. Das ist insofern interessant, weil es die Arbeitswelt verändert und eine Folge der SocialMedia-Bemühungen im B2C-Bereich ist. Hätte das jemand für möglich gehalten, als Weinberger & Co. in 1999 das Cluetrain-Manifest proklamiert hatten?

Visual zum Welttoilettentag von Elise Crespin

Am BarCamp-Samstag war auch Welttoilettentag, und da ich am Vortag im Frankfurter Zukunftspavillon eine Pressekonferenz zum Thema mitorganisiert hatte, war es sehr nageliegend, am Welttoilettentag auch eine Session zum Thema anzubieten. Toiletten sind ein wichtiges Thema und betreffen uns alle, aber vor allem: Ich brenne für das Thema. Es ist mein Fachgebiet, ich kann leidenschaftlich darüber referieren und brauche dazu nicht mal eine Präsentation. Und genau darum geht es beim BarCamp: Über Dinge sprechen, für die man sich leidenschaftlich interessiert. Bill Gates war früher auch eher langweilig, aber seitdem er mit seiner Bill & Melinda Gates Foundation EZ-Projekte fördert, ist er zum leidenschaftlichen Speaker geworden, der auch witzig vortragen kann. Im Zeitalter der optimierten Selbstdarstellung ist diese Begeisterungsfähigkeit keine schlechte Eigenschaft.

Auch das ist kein Problem: während eines Vortrags im Backchannel Meinungen austauschen (hier übrigens unser Fotograf Marc, der für diese wunderbaren Bilder gesorgt hat und dafür in fast allen Sessions war. Vielen Dank!).

Es ist daher sehr spannend, ob sich für 2017 ein neues Team finden wird, welches das BarCamp fortführen mag und ob wir dann neue Besucher haben werden, die über das BarCamp neue Impulse und Inspirationen bekommen. Beim jetzigen BarCamp waren ca. die Hälfte der Teilnehmer am SamstagErstbesucher, was mich sehr gefreut hat. Im Idealfall wäre es sogar mal eine Frankfurter Bildungseinrichtung, die ihre Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stellt. Für 2017 wünsche ich mir daher eine noch aktivere und zahlreichere Community in Frankfurt und Rhein-Main, die an gemeinsamen Events teilnimmt und sich gegenseitig inspiriert.

http/2 statt http 1.1, oder: Übertragungsprotokolle im Vergleich.

Unter dem Hashtag #bcrm16 finden sich bei Twitter und Facebook einige Impressionen aus den Sessions. Blogposts zu den Eindrücken aus den Sessions bei Adrian YassMaria LeimbachMikka LusterNicole Lücking und Antje Krause. Weitere Fotos zum BarCamp findet Ihr im Bilder-Pool bei Flickr.

(Fotos © @nochsoeiner , cc-by-sa @jke )

Aiwa TPR-930

When was the last time you’ve switched on a radio? In your car, maybe. And at home? In the kitchen? In your garage? And when was the last time you’ve listened to music from a tape?
Most (publicly funded) radio stations in Germany suck, as they often only play dumb music (“Formatradio“) – so if you’re into music and live in Germany, you’ll probably prefer golden silence or music from an mp3 source.

Picked this from the trash last week.
Picked this from the trash last week.

If you’re a fan of radios though, have a knack for fixing stuff and don’t mind the space vintage equipment takes up in your tiny city apartment, then you probably can’t let go when you come across a neglected radio full of chicken shit and which has a need for some TLC.

And here’s why: Continue reading “Aiwa TPR-930”

Kalonji und der Luxus

Bevor es dieses Twitterdings gab, habe ich hier längere Blogbeiträge veröffentlicht. Mein Blogging-Mojo ist dann immer mehr in Richtung Twitter und Instagram abgewandert – für mehr Infoaufnahme fehlt den meisten Lesern dann oft die Zeit, oder auch: “Ich lese keine Blogposts”, sagte mir jemand letztens auf meine Verwunderung hin, wieso ein hier beschriebener Produkttest nicht bekannt sei. Hätte er den gelesen, gäbe es ein Problem weniger.

