kawia ufike (better late than never)

Ich bin ein gro­ßer Fan von Kis­wa­hi­li-Sprich­wör­tern oder auch wie es in mei­nem Gikuyu-Pro­verbs Büch­lein heißt:
“He who speaks by pro­verbs, knows the lan­guage”.

Dem­entspre­chend habe ich alle mei­ne Domains auch mit Wor­ten aus dem ost­afri­ka­ni­schen Sprach­raum belegt, weil sie irgend­wie viel schö­ner und ele­gan­ter klin­gen als eine schrof­fe vorname-nachname.de Domain [note to Zwie­bel­fisch: es heißt DIE Domain] UND für mei­nen Begriff von Cool­ness ganz weit vor­ne stehen:

1. Kikuyumoja.de war damals die ers­te Domain. JESSAS! Erklärt das mal jeman­dem.  Wasn des fürn Name? Kii-kuh-ju-moooooooh-jaaaaa?  — Nein, es wird  [Kii-kuh-juu-moh-dschah] aus­ge­spro­chen. Es heißt ja auch nicht [Aaaaafriikaaaaaa]. — Aha. Und was heißt des? — Och, das is nur nen Name.…mein Name. — ah ja…

2. Dann kam uhuru.de dazu. DIE SCHLIMMSTE DOMAIN ÜBERHAUPT! => “Uhu…was?” — ja, also mei­ne e‑mail Adres­se lau­tet J‑U-E-R-G-E‑N…mit UE.…ätt und dann  U‑H-U-R‑U  Punkt D‑E. Das ist Kis­wa­hi­li und steht für Frei­heit. — Ja ich ken­ne es irgendwoher.…hier: StarT­rääk, heißt da die eine auch nich so ähn­lich? — Kei­ne Ahnung.
Nach all den Jah­ren habe ich mich mitt­ler­wei­le bes­tens an die­se Domain und auch an die Schreib­wei­se gewöhnt. Die drei Us glei­ten mir von den Fin­gern und es schreibt sich wun­der­bar. Ich kann sie jedoch kaum aktiv gebrau­chen, da die Leu­te da drau­ßen a) nix damit anfan­gen kön­nen und b) bei den drei Us nur Bahn­hof ver­ste­hen. Dabei hat Ebay.de auch als Alando.de ange­fan­gen — drei Voka­le und sogar ein Kon­so­nant mehr.
Irgend­wie habe ich die Domain trotz­dem als die aktivs­te verwendet.
I thought about chan­ging this in future.
Haia…dabei steht das Wort sogar in WIKIPEDIA!

3. Nach Uhu­ru kam natür­lich Umoja.de, weil das irgend­wie pass­te und dann auch noch an dumi­sha uhu­ru na umoja (ewi­ge Frei­heit und Einigkeit/Einheit) erin­ner­te. Spä­ter dann fand ich her­aus, dass es eine Reg­gae-Band glei­chen Namens gibt, aller­dings statt mit “J” ein “Y”.
Es folg­te ein net­ter E‑Mail Aus­tausch mit ihnen, ein Link auf mei­ner dama­li­gen Web­site zu umoYa.de und als Dan­ke­schön erhielt ich sogar eine aktu­el­le CD mit Video­tra­ck. Style!

4. Im Jah­re 1999 such­ten KP und ich eine pas­sen­de Domain für unser B2B-Pro­jekt und ich schlug unter ande­rem amani.de vor, weil es eben­falls ein schö­nes Wort mit schö­ner Bedeu­tung ist (=Frie­den), eben­falls mit “a” anfängt und ähn­lich ein­präg­sam wie alando.de sein soll­te. KP mie­te­te die Domain auf sei­nen Namen und jetzt sehe ich gera­de, dass sie bei sedo.de zum Ver­kauf steht.

