Kalonji und der Luxus

Bevor es die­ses Twit­ter­dings gab, habe ich hier län­ge­re Blog­bei­trä­ge ver­öf­fent­licht. Mein Blog­ging-Mojo ist dann immer mehr in Rich­tung Twit­ter und Insta­gram abge­wan­dert — für mehr Info­auf­nah­me fehlt den meis­ten Lesern dann oft die Zeit, oder auch: “Ich lese kei­ne Blog­posts”, sag­te mir jemand letz­tens auf mei­ne Ver­wun­de­rung hin, wie­so ein hier beschrie­be­ner Pro­dukt­test nicht bekannt sei. Hät­te er den gele­sen, gäbe es ein Pro­blem weniger.

Kalonji, das neue Familienmitglied.

Kal­on­ji, das neue Familienmitglied.

Ich schrei­be aber ger­ne. Und manch­mal muss es dann doch raus, vor allem wenn man sich im Leben wei­ter­ent­wi­ckelt und mit 40 Din­ge macht, die ande­re wahr­schein­lich schon mit 20 abha­ken. Die Ande­ren aber, die haben jetzt Kin­der und kon­su­mie­ren wahr­schein­lich höchs­tens den Con­tent, der in der Whats­App-Grup­pe der Krab­bel­kin­der­grup­pe / Sport­grup­pe her­um­ge­schickt wird. Kin­der sind ja doch ein Full­time-Job, der gut aus­las­tet und weni­ger Raum für eige­ne Inhal­te bie­tet. Ich habe da volls­tes Ver­ständ­nis. Eige­ne Kin­der gibt es viel­leicht auch mal, jetzt gibt es aber erst­mal einen Hund — und das dazu pas­sen­de Fahrzeug.

Wuff!

Der Hund ist wirk­lich nied­lich. Eine Berei­che­rung fürs Leben, die sich tie­risch freut, wenn ich nach Hau­se kom­me. Die manch­mal im Bett schla­fen darf und bis auf den Jagd­trieb sehr schön unauf­ge­regt ist. Eigent­lich ist der Hund so wie ich, nur halt mit mehr Haa­ren. Die ande­ren Hun­de braucht er nicht so, ihn inter­es­sie­ren bis­her eigent­lich nur Hasen (und Fut­ter, sie­he Bild). Das wird sich viel­leicht auch noch­mal ändern. Für einen 15 Mona­te alten Hund aus dem Tier­heim mit unkla­rer Vor­ge­schich­te haben wir hier wirk­lich sehr viel Glück mit die­sem Tier.

Wer bis­her kei­nen Kon­takt mit ande­ren Men­schen hat­te, wird bei den täg­li­chen Hun­de­run­den sofort ange­spro­chen. Die­se Hun­de­be­sit­zer (sind es wirk­lich Besit­zer?) sind ja auch eine Grup­pe für sich, aber das gibt es wahr­schein­lich über­all — die­se Grup­pen­bil­dung. Ner­vig sind nur die stän­di­gen Tipps zur Hun­de­er­zie­hung, die einem unge­fragt von vor allem jun­gen Men­schen mit­ge­ge­ben wer­den. Der “Hun­de­trai­ner” ist ja eine unge­schütz­te Berufs­be­zeich­nung, und so kann sich jeder zum Hun­de­trai­ner her­auf­stu­fen. Inter­es­sant fin­de ich an der gan­zen Hun­de­er­zie­hung vor allem, dass man wohl viel über sich selbst lernt. Für mich ist das ein ganz wich­ti­ger Teil — was ja bei der Kin­der­er­zie­hung wohl auch so ist.

Im Kin­der­gar­ten und der Schu­le, so wur­de mir letz­tens von @sauerstoff bestä­tigt, wäre das noch schlim­mer mit den Eltern, die ihre Kin­der stän­dig loben und in einer Art Wett­be­werb vor ande­re Kin­der plat­zie­ren möch­ten. “Alles nur gelo­gen und über­trie­ben, ich glau­be denen nicht”, sagt Kars­ten. Das ver­mu­te ich auch, und schaue auf den Hund hin­ab, mit dem ich nie­man­dem etwas bewei­sen muss und der ein­fach nur er selbst sein kann. Kei­ne Pro­jek­ti­on irgend­wel­cher Wunsch­vor­stel­lun­gen auf den Hund.

Wir haben ihn “Kal­on­ji” genannt. Das ist Hin­di für “ech­ter Schwarz­küm­mel” und passt eigent­lich recht gut. Den Namen kann sich natür­lich nie­mand mer­ken, aber doch bes­ser als die übli­chen Hun­de­na­men. Klein und schwarz, wie der Schwarz­küm­mel. Und so bekömm­lich wie die­ses Gewürz, über das im Koran wohl berich­tet wird, dass es “alles außer den Tod hei­le”. Oookaaay.

Dabei fing es ja ganz unspek­ta­ku­lär an: “Jeder hat einen Hund, nur wir nicht!1!11″, war der stän­di­ge Gedan­ke in den letz­ten Jah­ren. Also hin zum Tier­heim und Hun­de anschau­en. Vie­le Lis­ten­hun­de, vie­le gro­ße Hun­de. So groß darf der Hund hier lei­der nicht sein. Immer nix gefun­den und sowie­so Zwei­fel gehabt, ob man das mit einem Hund wirk­lich machen soll­te. Dann eines Tages wie­der hin, eher aus Zufall, weil man nur mal aus Mit­leid mit einem älte­ren Jack Rus­sel eine Run­de dre­hen soll­te, der als schwer ver­mit­tel­bar galt. Aber er war weg! Was ein Glück für ihn. Im Nach­bar­kä­fig dann, mit einer wei­te­ren Hün­din zusam­men: unser klei­ner Kal­on­ji. Er freu­te sich, Spa­zier­gang ver­lief gut, nach dem 4. Spa­zier­gang wur­de er dann mit­ge­nom­men und jetzt lebt er halt hier. Täg­lich 3–4x raus, ich habe schon 2kg abge­nom­men. Bes­ser geht es nicht.

