SCHULD ist so ein Wort in Deutschland, das ich gerne mal mindestens ein Jahr lang nicht in den deutschen Medien lesen möchte.
Category: thoughts
Entdecke die Möglichkeiten
“Das Web ist ein Werkzeug, mit dem Millionen Menschen eine regelmäßige und sinnvolle Tätigkeit simulieren. Die von der Bundesregierung ermittelte, durch das Web verlorene echte Arbeitszeit von zwei Jahren pro Person wurde kürzlich hinten drangehängt.
Weblogs (auch: Blogs) sind einfache elektronische Publikationssysteme, die von der CIA entwickelt wurden. Weblogs geben Bürgern das Gefühl etwas zu sagen zu haben und verhindern dadurch möglicherweise störende, tatsächliche Aktivitäten. Weblogs sind das digitale Equivalent zum Demonstrationsrecht. (Quelle)”
…so heißt es ironischerweise beim Johnny in einem Artikel, der die schöne bunte 2.0 Welt im Web dem interessierten Leser näherbringen will.
Man kann sich das ruhig mehrmals durchlesen.
Viele Blogs im deutschsprachigen Internet, so erscheint es mir zumindest, haben sich auf das Zusammentragen von Online Informationen spezialisiert. Informationen, die nur in dieser virtuellen Online Welt existieren und von Interesse sind.
Als Beispiel sei hier die Berichterstattung über neue Web 2.0 Dienste genannt – z.B. über neue Plugins für WordPress (s.u.), wenn Flickr mal wieder nen Schluckauf hat oder dass SonyEricsson in Second Life einen Cebit Stand eröffnet.
Für Geeks ist das schon sehr sexy.
Nur: es hat in der realen Welt da draußen eine eher geringe Bedeutung.
Dass es auch anders geht, zeigt Reuters auf seiner überarbeiteten Website.

Mein Kumpel Mentalacrobatics aus Nairobi erwähnte es bereits letzte Woche: Reuters setzt ab sofort auf seinen Länderseiten im neu überarbeiteten Afrika-Portal auf Bloginhalte, die bei GlobalVoicesOnline zusammengetragen und von Autoren freiwillig aufbereitet werden. Bloginhalte von lokalen Blogs, wie sie z.B. hier auch im Kenianischen Blogwebring zu finden sind.
Freilich, Kenia ist nicht Deutschland, es gibt dort nur zwei bedeutende und einige unbedeutende Tageszeitungen; in Kenia gibt es keine taz und Meldungen, die in Dland wohl eher von Praktikanten zusammengeschustert werden, müssen dort vom Agenturticker 1:1 übernommen werden. Insofern ist man dort auf die Berichterstattung durch Blogger viel mehr angewiesen als hierzulande, wo Blogs wohl eher der Unterhaltung dienen.
Kenia an dieser Stelle auch nur als Beispiel – es gibt sicherlich noch viele andere Länder, in denen es mit der Presse- und Meinungsfreiheit nicht so rosig ausschaut, und in denen Blogs als eine der wenigen repräsentative(re)n Quellen angesehen werden können.
Reuters hat dies verstanden, und nutzt seitdem Blogs als zusätzliche Infoquelle.
Beim Hash von WhiteAfrican wird zur Zeit wieder über ein Mobilfunk Community Projekt in Afrika nachgedacht, bei dem über SMS als möglichen Kommunikationskanal die Menschen auf einem lokalen Weg erreicht und angesprochen werden können.
Hash trat mit dieser an sich sehr interessanten Idee vor einigen Monaten an die Öffentlichkeit und warf es so in die Blogosphere – wobei auch er (wie ich) in dem kenianischen Blogwebring verlinkt ist. Die Verlinkung bedeutet übrigens auch die Einbindung von Bloginhalten in Feeds, so daß täglich eine recht breite Masse von Lesern mit den Inhalten der kenianischen Blogosphere rein visuell konfrontiert wird.
Das interessante an dieser Diskussion, und wieso ich es überhaupt erwähne, ist die Tatsache, dass auf einmal so richtig deutlich wird, wie sehr dieses Bild von “Afrika” fälschlicherweise in den Köpfen der Leute steckt – und wie sehr von außen von einer Einheit ausgegangen wird.