5. Was wäre ein gepfleg­tes Nya­ma­Cho­ma  (thx 4 the link, Bw Wane­ne!) ohne das pas­sen­de Bier? Eat, Drink, Man, Woman…dach­te ich fort­an, und so um 1999 rum gab es nicht vie­le Sei­ten im Netz, die sich mit dem The­ma Ost­afri­ka befass­ten. Die kenia­ni­schen Stu­den­ten in den USA & UK ver­sam­mel­ten sich in dem immer noch akti­ven RCB-Forum (wo es jetzt sogar ein SUKUMA WIKI gibt!!!), es gab kaum Infos zum The­ma Kenia, außer ein paar deutsch­spra­chi­ge Sei­ten, die sich haupt­säch­lich mit Kenia als Tou­ris­ten­ziel annahmen.
Heu­te, 5–6 Jah­re spä­ter gibt es eine Men­ge Kenya-rela­ted links im Web, es ver­geht kein Monat, in dem mir mei­ne Quel­len kei­nen Link zum The­ma schi­cken und die blogs sprie­ßen wie Pil­ze aus dem Boden. Der sog. Demo­kra­ti­sie­rungs­pro­zess in Kenia hat auch eine unglaub­li­che Online-Viel­falt her­vor­ge­bracht, was auch an der rela­ti­ven gro­ßen Zahl der Han­dy­u­ser im Lan­de sehr deut­lich wird. Noch vor 7 Jah­ren gab es nur ein ver­al­te­tes (ETACS) Netz für maxi­mal 2000 Benut­zer, und heu­te kon­ku­rie­ren die pri­va­ten GSM Betrei­ber unter­ein­an­der und der tech­ni­sche Stan­dard scheint im Detail sogar bes­ser als in good old Euro­pe zu sein. Awesome!
Kon­sum beherrscht also das Land, und das ehe­mals belä­chel­te Ein­kaufs­zen­trum gegen­über der deut­schen Schu­le in Nai­ro­bi hat sich wohl zum größ­ten und begehr­tes­ten EKZ von ganz Ost­afri­ka entwickelt.
Und was ist mit dem Bier? Fast jeder Tou­rist kennt die Bier­mar­ke der ältes­ten ein­hei­mi­schen Braue­rei vor Ort (die inzwi­schen auf­ge­kauft wur­de), das TUSKER Bier. Die “tusks”, das sind die Stoß­zäh­ne des Ele­fan­ten — als Logo aufm Eti­kett. Nun, als ich ~1999 die Domain tusker.de anmie­te­te, gab es im Inter­net NIX über Tus­ker zu fin­den. Nix, nada, not­hing. Gut, dach­te ich mir, dann wird es Zeit dafür.
Ich scann­te die Eti­ket­ten ein, bear­bei­te­te alles digi­tal und stell­te die Bil­der­chen auf mei­ner dama­li­gen Web­site online. Kur­ze Zeit spä­ter fand ich sie an diver­sen Stel­len des Net­zes wie­der (mit mei­nen Bear­bei­tungs­feh­lern) — kopiert, ver­wen­det, etc. — schön.
Es folg­te eine rei­ne tri­bu­te Sei­te unter tusker.de, auf der eigent­lich nur das alte Logo der Mar­ke und nen bekann­ter Spruch stand (Baa­da ya kazi, ni waka­ti wa Tus­ker — nach der Arbeit ist es Zeit für ein Tus­ker). Die Sei­te wur­de den stats zu Fol­ge oft aufgerufen.
Irgend­wie muss es in Dland aber auch eine Fir­ma geben, die unter den Namen Tus­ker Unterwäsche/Jagdbekleidung her­stellt. Es kamen über die Jah­re (!) die selt­sams­ten Anfra­gen via e‑mail, dass ich doch bit­te “sofort (den) aktu­el­len Kata­log zuschi­cken” sol­le usw. Dabei stand für den auf­merk­sa­men Leser im Quell­text der Sei­te der Hin­weis, dass es sich bei tusker.de um eine rei­ne tri­bu­te-site han­de­le, und es dem­entspre­chend nix zu bestel­len gäbe. Doooooh.…
Irgend­wann im Jah­re 2002 dann kam die Anfra­ge von einer Agen­tur, ob die Domain zu haben sei. Es gäbe da einen Film names “Tus­ker” aus Hol­ly­wood, der in pre-pro­duc­tion sei und man wol­le jetzt die Domains klar­ma­chen. Gut. Klar. Geld, das nur so rum­liegt und nicht arbei­tet, bringt nix. Ich = armer Stu­dent = kann mir die­sen Domain­spaß eh nicht leisten.….Es kam ein Ange­bot über 500,- DM und mei­ne Ableh­nung, und seit­dem habe ich nie wie­der etwas davon gehört (der Film stand tat­säch­lich bei IMDB drin, ist aber wohl gecan­cellt oder umbe­nannt wor­den — immer­hin mit Mor­gan Free­man in der Haupt­rol­le / als Spre­cher / Zei­chen­trick­film). Irgend­wann kurz dar­auf mie­te­te ich mir noch tusker.info dazu und vor kur­zem dann konn­te ich mich end­lich dazu durch­rin­gen, die domains eben­falls bei sedo.de reinzustellen.

6. Old­on­yo Len­gai — der Berg des (Maasai)Gottes — welch schö­ne Wor­te! Nani hat­te das sehr wohl erkannt und ihren Sohn ent­spre­chend benannt, und ich nahm mir vor, die­sen wun­der­ba­ren Namen “Len­gai” als DIE Domain zu ver­wen­den. Ich mie­te­te die .de Vari­an­te, und dann kamen auch noch .com/.net/.org dazu. Die­se Domain wird Uhu­ru irgend­wann ablö­sen (damals, als ich noch die dsnairobi.de Sei­ten betreut habe, hat­te ich ja extra die neue Domain für die Schu­le gemie­tet, um von dsn.uhuru.de und damit vom Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Uhu­ru Ken­yat­ta weg­zu­kom­men — weil das so gewünscht wur­de von der Schule).
Irgend­wann letz­tens gab es mal wie­der eine “wir geben ihnen die Domain kos­ten­los dazu” Akti­on bei 1&1, so daß ich mir auch noch oldonyo.de klar­ma­chen muss­te. Haia.…

 

Und wie­so schrei­be ich das alles????

Weil ich heu­te abend bei EBAY eine Mel­dung  las, dass man

 

K I J I J I .de/.com

über­nom­men habe.

WHAT?! Kiji­ji????? Das ist doch Kis­wa­hi­li und heißt so viel wie “Dorf”.….auf jeden! Genau das steht auch bei kijiji.de — und genau da wuss­te ich dann, dass die Idee mit den kis­wa­hi­li Domains gar nicht mal so ver­kehrt war.

 

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