aufm Schrottplatz

Eines mei­ner liebs­ten Hob­bies ist das Her­um­stö­bern auf Schrottplätzen.

In die­sem Fall ging es um eine “neue” Blen­de für das Hei­zungs-Bedien­teil in mei­nem alten Golf 2 — der Ein­bre­cher von Sams­tag Nacht war nicht gera­de sorg­fäl­tig mit dem Arma­tu­ren­brett umge­gan­gen und hat­te im Zuge des gewalt­sa­men Aus­baus eini­ge Krat­zer & Del­len hin­ter­las­sen. Da ich eh grad unter­wegs war, kam der Besuch aufm Schrott­platz sehr gele­gen — auch wenn ich mich jedes Mal über die­sen Muf­fel auf­re­ge, der den Schrott­platz lei­tet. Anschei­nend hat er jeden Tag mit Rand­grup­pen zu tun, so daß Wor­te wie Kun­den­freund­lich­keit, Lächeln oder Aus­kunfts­wil­lig­keit Fremd­wor­te sind. Aber nicht ärgern, nur wun­dern — was ich brau­che fin­de ich eh alleine.
Zwi­schen all den ver­beul­ten, zer­quetsch­ten Unfall­wa­gen, bei denen man sich immer wie­der fragt ob das jemand über­lebt haben kann, fin­det man gele­gent­lich auch inter­es­san­te Details. Abge­se­hen von teil­wei­se hoch­wer­ti­gen Innen­ein­rich­tun­gen, für die ande­re im Sam­mel­su­ri­um Ebay ein klei­nes Ver­mö­gen hin­blät­tern, lie­gen in den aus­ran­gier­ten Autos neben den typ­si­chen Auto­ex­tras (Warn­drei­eck, Werk­zeug — hal­lo, das kos­tet doch Geld?!) oft noch per­sön­li­che Gegen­stän­de, Geld oder auch Fotos der Besit­zer. Und es nicht so, dass man expli­zit und fast schon voy­eu­ris­tisch danach sucht — meis­tens waren schon ande­re Schrott­platz­stö­be­rer am Werk und haben dann das gesuch­te Bau­teil quer durch den Innen­raum ver­teilt. Es hat nen biß­chen was von Oster­ei­er suchen, oder auch Pil­ze sam­meln. Mal hat man Glück und fin­det sofort was man braucht, aber oft sind die begehr­ten Tei­le alle schon ent­wen­det und/oder irgend­wie ver­steckt worden.

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An den getun­ten und geschrot­te­ten Proll­kut­schen aka Eier­schau­keln aka tie­fer­ge­leg­ten Polos und Golfs erkennt man dann aber doch sehr schnell, dass wir uns hier immer noch auf dem Land befin­den. Nach­dem ich schon Schrott­plät­ze in Bre­men und Frei­burg (als Städ­te, zum Ver­gleich) ken­nen­ge­lernt habe, fin­de ich es immer wie­der amü­sant, wie sehr die­ses Hob­by des Auto­tu­nings vor allem bei der Land­be­völ­ke­rung zu fin­den ist. Manch­mal habe ich das Gefühl, dass wir hier in Dland in so einer Art Opti­mie­rungs­ge­sell­schaft leben — Men­schen, die schon alles haben und inner­halb eines bestimm­ten Maß­stabs ihre Häu­ser, Autos und Ein­rich­tun­gen immer wei­ter opti­mie­ren. Mich irri­tiert das immer ein wenig, da ich bei all die­sen Aktio­nen immer wie­der die Krea­ti­vi­tät ver­mis­se. Sogar die Com­pu­ter wer­den nach einem bestimm­ten Mus­ter “geca­se­mod­ded” — an sich ne sehr gei­le Sache — nur wird hier­für auch oft nur auf fer­ti­ge Bau­tei­le zurück­ge­grif­fen. So auch mit den getun­ten Autos — die tie­fer­ge­leg­ten, ver­brei­ter­ten, ver­spoi­ler­ten Kar­ren sehen für mich aus der Fer­ne immer wie­der gleich aus. Ob nun Cha­maelon­lack, “böser Blick” oder Tri­balta­too-Mus­ter auf der C‑Säule — es nimmt sich nicht viel (an Krea­ti­vi­tät). Das mei­ne ich mit Maß­stab — sie möch­ten sich durch ein eige­nes Design von der Mas­se abhe­ben, bedie­nen sich dann aber an Stan­dard­ele­men­ten und ‑bau­tei­len, die wenig eige­nes Design erken­nen las­sen. Schade.

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Und der krö­nen­de Abschluss der Such­ak­ti­on ist dann fol­gen­der Fund: eine selbst­ge­brann­te CD von.…naaa? Rich­tig! Den Onkelz.

Ich mei­ne, das hät­te ja schließ­lich auch ne Best of Feten­hits oder noch schlim­mer: von PUR sein können.

(Note to mys­elf: 5 Jah­re aufm Land rei­chen, lie­ber JKE — über­leg Dir mal sehr genau, wo Du danach hin­zie­hen möchtest.)

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