Gut, wir kennen das von der USAmerikanern, die uns hier in Deutschland auch als Teil von Europa sehen, als Teil einer Einheit die wir selber gar nicht so aktiv wahrnehmen.
Im Vergleich zu den afrikanischen Ländern sind wir aber in Europa auch einheitlicher organisiert – alleine wegen des Euros und der Gesetzgebungsrichtlinien durch die europäische Kommission. Gibt es ja alles nicht bei der noch recht jungen Afrikanischen Union.
Das ist dann mitunter einer der Gründe, wieso interessante Web 2.0 Projekte wie Muti aus Südafrika in einigen westafrikanischen, frankophonen Ländern überhaupt nicht bekannt sind: nicht nur wegen der sprachlichen Unterschiede (wenn man von nationalen Sprachen ausgeht, sind wir im vereinigten Europa schon mehrsprachiger, oder?) oder technischer Zugangsschwierigkeiten, sondern weil es unterschiedliche Welten sind, die einander vorbeileben.
Dabei hat sich in den letzten Jahren das Handy als Endgerät in den meisten afrikanischen Ländern als DIE Kommunikationsplattform entwickelt. Das ist ein Prozess und eine Geschwindigkeit, wie sie keiner so schnell erahnt hätte.
Der Unterschied zu einem anderen schnell wachsenden Markt wie Indien oder China besteht dann darin, dass diese beiden Länder, gleichwohl sie als Subkontinente betrachtet werden dürfen, vergleichsweise homogener auftreten.
Es muss also an dieser Stelle die Frage gestellt werden, ob der Mobilfunksektor in Zukunft eine DER neuen Völkerverbindenden Möglichkeiten darstellt, mit dessen Hilfe einzelne Länder, oder auch Völkergruppen innerhalb einzelner Länder zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden können.
Ich nehme an, dass der Mobilfunk jetzt schon dort Brücken schlägt, wo es bis vor einiger Zeit noch keine Kommunikation gab, und so auch keinen gesellschaftlichen Fortschritt hin zu mehr Einheit.
Und das – diese Völkerverständigung durch neue Technologien – finde ich dann wieder gut an Web 2.0 & all dem Schnickschnack.
Hochglanzbroschüren
Es zieht irgendwie alles an mir vorbei.
Die Berichte in den Medien über alternde Radsportler; wieder mal ein ermordetes Kind, verscharrt irgendwo da draußen im Wald; die OSCAR Verleihungen in den USA mit unwichtigen Infos; die üblichen politischen Sticheleien im Inland; Studien und Umfragen zu diversen Themen; Sportnachrichten; etc..
Einzig das plötzlich aufkommende Interesse am Klimawandel, der Vermarktungswert ökologischer Konzepte, die plötzlich wie Pilze aus dem Boden schiessen, vermag mich noch aus der Reserve zu locken.
Als ich vor drei Wochen an der Tankstelle mit der EC-Karte bezahlen wollte, hatte ich richtige Schwierigkeiten, mich an meine PINummer zu erinnern.
Ich glaube es war mal Esther Dyson, die vor einigen Jahren in der BrandEins in einem Interview von sich gab, sie wäre erst dann richtig erholt – an den Wochenenden, wenn sie mit ihrem Mann wandern geht – wenn sie am Montag morgen ihre PINs vergessen hat. Recht hat sie.
Die Umstellung zwischen den Welten habe ich schon sehr oft erlebt. Zwischen Kenia und Deutschland liegen nicht nur 6600 km, sondern auch viele kleine Details, deren Existenz erst bei näherer Betrachtung erkennbar wird.
Wenn ich am Flughafen stehe und die Unmengen von Zeitschriften sehe, im Flugzeug den Verpackungsmüll, gehetzte Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben – all das gibt es mittlerweile an jedem Ort der Welt.
Aber nicht überall wird damit auf gleicher Art und Weise umgegangen.
Wenn man in Deutschland aufwächst, lernt man schnell, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen. In Kenia war das früher nicht der Fall.
