Infopost

Infpost

Heu­te Mor­gen bekam ich Post von mei­ner Bank, die mir mei­ne neue Magnet­strei­fen­kar­te als Info­post zuge­schickt hat­te. Die rei­nen Ent­gelt­kos­ten für Info­post-Brie­fe betra­gen 0,28 EUR für den Absen­der und neben dem Fran­kie­rungs­code befin­det sich der Auf­druck “Info­post”. Dies ist natür­lich güns­ti­ger als ein nor­ma­ler Brief (0,60 EUR), wobei Groß­kun­den sicher­lich noch einen ande­ren Preis in Rech­nung gestellt bekom­men würden.

Für mich ist Info­post pri­mär Wer­bung. Die Deut­sche Post AG sieht das übri­gens auch so (“Info­post natio­nal — effi­zi­en­te Pro­dukt­wer­bung per Mai­ling”) und bewirbt die­se Beför­de­rungs­me­tho­de in Zei­ten pri­va­ter Kon­kur­renz auch dem­entspre­chend inten­si­ver. Aus sicher­lich his­to­ri­schen Grün­den ist es so, dass vie­le Emp­fän­ger den Schrei­ben mit einem “Infopost”-Aufdruck kei­ne Prio­ri­tät ein­räu­men. Ich ken­ne in mei­nem Bekann­ten­kreis eini­ge Per­so­nen, die die­se Schrei­ben unge­öff­net und unge­le­sen direkt weg­wer­fen. In Zei­ten unge­frag­ter Post­wurf­sen­dun­gen und einer Reiz­über­flu­tung durch Ange­bo­te ist die­ses Vor­ge­hen aus Kun­den­sicht nur ver­ständ­lich, wenn­gleich auch nicht sehr emp­feh­lens­wert. Ich kann daher nur drin­gend raten, jede per­sön­lich adres­sier­te Post­sen­dung zu öff­nen und den Inhalt zu beur­tei­len. Die Maxi­me bei vie­len Unter­neh­men heißt doch immer wie­der “Gewinn­ma­xi­mie­rung durch Kos­ten­re­du­zie­rung”, daher soll­ten sich auch die Ver­brau­cher auf die­sen Umstand ein­stel­len. Auch wenn es eigent­lich nicht ganz ok ist.

Wie­so? Weil ich bei mei­ner Online-Recher­che und der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on bei Twitter…

…auf einen Arti­kel bei der Wirt­schafts­wo­che aus 2011 stieß, der genau die­se neue Ver­mark­tungs­stra­te­gie bei der Post hinterfragt:

Auch Daten­schüt­zern ist die Pra­xis ein Dorn im Auge. So ver­schickt die Post­bank EC-Kar­ten als Info­post und begrün­det dies mit „betriebs­wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dun­gen“. Der zustän­di­ge Lan­des­be­auf­trag­te für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­frei­heit (LDI) in Nord­rhein-West­fa­len macht dahin­ter gro­ße Fra­ge­zei­chen. „Nach den Daten­si­cher­heits­an­for­de­run­gen des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes sind Daten auf ihrem Trans­port vor unbe­fug­tem Lesen zu schüt­zen“, erklär­te der LDI auf Anfra­ge der Wirt­schafts­Wo­che. „Die­ser Sicher­heits­an­for­de­rung wür­de bei dem Ver­sand per Info­post mög­li­cher­wei­se nicht aus­rei­chend ent­spro­chen.“ Bei Bank­da­ten, wie sie regel­mä­ßig auf einer Bank­kar­te auf­ge­bracht sind, ist dies „beson­ders kri­tisch“. (Quel­le)

Die­ser Aus­sa­ge zu Fol­ge ist der Ver­sand von sol­chen Kar­ten also zumin­dest daten­si­cher­heits­tech­nisch noch nicht geklärt. Ich weiß aller­dings nicht, wie es sich damit in 2014 ver­hält und ob hier­für inzwi­schen eine ver­bind­li­che­re Aus­sa­ge exis­tiert. Wahr­schein­lich ist es wei­ter­hin so schwebend.

Wei­ter­hin heißt es in dem Arti­kel übrigens:

Dass die Unter­neh­men und die Post dabei sowohl sich selbst als auch sich gegen­sei­tig etwas vor­ma­chen, zeigt ein Blick in die Geschäfts­be­din­gun­gen für die Info­post. Danach dür­fen Post-Mit­ar­bei­ter Info­post-Brie­fe aus­drück­lich öff­nen, um die „Ein­hal­tung der Inhalts­gleich­heit zu über­prü­fen“ – ein absur­der Pas­sus bei Sen­dun­gen wie Ver­si­che­rungs­kar­ten, die indi­vi­du­el­ler nicht sein kön­nen. (Quel­le)

Ich sehe die Ursa­che pri­mär bei der Deut­schen Post und ihrer Stra­te­gie, aber auch bei den Unter­neh­men, die sich mit sol­chen Metho­den das Ver­trau­en der Kun­den ver­spie­len. Über­haupt, das Ver­trau­en. Kön­nen wir als Kun­den den Unter­neh­men noch vertrauen?

Von der Deut­schen Bahn erhielt ich mei­ne aktu­el­le Bahn­card let­zens übri­gens auch als Info­post. Seufz.