Burn it!

I usually don’t reblog foreign content, but the following collection of “Look at Life” films from the 1959-69 era shows how waste was handled as waste in the 1960s, where the only solution in recycling the wooden interior of vehicles was to burn everything.

Yes, incinerating it!

Nice music, though.

Bekommst Du auch genügend Nährstoffe? #vegan

Heute Abend habe ich zwei Stunden in der Küche gestanden und für mich und die Mitbewohnerin ein südindisches Gericht gekocht: mit Idli, einem Sambar aus Gemüse und Gurkensalat mit einem Erdnusschutney. Ich koche gerne und es ist wie beim Basteln die geistige Erholung, die mich reizt. Alles ohne Produkte tierischen Ursprungs, und die Inspiration zum schmackhaften Gurkensalat (nämlich die Kombination aus Gurken und Erdnüssen) kommt für mich aus der ayurvedischen und der nordchinesischen Küche.

Idli-Gericht mit Sambar und Gurkensalat

Ich mag auch Fleisch und Fisch. Sehr gerne übrigens Steak oder Wiener Tafelspitz, und beim Fisch natürlich Sashimi (roher Fisch). Von der Fleischzubereitung habe ich aber ehrlich gesagt fast überhaupt keine Ahnung und müsste eigentlich mal gezeigt bekommen, wie man ein schönes Steak beim Einkauf erkennt und richtig zubereitet. Mit dem rohen Fisch verhält es sich auch ähnlich – so etwas esse ich lieber außer Haus. Das liegt aber auch daran, dass ich all diese schönen Dinge alleine essen müsste, denn meine Mitbewohnerin ernährt sich seit ca. zwei Jahren nur noch vegan. Kein Problem eigentlich, weil wir sowieso getrennt wirtschaften, aber alleine zu essen ist irgendwie doof. Vor diesem Hintergrund also ernähre ich mich in letzter Zeit immer öfter vegan und sehe darin auch keinen Nachteil für mich – freue mich aber auch immer, wenn ich mal nen richtiges Steak oder japanisches Essen serviert bekomme. Und in der japanischen Küche gibt es wirklich Dinge, die jeden Veganer zum Weinen bringen könnten (aber geil schmecken).

Der Trend
Durch diese gelegentliche vegane Ernährung also wird man schnell in einen Topf geworfen mit den vielen Hipstern, die das in letzter Zeit irgendwie in Mode gebracht haben. Eigentlich ein schöner Trend, aber unschön wenn es nur so als Trend gewertet wird. Besonders deutlich wird das meiner Erfahrung nach bei Instagram, wo die Verschlagwortung von Bildern wohl weniger ein Symptom der Aufmerksamkeitsökonomie darstellt, sondern eher der fehlenden Navigation dort dient. Wenn man sein Foodie-Bildchen dort mit “#vegan” taggt, bekommt man innerhalb von Minuten die ersten Likes. Im Vergleich zu früher ist da ein Trend zu mehr veganem Content online erkennbar.

Wer sich also freiwillig oder zwangsweise vegan ernährt, wird teilweise auch die folgenden Situationen erleben:

1. Boah, “Was kannst Du denn dann noch essen?” ist wohl die Standardfrage, die meine Mitbewohnerin jedes Mal gestellt bekommt. Ihr homosexueller Kollege frug das letztens und eigentlich müsste man dann die Gegenfrage stellen, wie das denn dann funktionieren soll, wenn da beim Geschlechtsverkehr die Vagina fehlt. Ja, is doof, aber merkste selber, nich?

Wenn ich also meine Instagram-Bilder mit #vegan vertagge, dann geschieht das vor allem aus der Motivation heraus, diese Frage nach dem Restessen zu beantworten und mit meinem Bildchen zum großen Fundus an veganen Kochideen beizutragen, die sich mittlerweile im Internet tummeln.

2. Die vegane Ernährung wird von meiner Mitbewohnerin normalerweise nicht angesprochen. Wenn sie dann von Nicht-Veganern darauf angesprochen wird, soll sie es erklären und landet dann meistens in dieser Ecke, in der Argumente für eine vegane Ernährung verteidigt werden müssen. Das will sie gar nicht und ärgert sich dann, weil es doch eigentlich ihre Entscheidung ist, wie sie sich ernähren will. Viele fragen auch eher so rhetorisch, weil sie vegane oder auch schon vegetarische Ernährung ganz schrecklich finden und nur bestätigt bekommen möchten, wie freaky diese Veganer eigentlich sind.