In einem Land, in dem es vergleichsweise wenige Fernsehsender gibt, in dem Bücher immer noch sündhaft teuer sind und die Tageszeitungen gleich mehrfach von verschiedenen Personen gelesen werden, in dem der Internetzugang aufgrund mangelnder Infrastruktur und Hardware in den meisten Haushalten noch keine Realität ist, wo Wasser nicht aus der Leitung, sondern vor allem aus einem Wassertank vom Dach des Hauses kommt, die Benutzung von öffentlichen Toiletten Geld kostet und jeden Tag mit einem Stromausfall gerechnet werden muss – in so einem Land mag das Thema Reizüberflutung höchstens in Verbindung mit nervigen Verkäufern gebracht werden, die einem als Europäer irgendwelche Holzschnitzereien oder Batiktücher verkaufen wollen.
Ich sehe also die Zeitschriften, und denke mir: machen sich die Kunden eigentlich Gedanken um die Ökobilanz? Wieviel Wasser wurde für den Herstellungsprozess verunreinigt und ungereinigt in die Natur abgelassen? Was passiert mit all dem Kerosin, welches täglich verflogen wird? Was passiert mit dem Verpackungsmüll aus dem Flugzeug?
In Deutschland wird dieser Müll entsorgt. Ent-sorgt. So wie “sich der Sorge darum entledigen”. Der Müll wird vielleicht noch sortiert und teilweise wiederverwendet, der Rest wird verbrannt und zur Energieerzeugung verwendet.
Und in Kenia? In Kenia wird dieser Müll auf eine Halde geworfen, von Menschen nach brauchbarem Material durchsucht und dann verbrannt. Ohne Energieerzeugung.
“Ha!”, mag man sich denken, nicht nur in Kenia. Freilich nicht nur dort. Wir schauen kurz nach Osteuropa und sehen das Chaos vor der Tür. Tja…
Letztens erzählte mir ein ehemaliger Kommilitone, wie er als Ingenieur für die kenianische National Environment Management Authority (NEMA) kurz vor Weihnachten sechs Betriebe schließen lassen musste. Die Chinesen brauchen Rohstoffe, ganz China will sich motorisieren, und so wird alles aufgekauft was sich irgendwie wiederverwenden lässt. So auch das Blei in den Autobatterien.
“Wir brauchen eine flüssigkeitsdichte Fahrbahn”, wurde mir damals in der Ausbildung zum Mineralölkaufmann gesagt, “das ist jetzt Vorschrift an den Tankstellen”.
Ah ja. So etwas haben die Betriebe natürlich nicht in Kenia. Autobatterien werden dort irgendwo in einem Hinterhof zerpflückt, das Blei herausgenommen, und jegliche Flüssigkeit irgendwohin geschüttet. Ein Teil verdunstet, der Rest fliesst oberirdisch ins nächste Gewässer oder versickert. Stört ja keinen. Außer der NEMA, die dem bunten Treiben jetzt einen Riegel vorgeschoben hat.
Aber wieso stört das niemanden?
Weil die Menschen nicht mit diesem Umweltbewusstsein aufwachsen, weil sie früher organischen Müll gewohnt waren, der irgendwo verroten konnte, und weil sie täglich damit beschäftigt sind, zu überleben.
Wenn man täglich ums Überleben kämpfen muss, ist es einem sehr egal, ob die Batterien mit ihren Schwermetallanteilen irgendwo auf einer Halde, oder aber in der nächsten Toilette verschwinden. Genau wie in Deutschland entledigt man sich dieser Sorge. Soll sich doch jemand drum kümmern der Ahnung davon hat!

Müllhalde bei Nairobi – direkt hinter dem Kasarani Stadium (im Norden erkennbar), wo letzten das tolle Weltsozialforum stattgefunden hat…
Als ich in meiner Tätigkeit als “technischer Berater” den Chef des Regionalbüros bat, dass wir die Batterien in Zukunft getrennt sammeln und nicht mit ins wöchentliche Feuer im Hinterhof werfen, schaute er mich nur unverständlich an. “Aber was sollen wir denn sonst mit denen machen?”, frug er mich. “Ich weiß es nicht”, entgegnete ich ihm, “aber jedenfalls nicht mit ins Feuer werfen, dass dann beim nächsten Regen alle Schadstoffe ins Grundwasser gespült werden.”