Kalonji, das neue Familienmitglied.
Kalonji, das neue Familienmitglied.

Ich schreibe aber gerne. Und manchmal muss es dann doch raus, vor allem wenn man sich im Leben weiterentwickelt und mit 40 Dinge macht, die andere wahrscheinlich schon mit 20 abhaken. Die Anderen aber, die haben jetzt Kinder und konsumieren wahrscheinlich höchstens den Content, der in der WhatsApp-Gruppe der Krabbelkindergruppe / Sportgruppe herumgeschickt wird. Kinder sind ja doch ein Fulltime-Job, der gut auslastet und weniger Raum für eigene Inhalte bietet. Ich habe da vollstes Verständnis. Eigene Kinder gibt es vielleicht auch mal, jetzt gibt es aber erstmal einen Hund – und das dazu passende Fahrzeug.

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200 Jahre Städelmuseum #200jahrestaedel

„Wir sind kein Kunstverein, bei uns hängen nicht die neuesten Bilder”, sagt der junge Mann vom Städel, als er uns einen kleinen Teil der Bilder im Depot zeigt, die bei der richtigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit geduldig auf ihren Einsatz warten. Die Kunst ist geduldig, und wer sich bisher 200 Jahre lang behaupten konnte, der wird die stetig wachsende Sammlung an Werken auch richtig zu kuratieren wissen.

Kein Kunstverein also, aber doch ein Kunstinstitut und eine Galerie, eine von einem Frankfurter Bürger vor zweihundert Jahren aus Privatvermögen heraus gegründete Initiative, um der gesammelten Kunst einen würdigen Rahmen zu geben. Das erstarkende Bürgertum im 19. Jahrhundert trug dazu bei, dass Kunst als Eigentum der Nation betrachtet wurde. Und damit liegt die Gründung des Städelmuseums noch vor dem eigentlichen Museumszeitalter, das erst um ca. 1830 begann.

Der Frankfurter Bankier und Gewürzhändler Johann Friedrich Städel war es, der testamentarisch sein Privatvermögen und seine aufgebaute Kunstsammlung an ein nach ihm benanntes Kunstinstitut stiftete. Wahrlich, wer so handelt, wird ewig in Erinnerung bleiben. Ein schöner Schritt für den Mäzen, und eine wunderbare Bereicherung für die Stadt Frankfurt, die mit dem 1878 bezogenen Prachtbau am Schaumainkai seitdem auch einen Ort für die 3000 Gemälde vom Mittelalter bis zur Moderne und zur Gegenwartskunst aufweisen kann. Dazu kommen über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken, 4.000 Fotografien, 600 Skulpturen und eine Präsenzbibliothek mit 115.000 Bänden.

#200jahrestaedel

Fast forward im Jahr 2015, auch nach zweihundert Jahren haben die mittlerweile alten Werke noch ihre Berechtigung — galten sie doch seinerzeit als modern und als gewolltes Ausdrucksmittel. Aber wie wecken wir das Interesse der kommenden Generationen für die alte Kunst? Wie kann man im Zeitalter der optimierten Selbstdarstellung, in einer fast rein visuell-orientierten Welt eigentlich noch punkten und Aufmerksamkeit bekommen?

Eine Lösung: #200jahrestaedel

Ein Hashtag. Ein kurzer Hashtag, der auf allen Kanälen gleichermaßen funktioniert und in seiner Kürze verdeutlicht, worum es geht: 200 Jahre Staedel.

Und dazu gab es die passende Führung:

Alle Bilder wurden von Marc Dyck aufgenommen. Vielen Dank!

