Endlich Funkamateur

Ein Funk­ama­teur, der das Hob­by Ama­teur­funk betreibt. Also mit erfolg­reich abge­leg­ter Ama­teur­funk­prü­fung bei der Bun­des­netz­agen­tur und zuge­teil­tem Rufzeichen.

Die ers­te Berüh­rung mit Funk­ge­rä­ten waren japa­ni­sche (CB)-Funkgeräte in ca. 1980. Ich habe die immer noch, natür­lich stark zer­bas­telt, lie­gen in einer Kis­te im Kel­ler. Dann ca. 1985 bei einem Som­mer­kurs in der Bre­mer Kunst­hal­le: ein Kurs, in dem wir uns mit weni­gen Bau­tei­len auf Reiß­zwe­cken ein Radio gelö­tet haben. Emp­fangs­draht an die Hei­zung, Stöp­sel ins Ohr, biß­chen dre­hen irgend­wo, zack, der ers­te Sen­der im Ohr. Spä­ter dann — in Kenia — der ers­te Elek­tronik­bau­kas­ten, als sog. Short Wave Lis­tener (SWL) täg­lich Radio hören, mit 18 irgend­wann das ers­te Ama­teur­funk-Hand­funk­ge­rät in der Hand: Stan­dard C168, das der mitt­ler­wei­le lei­der ver­stor­be­ne Funk­ama­teur Her­mann (DK8RT/5Z4RT) aus Deutsch­land orga­ni­siert hat­te. “Wenn Du damit fun­ken willst, muss­te aber die Lizenz machen.” Yo, will ich. Funk­ge­rä­te sind ver­läss­li­cher als die Tele­fon­lei­tung im Haus, die in jeder Regen­zeit den Geist auf­gibt. Mobil­funk gibt es in Kenia zu der Zeit nur nach ETACS-Stan­dard, für das in Kenia nur 2000 Leitungen/Nummern im Sys­tem vor­ge­se­hen waren. Zwi­schen den vie­len ille­ga­len Kurz­wel­len­sen­dern aus Soma­lia sind auch etli­che Funk­diens­te in Nai­ro­bi auf VHF unter­wegs, die größ­ten­teils kei­ne Betriebs­funk­fre­quenz bean­tragt haben. Allei­ne, sie fal­len weni­ger auf als die dicken Gelän­de­wa­gen der Ver­ein­ten Natio­nen mit ihren Kurz­wel­len­an­ten­nen an den Stoß­stan­gen. In einem Land ohne ver­läss­li­che Nor­men und funk­tio­nie­ren­der Infra­struk­tur sind aut­ar­ke Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel wie Funk­ge­rä­te eine sinn­vol­le Investition.

Standard c168

Nicht unser Auto, dafür mit etwas län­ge­ren Haa­ren, hip­pem Fjäll­Rä­ven-Ruck­sack und dem gelieb­ten Hand­funk­ge­rät Stan­dard c168: JKE in ca. 1994 bei Mar­al­al in Kenia.

Also erst­mal Mit­glied gewor­den im loka­len Radio­ver­ein, der Ama­teur Radio Socie­ty of Kenya (ARSK). Mein gro­ßer Wunsch: das Ruf­zei­chen 5Z4JKE. 5Z4 als Prä­fix für Kenia, JKE als Abkür­zung für mei­nen Namen. Die Funk­ama­teu­re in Kenia sind ein bun­ter Hau­fen, man betreibt inter­na­tio­na­le Funk­ba­ken und betei­ligt sich an Wett­be­wer­ben. Monat­li­che Tref­fen in einer klei­nen Hüt­te in einem älte­ren Teil Nai­ro­bis, kei­ne 300m von Kibe­ra ent­fernt. Mit viel Glück orga­ni­siert mir ein in Kenia arbei­ten­der, japa­ni­scher Funk­ama­teur einen Ken­wood TS-430S als Direkt­im­port aus Japan, den ich erst­mal umbaue und nur zum Emp­fang ver­wen­de. Als Anten­ne dient ein 10m Rund­strah­ler aufm Dach, eine Solar­zel­le speist die Auto­bat­te­rie. Zum rei­nen Emp­fang reicht die­ses Set­up aus. Mein ers­ter Job nach der Schu­le ist der Ein­bau von VHF-Betrtiebs­funk­ge­rä­ten in die Schul­bus­se — inklu­si­ve Orga­ni­sa­ti­on der benö­tig­ten Mate­ria­li­en, was in einem Land wie Kenia in den 1990er Jah­ren durch­aus schwie­rig erscheint. Wahr­schein­lich erfreue ich mich des­we­gen auch so am Ein­falls­reich­tum ehe­ma­li­ger DDR-Inge­nieu­re, die eben­falls viel zau­bern muss­ten. Und es ist auch der heim­li­che Start von Afri­Gad­get. Bas­teln gehört zum Hob­by dazu. Zweck­ent­frem­den und anpas­sen. 50-ohmi­ge Koaxi­al­ka­bel und pas­sen­de BNC-Ste­cker kann ich auf­trei­ben, nur für eine pas­sen­de 2m-Anten­ne wer­de ich erst im letz­ten Win­kel Nai­ro­bis bei einem klei­nen indi­schen Hin­ter­zim­mer­händ­ler fün­dig. Läuft.