Mobilität

Womit wir zu der Auto­fra­ge kom­men. Mit Hund fliegt man ja weni­ger, Bahn­fah­ren ist dann auch nicht so opti­mal (er pupst auch ger­ne :-), es bleibt also nur das Auto für län­ge­re Stre­cken. Den BMW haben wir in den Ruhe­stand geschickt, ab jetzt gibt es ein lang­stre­cken­taug­li­ches Rei­se­fahr­zeug, das ein­fach nur sau­be­quem ist und sehr mei­nem Ide­al eines Traum­au­tos ent­spricht. Was sagt das eigent­lich über mich aus?

VW Touran 2.0 TDI DPF DSG

In 2011 fuhr ich einen neu­en VW Tou­ran als Miet­wa­gen, damals hat­te ich mich in so ein Fahr­zeug ver­liebt, weil es kom­pakt gebaut ist und mit den weit außen ste­hen­den Rädern eine gute Kur­ven­la­ge hat. Der VW Tou­ran ist ja kür­zer als ein Golf Vari­ant! Inso­fern war dann bald klar, dass es ein VW Tou­ran wer­den muss. Opel Zafira/Meriva, Toyo­ta Coro­la Ver­so oder auch so ein Citro­en Xsa­ra Picas­so wie bei @powtac (für nur 1/3 des Kauf­prei­ses des Tourans) fie­len irgend­wann raus, aber der Tou­ran ver­kauft sich auch nicht ohne Grund so gut. Für mich ist so ein Van auch inter­es­san­ter als ein SUV — bis auf die von @coderbyheart letz­tens erwähn­te Watt-Tie­fe beim SUV. Aber ich bin ja frü­her Isu­zu Tro­oper und Suzu­ki Samu­rai SJ410 gefah­ren, also rich­ti­ge Gelän­de­wa­gen, da kann ich die­se SUVs lei­der alle nicht so ernst neh­men. Auch fra­ge ich mich, wie viel Platz sie wirk­lich bie­ten? Ist ein Kom­pakt­van wie der Tou­ran nicht doch noch geräu­mi­ger? Aus mei­ner Sicht schon.

Die Tourans sind aber alle heiß begehrt, da muss man bei guter Aus­stat­tung und guter War­tung schon etwas län­ger und inten­si­ver schau­en. Die­ser hier hat jetzt schon 191 TKM run­ter. Für einen Ben­zi­ner wäre das viel, für einen Die­sel geht das eigent­lich. Da ist es umso wich­ti­ger, dass der Wagen gut gewar­tet und alle Flüs­sig­kei­ten regel­mä­ßig gewech­selt wur­den. Nur gute Öle erfül­len ihren Zweck, neh­men Schweb­stof­fe auf und behal­ten damit ihre Eigen­schaf­ten. Und die heu­ti­gen Auto­ma­tik­ge­trie­be sind ja auch nicht mehr für die Ewig­keit gemacht, wie das viel­leicht mal beim BMW der Fall war. Daher: gute War­tung und mate­ri­al­scho­nen­de Fah­rer sind die wich­tigs­te Vor­aus­set­zung. Bei 308 EUR Steu­ern pro Jahr und auch nicht so güns­ti­ger Ver­si­che­rung lohnt sich das alles auch eher bei vie­len Kilo­me­tern pro Jahr.

Änderungen

Was ein Luxus. Eben noch ohne Hund, ohne Auto und sons­ti­gen Ver­pflich­tun­gen, dann irgend­wann sess­haft wer­den und sich ent­ge­gen aller Beden­ken für die­se Din­ge ent­schei­den, die das Maß an Frei­heit doch deut­lich redu­zie­ren. Ist das jetzt die­ses Erwach­sen­wer­den, von dem immer alle berichten?

Mit dem Hund ist es jetzt so wie mit der Gar­ten­ar­beit auf dem Bal­kon: die dafür inves­tier­te Zeit wird nicht als Ver­schwen­dung emp­fun­den, son­dern als Berei­che­rung und sinn­vol­le Erho­lung. Ich kann jetzt auch die Hun­de­be­sit­zer ver­ste­hen, die sich immer so inten­siv mit ihren Hun­den befas­sen. Es dient doch auch immer der geis­ti­gen Erho­lung vom All­tag. Der anfangs erwähn­te Mikro­blog­ger, der jeden Loca­ti­on-Check-In bei Twit­ter ver­öf­fent­licht (wen inter­es­siert das????!), hat im All­tag auch nur Kon­takt mit schwie­ri­gen Fäl­len, da dient so ein Hund/Kind auch der Ablen­kung. Ich erwäh­ne das auch, weil die­se intel­lek­tu­el­le Blo­cka­de im Kopf doch immer der Haupt­grund ist, wie­so man Din­ge nicht macht und sich dann wun­dert, wie­so das Leben nicht so ver­läuft wie erhofft.

Hund und Auto. Und einen Staub­sauger von Dys­on! End­lich, end­lich, end­lich gibt es einen Grund für die Anschaf­fung so eines Staub­saugers! Für einen Ber­noul­li-Geschä­dig­ten Inge­nieur wie mich ist so ein Staub­sauger mit rotie­ren­der Bürs­te lei­der schon sehr, sehr fas­zi­nie­rend. Life could be worse. Was ein Luxus.

Kal­on­ji beim Chil­len aufm Sofa. Der Hund und der Staub­sauger sind übri­gens eine lebens­lan­ge Sym­bio­se eingegangen.

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