Sicherlich gibt es auch Menschen, die den Veganismus durch Schockbilder verbreiten wollen und auf Konfrontation gehen, um ihre Position zu verdeutlichen. Bei all der Kritik, die den Veganern entgegenschlägt, kann ich diese Haltung oft nachvollziehen, halte sie aber rhetorisch für absolut falsch und kontraproduktiv.

Überhaupt, dass sich die Menschen aufgrund der Ernährungsform streiten, ist etwas schade und geht aus meiner Sicht an der eigentlichen Problematik bzw. dem notwendigen Diskurs zur Nahrungsversorgung vorbei.

3. “Bekommst Du dann auch genügend Nährstoffe?”. Ja, und das wird sogar anhand von Blutwerten regelmäßig überprüft. Welcher Nicht-Veganer macht das sonst? Bekommen die auch genügend Nährstoffe? Bei all den Fertiggerichten und den Zusätzen in der Lebensmittelindustrie ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherlich auch keine Selbstverständlichkeit (obwohl dort wohl noch eher kontrollierbar und so vermute ich bisweilen auch, dass die Anhänger dieser Ernährungsart viel besser mit den heutigen Umweltgiften klarkommen. Oder wie Peter sagt: “Die Körnermuttis meiner Klassenkameraden aus den 80ern hatten alle Krebs und sind schon tot.”).

Der Mitbewohnerin bekommt die vegane Ernährung übrigens sehr gut (reinere Haut, Gewicht, usw.) und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das nochmal ändern wird. Natürlich gibt es da manchmal Stress, weil ich in meine chinesische Gemüsepfanne gerne einen Schuss Oyster Sauce (9,5% Austernextrakt) hineinmische und so etwas dann alleine essen muss, aber da stören mich andere Dinge noch viel mehr als so eine Kleinigkeit.

Kreislaufwirtschaft
Ich bin auch gespannt, wie sich die Menschheit in 30 Jahren ernähren wird und wie sich diese stofflichen Frachten verteilen werden. Meine chinesischen Morcheln oder der Knoblauch aus China (achtet mal darauf, wo der herkommt – fast überall nur aus China) – wie wachsen die eigentlich und wer versichert mir, dass die nicht mit schwermetallhaltigen Abwässern gedüngt worden sind? Welcher Fisch/Seetang aus dem Pazifik ist jetzt eigentlich durch Fukushima verstrahlt und welcher “nur” mit verklappten Schwerölen oder dem feinen Plastikmüll (größtenteils sind das wohl feinste Fasern) verseucht? Die Tomaten ausm spanischen Gewächshaus – auf welchem Substrat wachsen die und wieviel Energie wird für deren Produktion benötigt? Woher kommt diese Energie? Und was geschieht mit dem Abwasser – wird das auch auf Mikroverunreinigungen hin untersucht, oder nur auf die paar Grenzwerte, die der Gesetzgeber vorschreibt? Wie verbleibt dieser Sonderabfall in unserem Kreislauf und wo reichert er sich an? Wieso gibt es in den ariden Ländern so viel wasserintensive Landwirtschaft, und wieso importieren wir dann noch Lebensmittel von dort, die größtenteils nur aus Wasser bestehen? Wieso wird genmanipuliertes Saatgut gezüchtet und wieso wird immer wieder künstlicher Dünger energieintensiv abgebaut? Ließe sich eine umweltverträgliche Kreislaufwirtschaft für Lebensmittel aufbauen, die genau so fakturierbar ist wie die derzeitige Industrialisierung des Nahrungsmittelsektors? Überhaupt: welchen Stellenwert hat die Produktion von Lebensmitteln und wie beeinflussen wir als Konsumenten diesen Ablauf?

DIESE Fragen möchte ich bei der gesamten Diskussion zum Thema eigentlich viel öfter mal hören und beantwortet bekommen, da sie aus meiner Sicht für die Menschheit von größerer Bedeutung sind, als eine Diskussion um eine vegane, vegetarische oder omnivore Ernährung.