Hinten: die erste Seite ausm Logbuch als SWL. Vorne: Lernmaterial für die in 1994 neu eingeführte Einsteigerlizenz in Kenia. Leider nur für kenianische Staatsbürger.

Hin­ten: die ers­te Sei­te ausm Log­buch als SWL. Vor­ne: Lern­ma­te­ri­al für die in 1994 neu ein­ge­führ­te Ein­stei­ger­li­zenz in Kenia. Lei­der nur für kenia­ni­sche Staats­bür­ger (und des­we­gen so abge­nutzt, weil ich das Heft an den Nacht­wäch­ter ver­lie­hen hatte).

Damals war die Lizen­zie­rung gera­de im Umbruch, sog. Anfän­ger­li­zen­zen kamen als Trend aus den USA, um die Ein­stiegs­hür­den zu ver­rin­gern (eigent­lich engl. licence, bei uns in Deutsch­land heißt das Ama­teur­funk­zeug­nis, weil eine “Lizenz” auf einen kom­mer­zi­el­len Cha­rak­ter hin­wei­sen wür­de). In Kenia wur­de eine Kenya(n) Novice Licence ein­ge­führt, aller­dings nur für Kenia­ner, nicht für Resi­dents. “Das geht nur über den Umweg der deut­schen Lizenz, und dar­auf basie­rend dann die kenia­ni­sche bean­tra­gen.” Also dann, den sau­teu­ren Fern­kurs Ama­teur­funk der Fern­schu­le Bre­men bestellt und teil­wei­se durch­ge­ar­bei­tet. Ein schö­ner Kurs, 12 Lehr­brie­fe, ver­teilt auf zwei gro­ße Ord­ner. So man­cher Funk­ama­teur hat sei­ne “Lizenz” in den jun­gen Jah­ren erwor­ben, und eigent­lich hät­te ich die “Lizenz” damals schon machen kön­nen (wenn­gleich auch ver­gleichs­wei­se schwie­ri­ger). Nach der zwei­ten Zwi­schen­prü­fung von 12 ver­lor ich jedoch die Lust am Fern­kurs; es kamen die Schu­le dazwi­schen, Abitur, Umzug nach Deutsch­land, dann im August 1996 beim Kum­pel der ers­te eige­ne Kon­takt mit dem Inter­net. Davon hat­te ich in Kenia schon zwei Jah­re vor­her gehört, in Kenia wähl­te man sich aber damals über noch schlech­te­re Modem­ver­bin­dun­gen ein als in Deutsch­land. Wenn überhaupt.

Morsetasten

Eine Jun­ker Mor­s­e­tas­te mit einem Piep­ser neben mei­nem Selbst­bau aus 1993. Mor­sen muss man übri­gens nicht mehr in der Prü­fung, ich wür­de es aber ger­ne kön­nen und hat­te mir in 2009 aufs iPho­ne als ers­te App die “Morse-it”-App gekauft.