Sein Job beinhaltet unter anderem viel Aufklärungsarbeit. So weisst er die Siedler an den Flussläufen an, ihre Toiletten nicht unmittelbar neben einem Gewässer zu errichten. Das mit den Batterien war ihm allerdings neu.
Mein ehemaliger Kommilitone bei der NEMA versteht diese Problematik nur zu gut – sind es doch seine Leute, denen er hier Chancen aus umweltschutztechnischen (sp?) Gründen verwehren muss, die ihnen sonst eine Möglichkeit zu einem Herauskommen aus ihrem Dasein bieten. Die Autobatterieverwerter haben ihre Tätigkeit natürlich innerhalb kürzester Zeit wieder aufgenommen. Es stört ja sonst keinen, und Kontrollen sind nicht immer möglich.
Aus diesem Grund, weil eine Problematik mit der anderen zusammenhängt, werden irgendwo in den Steuerzentralen dieser Welt Papiere zusammengeschrieben, in denen Schlagworte wie poverty, NGO, waste management, gender, HIV, etc. treffend die vorherrschenden Rahmenbedingungen beschreiben. Wie schön.
Es wird dann irgendwo eine Konferenz einberufen, irgendwelche Experten fliegen für viel Geld und Müll (Kerosin, Verpackungsmüll) in ein tolles Land, wohnen exklusiv in einem sündhaft teuren Hotel, referieren über ihr Lieblingsthema mit einem MSc. in der Tasche und reisen dann wieder mit einem Konzept ab. Irgendwo liegt dann noch nen Stapel Kataloge und Broschüren rum, alle irgendwo auf Hochglanz mit Schwermetallhaltigen Farben bedruckt, und verändert hat sich für die Welt: nix.
Und dann kommst Du nach Deutschland zurück, schaltest den Fernseher an und siehst, wie sie auf einmal alle ganz hektisch versuchen, das arme Klima vor den bösen Menschen zu schützen. Und ich frage mich: wenn wir es in einem Land wie Kenia, wo noch so vieles erst in den Anfängen steckt, die Menschen noch hungrig nach Wissen und weiterbildenden Informationen sind, das tägliche Leben aus der Abdeckung von Grundbedürfnissen besteht und durch Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulen noch so viel mehr erreicht werden kann – wenn wir es selbst dort nicht schaffen, was soll dann erst aus dem Rest der Welt werden?
Achim Steiner, Chef des UNEP mit Sitz in Kenia, meinte letztes Jahr in seiner Antrittsrede, dass dies gerade die Herausforderung für das UNEP wäre, dieser kaputten Welt täglich direkt vor der Tür zu begegnen. Ob sich dadurch etwas ändert?
Man könnte, wenn man nur wollte. Man könnte so vieles machen.
…aber hier leben? (part 1)
Die eine Hälfte meiner KommilitonInnen setzt sich abends regelmäßig vor den Fernseher, und zappt sich so durch die Langeweile. Begriffe wie “Schland” oder “Wok-WM” sind da keine Seltenheit – es gibt sogar solche hartnäckigen Vertreter, die sich regelmäßig die langweiligsten Sportberichterstattungen im Fernsehen anschauen: Tour de France, Ski-Langlauf, Formel Eins…
Vor einigen Jahren habe ich das Fernsehgerät abgeschafft. Wir schrieben das Jahr 1996, und während einige meiner Freunde mit jeglicher Selbstverständlichkeit ihr eigenes Gerät direkt neben dem Bett stehen hatten, kam mir gar nicht erst der Gedanke, diesen Kasten in meinem Schlafzimmer aufzubauen. Es war ja auch gar kein Platz vorhanden. Stattdessen hatte nämlich ein Computer den Weg in mein Zimmer gefunden, und schon nach 2 Jahren kam – wie selbstverständlich – eine Fernsehkarte hinzu, die im Desktop PC immer noch für den Empfang aller Sender dient.
Wenn es Empfang gäbe. Aufm Land, in dem Kaff wo ich die letzten fünf Jahre studiert und in einem Studiwohnheim gewohnt habe (“gelebt” wäre fast schon übertrieben), hatten wir nur eine mickrige Satellitenschüssel, die lediglich die Regionalprogramme sowie die üblichen Volksverdummungssender empfing. Ideale Voraussetzungen also, um sich ganz bequem und langsam von der Flimmerkiste zu verabschieden.