Wieso eigentlich vegan?
Die vegane Ernährung sehe ich daher auch primär als Mittel, um die Ernährung genauer kontrollieren zu wollen und etwas mehr Selbstbestimmtheit in diesen Prozess zu bringen. Vielleicht ist dieser Wunsch zu mehr Selbstbestimmtheit auch die Ursache für den veganen Trend, da es so in dieses “schaut her was ICH mache”-Ding der Gegenwart passt. Es passt auch wunderbar zum Designempfinden vieler Gestalter (“weniger ist mehr”) und der Reizüberflutung in der heutigen Informationswelt, der man durch die selektive Ernährung bewusst etwas entgegensetzen möchte. Wenn man sich auf so eine Argumentation einlässt, kann man den Trend also leicht deuten und herleiten, alleine: meine Mitbewohnerin macht das als logische Konsequenz ihrer Ernährungsumstellung, die sie seit dem 14. Lebensjahr als Vegetarierin bewusst gewählt hat. Eine Bekannte ernährt sich vegan, weil ihr Körper bei der Verdauung von Milchprodukten Schwierigkeiten macht. Es hat wohl jeder seine Gründe, wieso eine Ernährungsform so einen Stellenwert bekommt.

tl;dr
Veganer haben eine große Auswahl. Veganer wollen ihre Ernährungsform nicht verteidigen müssen und haben ihre Gründe. Eine Mangelernährung findet nicht statt. Noch wichtiger als vegan / vegetarisch / omnivor ist aus meiner Sicht eine Diskussion um die Produktion unserer Lebensmittel.

How I track airplanes using a RaspberryPi and a DVB-T stick via #PiAware

Back in the early 1990s, picking someone up from Nairobi JKIAirport sometimes also included tuning into 119.700 MHz on the beloved Standard C168. A VHF radio, tuned to the frequency of Nairobi approach that tells you whether the expected plane would be landing soon. Unable to understand any aircraft radio communication back in the days, I never really had a benefit from this service, even though it was still cool.

Flightradar24-AugRealThe view from my balcony via Flightradar24 (pro) on my iPhone 4S.

Fast forward now in 2014, websites like flightradar24.com or flightaware.com provide anyone with a quick update on the position of almost any commercial airplane. Apps like flightradar24 even provide an augmented reality view, which is very sweet and also practical, as you won’t have to decode any cryptic audible communication and just identify your target aircraft on a map and can track it up to the airport. They do this via the ADS-B signal (Automatic dependent surveillance-broadcast) that anyone with the right equipment can easily pick up. Companies like FlightAware get their data from “different government air traffic control and private datalink sources” and also “operate a worldwide network of ADS-B receivers that track ADS-B-equipped aircraft flying around the globe”. Obviously, there’s a demand for this data.

Tracking hardware has been available for some time now and often only made sense for enthusiasts or real professionals who knew what they were doing and who also had a need for that data, as parts were still somewhat expensive. The Mode-S Beast is one such example where a German radio ham had created an FPGA based decoder some years ago (the FPGA component alone is just damn cool).

My setup
With the availability of cheap DVB-T sticks that can be turned into broadband radio scanners (I also presented this method during BarCamp RheinMain in 2013), private individuals can now also receive and decode ADS-B signals and feed them into a worldwide network.
You probably won’t run your desktop or laptop computer 24h/7d, but credit-card sized computers like the Raspberry Pi do provide just enough computing power to do the job. All you’ll need is a stable internet connection and a power supply that delivers 5V for the RaspberryPi. I do have the hardware, I have broadband internet connectivity, electricity and haven’t really made use of my RaspberryPi lately (only used it as a TOR server for guest wifi access), so when FlightAware announced this PiAware project that allows you to turn any RaspberryPi with such a DVB-T stick into an ADS-B receiver, I quickly agreed to install it on mine.

jke-piaware
Everything in a box: RaspberryPi (with a cooling kit in a neat VESA box), passive USB extension (saves space and has two more ports for e.g. a keyboard), RTL2832U / R820T DVB-T stick, Edimax EW-7811Un 150 Mbit/s Wireless IEEE802.11b/g/n nano USB Adapter, 8GB SD card, microUSB power supply.