200Jahre Kunstgeschichte, die auch bei der jungen Designstudentin in Instagram erscheinen und verdeutlichen können, dass es bei der Kunst eben nicht nur um alte Kunstwerke geht, sondern um den Bezug zu diesen Werken und wie sie einzuordnen sind. Alte Gemälde, die vor 150 Jahren modern waren und in ihrer ganzen Art und Weise mit den Farben, der Stimmung, der Opulenz, der Technik vor allem auch ein Zeugnis ihrer Epoche darstellen. Die Nachkriegsbilder aus der abstrakten Malerei im Neubau des Städels, die vor allem die Leere der Nachkriegszeit verdeutlichen sollten und heute anders wirken als damals. Die kleinen, anfangs nur quadratischen Bildchen bei Instagram, auf denen junge Talente ihre monochrome Stimmung einfangen und über zigfache Likes einen Teil ihrer Selbstbestätigung bekommen. Fotografie ist auch Kunst!

Womit wir wohl auch wieder beim erstarkenden Bürgertum wären: Die Kunst wird Teil der Gesellschaft, sie ist nicht mehr einigen wenigen Bürgern vorbehalten, die sich diesen Luxus leisten können. 200 Jahre Städel bedeuten auch 200 Jahre Wandel und stetiger Blick zurück zu dem, was Menschen berührt hat und alles überdauert. Ob die Bilder bei Instagram auch so lange überleben werden?

Um all das geht es aus meiner Sicht auch, wenn das Socia Media Team des Städel interessierte Blogger, Twitterer und Instagramer (Microblogger) nach Ladenschluss ins Museum einlädt und 200 Minuten lang in verschiedenen Führungen die Vielfalt des Museums darstellt. Ein Social Media Event zum Jahresende, in dem wohl schon öfter über die 200 Jahre des Kunstinstitus sinniert wurde. Eine Smombie-Veranstaltung, bei der wir Blogger auf unsere Smartphones eintippen, während vorne eine Dame des Museums steht und die Städel-App erklärt, über die Inhalte digital abgerufen werden können. Digitaler Wandel auf allen Ebenen.

Freilich, über den bei Twitter ausgelösten Buzz kann man streiten (über 1.500 Tweets, 6 Millionen Impressionen, usw.) und Likes in Keksform sind auch eher so meta-witzig. Allerdings hat es trotzdem ganz wunderbar funktioniert und zeigt auch vor allem eines: beim Städel hat man den Umgang mit Bildern verstanden. Das Städel findet Ihr auch bei Instagram.

Der Webmontag Frankfurt

 

Einkaufen im Internet, Karten für das nächste Konzert bestellen, schnell mal etwas suchen, vom Handy aus bei Facebook Likes verteilen oder im Auto via Google Maps zur nächsten Hochzeit fahren. Was heute selbstverständlich erscheint, war vor einigen Jahren eher noch eine Wunschvorstellung.

Das Internet hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, und wir sind mitten drin, wir sind Teil dieses Veränderungsprozesses. Wir alle nutzen das Internet täglich, für uns ist es „das Web“. Wir schreiben selber täglich in dieses Internet rein und sorgen so für eigene, lokale Inhalte.

Um Inhalte geht es auch beim Webmontag Frankfurt, dieser monatlichen Veranstaltung in der Brotfabrik in Frankfurt-Hausen, bei der es Vorträge rund ums Thema „Web“ zu hören gibt.

Als der Webmontag Frankfurt im Februar 2006 zum ersten Mal stattfand, geisterte der Web 2.0 Begriff durch die Medien. Das Mitmachinternet, eine neue Onlinewelt, in der Technik und Inhalte nicht mehr nur von wenigen Machern kontrolliert werden sollten und die einzelnen Dienste technisch nicht mehr voneinander getrennt waren. Anfangs dezentral über ein gemeinsames Wiki organisiert, steckte die lokale Szene voller Webworker, die hier ein schönes Format zum inhaltlichen und persönlichen Austausch fanden. Tim Bonnemann hatte die Idee zum Webmontag seinerzeit aus den USA mitgebracht und hier mit Hilfe einiger Entwickler im Rhein-Main Gebiet und der Brotfabrik Hausen e.V. realisiert.

„Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen.“

Was sich wie ein oller Kalenderspruch anhört, war tatsächlich die Basis für den Erfolg des Webmontag Formats und weiterer Benutzergruppen. „Benutzergruppen“ sagt aber eigentlich kein Mensch, daher nennen wir es „User Groups“, und davon gibt es im Rhein-Main-Gebiet mittlerweile recht viele. Zu jedem Nischenthema, zu jeder Programmiersprache, zu jedem Framework gibt es mittlerweile eine eigene User Group, so dass der Webmontag Frankfurt sich weiterentwickeln konnte und jetzt auch diejenigen anspricht, die mit dem ganzen Onlinegedöns auf den ersten Blick nicht so viel zu tun haben. Und lokale Agenturen, die Dienstleistungen im Onlinebereich anbieten, können so auch außerhalb ihrer normalen Werbeaktivitäten neue Zielgruppen ansprechen.

Wie verändert das Internet unsere Arbeitswelt? Was hat es mit diesem Begriff „Industrie 4.0“ auf sich? Was ist die Digitale Agenda? Was ist mit der Überwachung durch die Geheimdienste? Wie sicher ist WhatsApp? Welchen Stellenwert hat E-Mail heutzutage, wenn die Kids Messenger-Dienste als ID verwenden? Überhaupt, wie ist es mit der Verschlüsselung bei E-Mails beschaffen und wieso nutzt das eigentlich fast niemand? Wieso gibt es auf dem Handy so tolle Apps, aber mein Outlook im Büro spinnt jeden Tag? Wie kann ich meine Website ansprechender gestalten? Was ist SEO? Muss ich jetzt programmieren lernen? Überall Amazon/Zalando: kaufen Frauen online eigentlich anders ein als Männer? Wie kann ich meine Webseite verbessern? Und wer liest heutzutage noch gedruckte Zeitungen und welchen Stellenwert hat Onlinejournalismus? Wieso sind eBooks so teuer? Wie sieht es im Ausland mit dem Internet aus? Wieso gibt es in einigen afrikanischen Ländern praktische Bezahlsysteme auf dem Handy, während wir in Deutschland immer eher die Mißbrauchsgefahren hervorheben? Überhaupt, diese unsägliche Störerhaftung beim WLAN, kann man die nicht mal abschaffen? Was ist mit diesem Freifunkdingens? Zum Mars fliegen aber kein WLAN in der Bahn! 1!11 Und wer hat eigentlich den ganzen Tag Zeit, in dieses Twitter reinzuschreiben? Soll ich das jetzt alles lesen? Oder ständig diese Selfies bei Instagram. Furchtbar.

Alltägliche Fragen, die uns alle irgendwie betreffen, weil das Internet jetzt in 2016 an diesem Punkt angekommen ist, an dem es nicht mehr nur ein paar wenige Freaks interessiert. Daher macht es irgendwie Sinn, einen Vortragsabend zur digitalen (neuen) Welt auszurichten und dabei Themen zu diskutieren, die das ganze Spektrum abdecken: von der technischen Umsetzung und ihren Herausforderungen bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Jedes Mal kommen so bis zu 200 Besucher an einem Abend zusammen und tauschen sich zu neuen Trends und Themen aus. Agenturen nutzen den Webmontag, um neue Projekte vorzustellen; Künstler zeigen ihre Projekte; sogar die Stadt Frankfurt beteiligt sich gelegentlich und berichtet aus den Anforderungen in der digitalen Kommunikation mit den Bürgern. Der Eintritt zum Webmontag ist kostenlos und wer es an einem Montagabend nicht mehr in die Brotfabrik schafft, kann sich das Programm des Abends auch im Livestream anschauen. Gerne auch auf dem Smartphone, denn was vor einigen Jahren noch als ferne Utopie galt, ist heutzutage dank der Videoplattformen wie YouTube ganz selbstverständlich möglich.

Der nächste #wmfra ist am 11. Juli 2016. Und danach am 12. September im Ignite-Style: Ein Vortrag dauert fünf Minuten UND die 20 — starren — Folienseiten bewegen sich alle 15 Sekunden weiter.

Den Webmontag Frankfurt findet man online unter http://www.wmfra.de/, bei Facebook https://www.facebook.com/wmfra , bei Twitter https://twitter.com/wmfra und sonst überall unter dem Hashtag #wmfra.