Statt sich passiv vom Fernesehprogramm unterhalten zu lassen, kam das Internet dazwischen, welches zumindest ein wenig mehr Interaktivität und Fortbildung bot. Mittlerweile gibt es auch hier die volle Unterhaltung – wem also das Fernsehen nichts bietet, kann sich im Internet diverse Filmchen anschauen, oder Online Magazine durchlesen.
Die andere Hälfte meiner KommillitonInnen hat sich bewusst gegen den Fernseher entschieden. Meistens kommt eh nur Mist, und es lenkt nur von den eigentlichen Verpflichtungen ab. Dazu noch nervige Schreiben von der GEZ und die Tatsache, dass es auch alles unnötige Kosten verursacht. Kurzum: braucht man eigentlich nicht.

Fernseher in einem Hotelzimmer in Embu, Kenia. Ein dickes Teil, aber ohne richtigen Empfang.
Wie sehr man das alles nicht braucht, habe ich jetzt wieder in den letzten vier Monaten in Kenia erlebt. Aus Spaß an der Technik und Experimentierfreude, hatte ich mir fürs Notebook eine PCMCIA TV Karte mitgenommen, an der ich den Fernsehempfang testen wollte.
In Kenia gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Fernsehprogrammen – terrestrisch oder gar via Satellit (Kabelfernsehen gibts sogar auch in Nairobi) – und im Gegensatz zu früher auf einem anderen Frequenzbereich. Das bedeutet im Klartext, dass die für den Empfang der (natürlich immer noch analogen) Programme nötigen Antennen viel kleiner ausfallen, und damit viel günstiger in der Herstellung sind. In Embu, diesem Kaff am Mount Kenia wo ich in der Zeit gewohnt habe, hatte so ziemlich jeder Haushalt einen eigenen Fernseher. Nun muss man verstehen, dass die Anschaffung eines Fernsehgerätes in Kenia ungefähr die gleiche Priorität hat wie bei uns hierzulande vielleicht der Hype Ende der 1980er Jahre, als alle Hausfrauen und Hausmänner einen Herd mit Ceranfeld haben wollten. Jetzt sind es wohl die Flachbildfernseher.
Die TV Karte habe ich einmal beim Harry ad-hoc mit ner selbstgebauten Antenne kurz angetestet – und wir haben uns darauf geeinigt, dass es ja an sich “ganz nett” sei – mehr aber auch nicht.
In Kenia kann man via Satellit übrigens auch das ZDF empfangen – wem Kenia also keine oder nur ungenügende Unterhaltung bietet, wird sich fernsehtechnisch zumindest nahe der Heimat wiederfinden.
Allein…alleine die Zeit scheint bei all diesen technischen Unterhaltungsgeräten die größte Rolle zu spielen. Ich nehme mir nicht mehr die Zeit, mich abends vor die Glotze zu hängen. Es bringt mir nichts, und langweiligt mich vielmehr.
Heute morgen kam ein Werbeflyer vom MediaMarkt ins Haus: DVD-Videorekorder mit eingebauter 160 GB Festplatte. Für 250,- EUR. Kann man sich kaufen, zu Hause aufstellen und all die Programme aufnehmen, die man sonst verpassen würde.
Tja. Was man so alles an schönen, interessanten und unterhaltsamen Dingen verpassen könnte. Was ich alles verpasst habe während meines Aufenthalts in Kenia. Ohne Fernseher. Ohne Internetradio. Ohne die neuesten Indyscheiben. Selbst die 10 Punkte Alben von Jan Wigger waren mir egal.
Es sagt sich immer so leicht: “Wir verzichten auf den Überfluss.”
Hier, in Deutschland, im Lande des Überfluss, habe ich noch keinen Nerv gehabt, all die vorgemerkten Internetfilmchen anzuschauen, die ich in Kenia an all den langweiligen Abenden mit lauter Musik von der Bar nebenan mangels einer gut funktionierenden Breitbandverbindung nicht anschauen konnte. Einzig diese knapp 50minütige documentary über die Entstehung des Monty Python Films “Life of Brian”, die letztens beim Spreeblick verlinkt waren, konnten mich aus der Reserve locken. Aber sonst?