The good part is that you don’t have to do any crazy geek shit, so it is very much idiot-proof for people like me. Just install the PiAware image on an SD-card, plug in all hardware components and start the RaspPi. Then visit their website and claim your ID. It’s really just as simple as that.

jke-flightaware-map

Once the system is up and running, you can quickly view live data by opening the local IP address in your browser which then loads a map and all available data. It’s 5:25am on this screenshot, and you can already see incoming cargo planes that want to land on Frankfurt airport. These are all signals that have been broadcasted from these planes and were then picked up by a small device on my balcony. And all of this just because some smart people had created a piece of software that reads data from a 10€ cheapo DVB-T stick and then forwards it to another server around the globe. It still amazes me and I love it.

Since I do live on the top floor of a four-storey building, in the vicinity of EDDF (Frankfurt Airport) and have a nice view from the balcony, I quickly figured that I should move my little project outside and place the magnetic foot of the antenna on the metal gate of the balcony, while all components are hidded in a plastic box. Something that also reminded me of my WiFi mod for the Water Resources Management Office in Embu in 2006: put everything in a plastic box and install it as high as possible.

Antenna
Antennae or antennas. I love them. I guess the thing that attracts me the most in radio technology are antennas. My geek level on this topic is that whenever I climb a mountain or visit a tall building, the first thing I think of is the Rx/Tx-ratio and how the spot would qualify for an outdoor antenna. While others enjoy the view, I just wonder about field strength. So when the need arose to replace the stock antenna that comes with most DVB-T dongles with something better, I realized that they aren’t that bad and that I would just need to install a new antenna stick (because, also, I didn’t want to mess with the tiny MCX-connector on the cable).

DVB-T antenna fix

The distance screw is from an old mainboard on a desktop computer and I just soldered a piece of wire onto this screw, then later on covered the brass with heat shrink tubes to waterproof it a bit. It’s a collinear antenna according to this manual and with a wavelength of about 1090 MHz or 275mm (= 300000 m/s / 1090000 1/s), the first part is 1/2 Λ the second 3/4 Λ long and the third one is supposed to be a little less than 3/4 Λ, but my piece of wire wasn’t long enough, so let’s just test it this way. The beauty about this setup is that I can easily upgrade it by just soldering more wire on a cheap, old screw.

My ADS-B antenna on the balconyThe finished antenna on the balcony.

Results
my PiAware feed statsGoing by this chart (generated via the PiAware backend), moving the antenna outdoor probably wasn’t such a bad idea. :-)

Africa?
FlightAware’s coverage map displays the typical gap, or lack of data from the African continent…

ADS B Coverage Map FlightAware

…and Flightradar24 isn’t that much better:

ADS B Coverage Map Flightradar24

Let’s hope that someone will be able to close this huge gap in future, even though it may require some investments into hardware and connectivity (internet & electricity). I’d love to see someone from Nairobi setting this up in an office – maybe someone at the iHub Nairobi? I understand that it just requires little bandwidth and is small enough not to accidentally “walk away”.

Update:
What I really like about this project is that FlightAware created an approach that allows newbies like me to get this thing going within minutes. It just takes the hardware and the downloaded image, and I won’t have to configure anything unless I want to. Just connect it to your network and FlightAware will automatically attribute your PiAware setup to your user account (based on the same external IP). After all it’s just a collection of scripts that combine some smart software here and there, but this also lowers the barrier for people like me who just want to contribute data to a network that is based on crowdsourced information.

Overlay SIM für mobile Bankgeschäfte

Während wir in Deutschland auf die ultimative Lösung bei mobilen Bezahlsystemen warten und immer wieder die Datensicherheit in Frage stellen, macht man sich in anderen Ländern diesbezüglich weniger Sorgen. Sorgen um die Manipulierbarkeit eines ohnehin schon wackeligen Mobilfunksystems, dessen Sicherheit für eine größere Kundenzufriedenheit und niedrigere Gebühren bereitwillig geopfert wird. Bedenken gibt es da höchstens seitens der Politik, die hier gierig die Hand auf hält und eine Einnahmequelle sieht.