Die Ent­de­ckung des Inter­nets also. Schnell schau­te ich online nach Ama­teur­funkthe­men, ver­netz­te und betei­lig­te mich bei diver­sen The­men, bau­te mei­ne ers­te eige­ne Sei­te, die für mei­ne ehe­ma­li­ge Schu­le, nahm Kon­takt mit dem einen, ande­ren Frank­fur­ter Afu-Orts­ver­ein auf, star­te­te mit dem Stu­di­um (E‑Tech, Poli­to­lo­gie), mach­te eine zwei­jäh­ri­ge kfm. Aus­bil­dung, es folg­te ein berufs­be­ding­ter Umzug nach DDF — außer Betrieb eines Funk­scan­ners und dem gele­gent­li­chen Anten­nen­bau für Emp­fangs­zwe­cke kein eige­ner Funk­be­trieb. Das The­ma Ama­teur­funk rück­te in wei­te Ferne.

Selbstbauprojekte

Wir hat­ten ja damals nix. Nur Brenn­nes­sel­sup­pe: Selbst­bau­pro­jek­te aus den 90ern (FM-Sen­der, Ver­stär­ker für das schwa­che Fern­seh­si­gnal in Nai­ro­bi, DIY-Morsetaste).

Dann ca. 2002 in Suder­burg wäh­rend des nächs­ten Stu­di­ums, Kum­pel Björn hat einen alten Sie­mens-Röh­ren­emp­fän­ger von sei­nem Vater (Arno, DF3DS) geschenkt bekom­men. “Hier JKE, Du repa­rierst doch ger­ne, meins­te man kann da noch was machen?”. — “Ja, aber bevor wir sel­ber etwas machen, soll­ten wir doch eigent­lich beim loka­len Orts­ver­ein des Deut­schen Ama­teu­er Radio Club (DARC) vor­bei­schau­en? Die haben viel­leicht auch einen Schalt­plan für die alte Kis­te.”“Ja, hast Recht, und lass mal so eine Lizenz machen, da wird sich mein Vater auch freu­en.”  Wir also bei­de hin und uns vor­ge­stellt, den net­ten DF2OK ken­nen­ge­lernt, der für das The­ma brennt und vie­le schö­ne und inter­es­san­te Hob­bys hat. So jemand wäre der rich­ti­ge Leh­rer. Inter­es­san­ter­wei­se hat­te ich in der Woche davor in einem alten VW auf dem Uelze­ner Schrott­platz eine hand­ge­lö­te­te Funk­wei­che gefun­den, die den gleich­zei­ti­gen Betrieb des Funk­ge­rä­tes und des Auto­ra­di­os an einer Anten­ne ermög­li­chen soll­te. Der Erbau­er die­ser Funk­wei­che war an dem Abend auch dort und war sicht­lich über­rascht, dass jemand sein Kunst­werk aus dem Auto­schrott geret­tet hatte.

Lei­der ver­lor Björn irgend­wann das Inter­es­se am Ama­teur­funk, das Stu­di­um näher­te sich dem Ende, uns bei­de zog es weg aus Suder­burg, die Mit­glied­schaft im Deut­schen Ama­teur Radio Club (DARC) setz­te ich aus, es gab wich­ti­ge­re The­men. Nach eini­gen Umwe­gen dann 2007 der Umzug nach FFM.

In Frank­furt natür­lich in der Woh­nung erst­mal diver­se Anten­nen­dräh­te gespannt, eine magne­ti­sche Loop-Anten­ne auf­ge­baut, über die Jah­re diver­se klei­ne (SDR-)Empfangsprojekte gemacht, aller­dings: ich bin damit immer allei­ne, alle mei­ne Freun­de haben ande­re Hob­bys, ich habe eh nur sol­che Stu­ben­ho­cker­hob­bys. Schreck­lich. Will ich mich mit die­sem Funk­the­ma eigent­lich wirk­lich noch län­ger beschäf­ti­gen? Das sind doch eh nur noch größ­ten­teils alte Män­ner, die Funk­ama­teu­re. Ein aus­ster­ben­des Hob­by, die­se Prü­fung wills­te doch schon seit mehr als 20 Jah­ren machen, hat sich das nicht irgend­wann über­holt? Wer funkt denn heu­te noch, und über­haupt: Internet.

Funkweiche

Eine selbst­ge­bau­te Funk­wei­che von DF5OQ für den gleich­zei­ti­gen Betrieb einer Auto­an­ten­ne an zwei Gerä­ten.  Durch Zufall beim Stö­bern aufm Schrott­platz entdeckt.

