Better Call Saul & Breaking Bad

Vier Tage nach Erscheinen der letzten Folge von “Better Call Saul” habe ich mir in einer ruhigen Nacht das Ende dieser sehr gut gemachten Serie angeschaut und möchte dazu noch etwas aufschreiben, was mir jetzt dazu in den Sinn gekommen ist.

Wer Breaking Bad und Better Call Saul nicht kennt oder nicht zu Ende geschaut hat, dem möchte ich jetzt nicht zu viel verraten. Wer Breaking Bad gar nicht kennt: Dabei handelt es sich um eine Serie, in der ein krebskranker Chemielehrer mit Hilfe seines ehemaligen Schülers zum Hersteller einer Droge und später zu einem Drogenbaron wird. Begleitet wird er auf diesem Weg von allerlei zwielichtigen Gestalten, von denen einer ein Anwalt namens “Saul Goodman” ist. Saul Goodman im Sinne von “It’s all good, man”. Diese Figur war so erfolgreich und wurde so gut gespielt, dass sie nach dem Ende von Breaking Bad eine eigene Serie bekam, eine Prequel, die also vor allem zeitlich vor Breaking Bad und auch kurz danach spielt.

Ich bin gar kein großer Serienzuschauer und mir fehlt oft die Zeit oder die Geduld fürs Anschauen von Serien oder Filmen. Daher kann ich Breaking Bad und Better Call Saul gar nicht so mit anderen, ebenfalls großartigen Serien vergleichen. Vielleicht aber doch mit The Sopranos, in der ähnlich der Werdegang bzw. die Entwicklung einer Figur erzählt wird. Breaking Bad oder Better Call Saul wären ohne die Sopranos sicherlich nicht möglich gewesen.

Man schaut sich also das Ende der Serie an, ist einen kurzen Moment lang enttäuscht über das relativ flache, abrupte Ende und dass es das jetzt schon gewesen sein soll, aber dann fällt es einem später unter der Dusche oder bei der Hunderunde deutlich auf: Diese beiden Serien sind nicht nur wegen ihres hervorragenden Drehbuchs, des grandiosen Schauspiels, der hervorragenden Kameraführungen, Schnitte, Musik, Szenerie und des Humors (trotz des ernsten Themas) genial, sondern auch weil – VORSICHT, SPOILERALERT – bis zum Ende immer wieder das Kernthema herausgearbeitet und dargestellt wird. Nämlich dass beide Hauptcharaktere – Walter White in Breaking Bad und Jimmy McGill/Saul Goodman in Better Call Saul – es sehr genießen, an der Macht zu sein und Menschen beeinflussen zu können. Beide kommen von ganz unten: Eigentlich aus guter Vorbildung – Walter als ehemaliger Firmengründer und Jimmy mit erfolgreichem Anwaltsbruder – sind beide im Laufe ihres Lebens abgestürzt und gehen neben ihren Hauptjobs noch weiteren Nebentätigkeiten nach. Ihre beruflichen Erfolge im Laufe der Serien passen also nicht nur in die typisch US-amerikanische Narrative der Verlierer und Nebenjobber, die es immer wieder versuchen und am Ende für ihren Erfolg gefeiert werden, sondern sie beweisen auch immer wieder, dass sie einerseits sehr gut sind in dem was sie tun und andererseits, dass ihnen das auch sehr viel Freude bereitet. Das sagen sie sogar selber: Walter im Küchengespräch mit seiner Frau (“I did it for myself”), Jimmy vor Gericht (“Walter White couldn’t have done it without me”).

Und so verstehe ich auch beide Enden von Breaking Bad und Better Call Saul: Bis zum Schluss sind beide Charaktere Gewinner, obwohl sie eigentlich alles verloren haben, keine Freunde haben, die ehemaligen Feinde sind alle tot. Jeder zeigt auf seine Art und Weise, dass er es immer noch gut kann. Walter und Jimmy sind beides Manipulatoren, denen es nicht um das Strafmaß geht, sondern um den Deal, um das was sie bewirken können mit ihren Manipulationen.

Walter bringt am Ende von Breaking Bad alle verbliebenen Gangster um und befreit seinen dort gefangen gehaltenen Partner; Jimmy/Saul macht einen letzten Deal mit der Staatsanwaltschaft, weil Anwälte das so machen und er ein sehr guter Anwalt ist. Beide übernehmen am Ende ihrer Serien die Verantwortung für ihr Handeln und tragen die Konsequenzen. Das verwöhnt den Zuschauer, der nach Gerechtigkeit aus ist und bringt die Figur zu einem guten Abschluss. Aber im Grunde geht es wirklich immer nur darum, dass sie sehr gut in ihrem Job sind und es sehr genießen. Und das wird dann für den Zuschauer sehr deutlich.

Wann ist etwas perfekt? Für mich ist etwas dann perfekt, wenn man es nicht verändern möchte. Es muss nicht gut oder schlecht sein, es darf nur nicht den Wunsch entstehen lassen, dass man es anders haben möchte. Genau deswegen sind beide Serien für mich perfekt, mit 10 von 10 Punkten bei imdb.com, weil sie so wie sie sind genau ausreichen und der Zuschauer dann später noch mitfühlt und das Internet volltextet, weil es so eine gute Serie ist. Wann schreibt man das mal über Charaktere in Büchern? Eher selten, oder? Aber diese Serien, sie sind so gut gemacht, das Zuschauen fühlt sich wie ein sinnvolle Zeitinvestition an und das will schon etwas heißen in unserer Aufmerksamkeitsökonomie.

Für mich sind Breaking Bad und Better Call Saul die besten Serien seit vielleicht den Sopranos und ich finde es alleine schon genial, wie gut verschiedene Charaktere, Welten, Berufe in diesen beiden Serien schamlos dargestellt und durchlitten werden. Das könnte alles so weitergehen, es könnte auch NOCH langatmiger sein wie beim oberlangweiligen “EL CHAPO” (ebenfalls auf Netflix), das im Gegensatz zu Narcos Mexico für den mexikanischen Markt produziert wurde und eher wie eine Telenovela daherkommt. Aber es muss nicht. Alles in Better Call Saul ist so wie es sein soll und ich bin sehr zufrieden, dass diese Serie zu so einem guten Ende gekommen ist, dass man damit gut abschließen kann.

Jetzt freue ich schon auf die nächste Serie dieses Produzenten / Drehbuchautoren und auf weitere Filme/Serien mit den bisherigen Darstellern. Bob Odenkirk war in Nobody zumindest schon sehr unterhaltsam, auch wenn der Film eigentlich nur aus ein, zwei guten Szenen besteht und der Rest eher pubertäre Zuschauer bedienen soll. Aber vielleicht kommt da ja noch mehr, und natürlich wird man bei Bob Odenkirk und Bryan Cranston immer auch ihre BB & BCS Charaktere sehen, so wie der großartige James Gandolfini oft auch nur auf die Sopranos reduziert wurde. Vielleicht erkennt man daran aber auch die Großartigkeit einer Serie.

 

Author: jke

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