73% Martkanteil
Der zur Vodafone-Gruppe gehörende kenianische Mobilfunkanbieter Safaricom hat mit seinem in 2007 eingeführten mobilen Bezahlsystem M-Pesa einen Marktanteil von derzeit 73%. Ein breites Händlernetz (das anfangs aufwendig und kostenintensiv geschult werden musste) erlaubt dabei jederzeit, die virtuellen Guthaben gegen eine Gebühr in Bargeld einzutauschen. M-Pesa als Marktführer ist somit nicht einfach nur ein etabliertes Bezahlsystem, sondern beflügelt eine ganze Wirtschaft, die aufgrund umständlicher Transaktionsmöglichkeiten früher so nicht stattfinden konnte. Allerdings sind die Transaktionsgebühren relativ hoch und liefern immer wieder Grund zur Kritik.

Safaricom SIM

Eine alte Safaricom SIM-Karte ohne M-Pesa Toolkit auf einem 50/= Kshs. Geldschein.

Technisch läuft das Verfahren so ab, dass sich auf der SIM-Karte ein programmierbarer Bereich befindet, der für diese Bezahlfunktion genutzt wird. Wir kennen diese Funktion auch bei den SIM-Karten in Deutschland: dieser Menüpunkt vom jeweiligen Anbieter, bei dem man sich das aktuelle Wetter, die Lottozahlen oder Horoskope aufs Handy schicken lassen konnte und was wohl nie richtig genutzt wurde (~ der letzte Menüeintrag bei den alten Nokia Handys). Diese Funktionalität direkt in der SIM-Karte wurde dann seinerzeit für die Bezahlfunktion umprogrammiert und in Kenia als M-Pesa eingesezt. Als Kunde musste man dafür seine SIM-Karte beim Servicecenter gegen eine mit so einem umprogrammierten Speicherbereich eintauschen. Trotzdem, und auch in Ermangelung sinnvoller Alternativen wurde M-Pesa alsbald so erfolgreich, dass Safaricom fortan den Markt damit beherrschte und das System (mit all seinen Sicherheitsrisiken) lange Zeit als Vorzeigesystem gehandelt wurde. Meine letzten Zahlen dazu stammen aus 2010 und waren Teil eines Vortrags über AfriGadget und die Techsphere in (Ost)Afrika beim Webmontag Frankfurt:


(ab Folienseite 68, btw – aktuellere Zahlen gibt es beim Vodafone Institute for Society and Communications in einem sehr schönen Report von Julia Manske. Interessant, und deshalb habe ich auf diese alten Folien verlinkt: das System war schon in 2010 komplett etabliert und sehr erfolgreich.)

Man darf auch nicht vergessen, dass vorher schon Prepaidguthaben (“airtime”) über USSD-Code zwischen den Handys verschickt werden konnte. Das ist etwas, was in Deutschland selbst bei virtuellen Anbietern (MVNO) wie Lycamobile nur ins Ausland möglich ist. Ich kenne die Gründe hierfür leider nicht, wahrscheinlich gibt es auch hier Sicherheitsbedenken oder andere, regulative Vorgaben.

Bänker aufwecken
Safaricom geriet seinerzeit völlig unvorbereitet in diese Rolle einer Bank, die sie mit ihrem System quasi über Nacht geworden waren. Selbstverständlich dient M-Pesa inzwischen auch als Kundenbindungsmaßnahme – einen besseren Grund gibt es wohl nicht, seinem Systemanbieter treu ergeben zu bleiben.

Die sehr einflussreiche und kundenstarke Equity Bank Kenya möchte ihren eigenen Anteil am großen Kuchen der Transaktionsgebühren haben und köderte ihre Kunden bisher über eine Zusammenarbeit mit einem anderen Mobilfunkanbieter, wo man eigene Bankingmöglichkeiten anbot. Inzwischen haben alle großen Mobilfunkanbieter in Kenia ihre eigenen mobilen Bezahl- und Sparsysteme am Markt. Alleine: man braucht für deren Nutzung jeweils eine eigene SIM-Karte. Wie überall auf der Welt, möchte man auch in Kenia seiner Mobilfunkrufnummer treu bleiben – die eigene Rufnummer ist auch immer ein Stück weit Identität; eine Individualisierungsoption, die auch an Apps wie WhatsApp gebunden ist.  Das ist dann mitunter auch ein Grund dafür, wieso Handys mit Dual-SIM-Funktionalität in diesen Ländern so populär sind (selbst die kostengünstigen China Androiden sind fast alles DualSim-Geräte).