Ich bin ein Tech­nik­mensch, der bei einem Hoch­haus oder auf einem Berg zuerst auf mög­li­che Anten­nen­po­si­tio­nen schaut. Anten­nen fin­de ich sexy. Die Woh­nung hier ist im obers­ten Stock­werk, ich betrei­be einen RTL-SDR-Emp­fän­ger für ADS‑B und möch­te funk­tech­nisch noch viel mehr machen. Viel mehr von dem, was ich mir allei­ne nie­mals bei­brin­gen kann und das mit so einer Afu-“Lizenz” viel mehr Gewich­tung bekommt. Dabei hat mich das eigent­li­che Fun­ken (~ das Gela­ber) nie inter­es­siert (daher auch kei­ne wirk­li­che Erfah­rung mit CB-Funk, weil da nie jemand aktiv war, und von mei­nen Leu­ten schon mal gar nicht). Ich will vor allem die Tech­nik erle­ben und mich ein­fach dar­über freu­en, wie die Funk­tech­nik zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­setzt wird. Mor­sen oder digi­ta­le Betriebs­ar­ten fin­de ich span­nend, und es gibt es da noch diver­se The­men­be­rei­che, von denen ich bis­her kei­ne Ahnung hat­te und die es jetzt zu erfor­schen gilt.

Im Herbst 2013 dann der ers­te Ver­such, ein ein­wö­chi­ger Inten­siv­kurs beim loka­len Orts­ver­ein des DARC. Dass es so einen Kurs über­haupt gibt, ist eine gro­ße Freu­de und für mich kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Frü­her haben sich die Funk­ama­teu­re gegen­sei­tig Wis­sen bei­gebracht, in den Zei­ten des Inter­nets gibt es alle Lern­ma­te­ria­li­en größ­ten­teils online oder aufm Smart­pho­ne. Die über­aus guten Lehr­bü­cher von Eck­art Molt­recht bil­den die Basis, dazu das Pro­gamm AfuP und die genia­len Hil­fen namens “Licht­blick”, die mir wie ein Segen erschei­nen. Man muss sich nicht für den Ama­teur­funk inter­es­sie­ren, wird sich aber trotz­dem an die­sen “Licht­bli­cken” und “Licht­blit­zen” erfreu­en. Der mitt­ler­wei­le ver­stor­be­ne Autor hat sich damit ein zeit­lo­ses Denk­mal gesetzt und das prü­fungs­re­le­van­te Wis­sen so auf­be­rei­tet, dass es leich­ter ver­stan­den und ver­in­ner­licht wer­den kann.

Was sich so in 20 Jah­ren an Lern­ma­te­ria­li­en zum The­ma ansammelt.

Just in der Herbst­fe­ri­en­wo­che 2013 wird mir mein Urlaub hier ver­plant, ich kann also nicht teil­neh­men. 2014 dann das glei­che Spiel, in den Herbst­fe­ri­en möch­te die Leh­rer-Mit­be­woh­ne­rin mög­lichst weit weg ver­rei­sen. Im Okto­ber 2015 habe ich es dann aber wahr gemacht und mir die­sen lang ersehn­ten Traum erfüllt. End­lich den Kurs mit­ge­macht, Wis­sen auf­ge­frischt und neue Fak­ten gelernt, zur Prü­fung ange­mel­det und (auf uner­klär­li­che Wei­se) bestan­den. Jetzt zwar nur die klei­ne Klas­se E statt A, aber das reicht ja auch erst­mal für den Anfang. Klas­se A bie­tet noch mehr Mög­lich­kei­ten, ver­langt aber ein noch detail­lier­te­res Fach­wis­sen im Tech­nik­be­reich. Chal­len­ge accep­ted, btw.

Ein sehr lan­ger, umständ­li­cher Weg zum Ama­teur­funk­zeug­nis, des­sen Attrak­ti­vi­tät für mich auch in 20 Jah­ren noch nichts ein­ge­büßt hat. Es ist eigent­lich ein gro­ßer Luxus, wenn man sich heut­zu­ta­ge noch so inten­siv mit einem The­ma beschäf­ti­gen und dafür so viel Zeit auf­wen­den kann. Und: Es ist nicht mein ein­zi­ges Hob­by. Für mich ist die­ses Zeug­nis nach all den Jah­ren aber auch ein Wei­ter­kom­men, und jetzt im Nach­hin­ein hät­te ich es natür­lich noch viel lie­ber damals mit 20 schon machen sollen.

73 de DO2JKE

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