Bei der Equity Bank ist man sich dieses Umstands natürlich bewusst und hat jetzt die Einführung eines neuen Systems (“Thin Sim”) angekündigt, das Geldgeschäfte über die Equity Bank mit jeder SIM-Karte erlauben soll. Technisch gesehen wird hier über die bereits existierende SIM-Karte eine nur 0,1mm dünne Folie geklebt, die die Kontakte der SIM-Karte durchschleift und über eine integrierte Schaltung den kompletten Datenverkehr zwischen der SIM-Karte und dem Handy kontrollieren und beeinflussen kann. Statt die Bezahlfunktion also in einem relativ gekapselten Bereich auf der SIM-Karte ablaufen zu lassen, wird diese Funktionalität im wahrsten Sinne des Wortes auf die SIM-Karte geklebt und dort abgewickelt.

Die Technik nennt sich auf Englisch “Overlay SIM” und wird hier mal am Beispiel des Anbieters BiBiTel demonstriert. Das System mit den SIM-Kartenadaptern kennen wir eigentlich auch schon seit einigen Jahren, beispielsweise als die ersten USA-iPhones noch über solche Adapterkarten freigeschaltet werden mussten oder eine Dual-SIM-Kartenfunktionalität über zwei zurechtgeschnittene SIM-Karten erreicht werden konnte, die dann beide in so einen SIM-Kartenadapter gesteckt wurden. Populär wurde dieses System mit den dünnen Klebefolien aber erst in China, wo es aufgrund unterschiedlicher Roaminggebühren für die verschiedenen Provinzen einen Bedarf zu mehr integrierten Systemen gab, so dass man auf Reisen nur noch ein Gerät mit einer SIM-Karte brauchte.

Die Equity Bank Kenya ist übrigens auch genau die Bank, die landesweit Filialen betreibt (wo die staatliche Bank kläglich versagt hatte) und deren Geschäftsführer in der Vergangenheit öfter nach England und die USA gereist sind, um die dortige Diaspora von Investitionen in Kenia zu überzeugen. Man versteht sich also auf Geldgeschäfte und möchte diese ganze Bandbreite an Remittanz-Zahlungen möglichst gewinnbringend bündeln. Geldtransfers in die Heimat also – das ist ein riesiger Geschäftsbereich, der margenintensiver erscheint als die Abwicklungen kleinerer, lokaler Zahlungen.

Vertrauen!
Die GSM Association (GSMA) ist sich dieser Technik der Overlay SIMs und der damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten natürlich bewusst, verlinkt online aber nur eine zweiseitige Sicherheitseinschätzung, die das System abstrakt beschreibt und mögliche Gefahrenquellen auflistet. Kurz: wer sich so eine Folie auf die SIM-Karte klebt, erweitert damit seine Risiken. Es wird allerdings auch auf den disruptiven Charakter dieses Systems hingewiesen, das tatsächlich den kompletten Funktionsumfang herkömmlicher SIM-Karten unterwandert und erweitert.

Möchte man vor diesem Hintergrund tatsächlich Bankgeschäfte über eine modifzierte SIM-Karte tätigen? Und auch dann, wenn die Kreditkartendaten beim Anbieter hinterlegt sind?

Mit der Sicherheit hat man es in Kenia mobilfunktechnisch noch nie so ernst genommen, insofern darf der technische Ansatz nicht wirklich verwundern. Fragwürdig erscheinen da jetzt eher die plötzlichen Nachfragen der kenianischen Parlamentsabgeordneten, die ein Mitspracherecht anzeigen (und damit eigentlich einen Anteil am Geschäft haben möchten).

Über den Einsatz dieser Technologie in Kenia wird wohl in den kommenden Tagen entschieden werden, und meine persönliche Einschätzung ist, dass es dann weniger um Risikobedenken gehen wird, sondern eher um eine Verteilungsgerechtigkeit.

Während wir uns hier also gerade an der Integration von NFC in den neuen iPhones erfreuen und endlich auf einen Durchbruch der Bezahlsysteme hoffen, wird die gesamte Bezahlthematik in anderen Ländern einfach mal komplett anders aufgezäumt: wenn das System ein Problem bereitet, hacken modifzieren wir es uns soweit, dass es passt. Hauptsache jeder bekommt seinen Anteil vom Kuchen.

Infopost

Infpost

Heute Morgen bekam ich Post von meiner Bank, die mir meine neue Magnetstreifenkarte als Infopost zugeschickt hatte. Die reinen Entgeltkosten für Infopost-Briefe betragen 0,28 EUR für den Absender und neben dem Frankierungscode befindet sich der Aufdruck “Infopost”. Dies ist natürlich günstiger als ein normaler Brief (0,60 EUR), wobei Großkunden sicherlich noch einen anderen Preis in Rechnung gestellt bekommen würden.

Für mich ist Infopost primär Werbung. Die Deutsche Post AG sieht das übrigens auch so (“Infopost national – effiziente Produktwerbung per Mailing“) und bewirbt diese Beförderungsmethode in Zeiten privater Konkurrenz auch dementsprechend intensiver. Aus sicherlich historischen Gründen ist es so, dass viele Empfänger den Schreiben mit einem “Infopost”-Aufdruck keine Priorität einräumen. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige Personen, die diese Schreiben ungeöffnet und ungelesen direkt wegwerfen. In Zeiten ungefragter Postwurfsendungen und einer Reizüberflutung durch Angebote ist dieses Vorgehen aus Kundensicht nur verständlich, wenngleich auch nicht sehr empfehlenswert. Ich kann daher nur dringend raten, jede persönlich adressierte Postsendung zu öffnen und den Inhalt zu beurteilen. Die Maxime bei vielen Unternehmen heißt doch immer wieder “Gewinnmaximierung durch Kostenreduzierung”, daher sollten sich auch die Verbraucher auf diesen Umstand einstellen. Auch wenn es eigentlich nicht ganz ok ist.

Wieso? Weil ich bei meiner Online-Recherche und der anschließenden Diskussion bei Twitter…

…auf einen Artikel bei der Wirtschaftswoche aus 2011 stieß, der genau diese neue Vermarktungsstrategie bei der Post hinterfragt:

Auch Datenschützern ist die Praxis ein Dorn im Auge. So verschickt die Postbank EC-Karten als Infopost und begründet dies mit „betriebswirtschaftlichen Entscheidungen“. Der zuständige Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) in Nordrhein-Westfalen macht dahinter große Fragezeichen. „Nach den Datensicherheitsanforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes sind Daten auf ihrem Transport vor unbefugtem Lesen zu schützen“, erklärte der LDI auf Anfrage der WirtschaftsWoche. „Dieser Sicherheitsanforderung würde bei dem Versand per Infopost möglicherweise nicht ausreichend entsprochen.“ Bei Bankdaten, wie sie regelmäßig auf einer Bankkarte aufgebracht sind, ist dies „besonders kritisch“. (Quelle)

Dieser Aussage zu Folge ist der Versand von solchen Karten also zumindest datensicherheitstechnisch noch nicht geklärt. Ich weiß allerdings nicht, wie es sich damit in 2014 verhält und ob hierfür inzwischen eine verbindlichere Aussage existiert. Wahrscheinlich ist es weiterhin so schwebend.

Weiterhin heißt es in dem Artikel übrigens:

Dass die Unternehmen und die Post dabei sowohl sich selbst als auch sich gegenseitig etwas vormachen, zeigt ein Blick in die Geschäftsbedingungen für die Infopost. Danach dürfen Post-Mitarbeiter Infopost-Briefe ausdrücklich öffnen, um die „Einhaltung der Inhaltsgleichheit zu überprüfen“ – ein absurder Passus bei Sendungen wie Versicherungskarten, die individueller nicht sein können. (Quelle)

Ich sehe die Ursache primär bei der Deutschen Post und ihrer Strategie, aber auch bei den Unternehmen, die sich mit solchen Methoden das Vertrauen der Kunden verspielen. Überhaupt, das Vertrauen. Können wir als Kunden den Unternehmen noch vertrauen?

Von der Deutschen Bahn erhielt ich meine aktuelle Bahncard letzens übrigens auch als Infopost. Seufz.