Kenia ist ein faszinierends Land. Für mich ganz klar ein Teil der Heimat, eine gewohnte Umgebung, in der man trotzdem als Aussenstehender täglich neue Möglichkeiten entdeckt. Sicherlich mag es auch am angenehmeren Wetter liegen, welches dort eindeutig mehr Glücksgefühle hervorruft als die wolkenverhangenen, rauhen Tage hier, an denen einem in der Stadt nur traurige Gesichter entgegenkommen.
Ich muss immer an diesen einen Satz aus dem Film “Nirgendwo in Afrika” denken, als die Hauptdarstellerin zu ihrem Mann nach der Ankunft in Kenia in den 1930er Jahren sagt: “….es ist ja ganz nett hier, aber hier können wir doch nicht für immer bleiben!”. Anderen mag bei dem Satz “…aber hier leben?” wohl eher die Band Tocotronic einfallen.
“Home is where your heart is”, heißt es woanders. Ein gutes Zitat, immer wieder.
“Eigentlich scheissegal wo man lebt”, denke ich mir dann, ob nun in Dland, Kenia oder sonstwo. Hauptsache man lebt. Und dieses Gefühl, aktiv zu leben, täglich neuen Problemen und Konfrontationen ausgesetzt zu sein, für die man Lösungen finden oder sich selber anpassen muss – das habe ich bisweilen eher in Kenia gefunden als hierzulande.
“Boah, so könnte ich ja nicht leben”, entgegnete es mir letztens von einer Kommilitonin, als ich ihr vom Alltag in Embu erzählte. Nun, das ist aber die Realität. Und seltsamerweise erfüllt es mich mit mehr Zufriedenheit – trotz aller Umstände – als mich dieser von zu viel Polemik geprägten Welt hinzugeben und meinen Platz hierzulande zu finden.
Die für mich schönste Erkenntnis des letzten halben Jahres war, dass ich wieder gelernt habe, wie schön das Verreisen ist. Früher dachte ich immer, man müsse irgendwo ankommen, weil wir ständig unterwegs waren und ich nur noch Ruhe haben wollte. An einem Ort bleiben. Etwas aufbauen. Freundeskreis. Gewohnte Umgebung.
Und dann für viel Geld 2x im Jahr in die Sonne fliegen und Urlaub machen? No way.
“The journey is the destination”, heißt es bei meinem Vorbild Dan Eldon. Wahrscheinlich werde ich ewig unterwegs sein, geistig immer gleichzeitig in verschiedenen Welt leben, Schätze einsammeln und mit anderen teilen. Wahrscheinlich ist das meine destination.
Mittlerweile gibt es ja auch schon digitale Videorekorder im Internet. Für all die Dinge, die man sonst verpassen würde.
20th century ideology…
I’ve been thinking about this one comment I encountered during the job interview last week – and it still makes me feel uncomfortable.
“Why should I employ you and not a Kenyan with similar or even better qualifications to do the job?”, she had asked.
“Well, maybe because I can get things done where others might just relax and feel too superior for the grass root work…maybe because some guys who are earning enough money won’t feel the need to care about simple work…”
There is no logical argument. Of course there are Kenyans who are much more qualified for the job – but where are they? The other day, this head of programme in Nairobi told me his latest applicant had asked for a monthly salary of US-$ 3300. And are they also capaple of creating a website for the programme within 1 hour?
See? That’s my advantage. I created it last night – it works, it’s free and it suits its purpose. I am the backoffice-admin guy. I am your problem solver. But also someone who hits the marketing drums, and feels an urge to promote your technology to a wider audience.
“Don’t you think that when I pay someone EUR 4000 a month, he or she will do a better job and be just as serious as you? Don’t you think your remark is a bit too racist?”
This is the point when my lower jaw fell down.
Me? A racist? What????
“No”, I replied, “it isn’t a racist remark to say these things. I don’t make a difference in race but instead in the way people approach their work”.
Honestly, what are you supposed to answer if someone comes up with such accusations? It made me feel bad, and it hits me where it hurts the most.

Racism….I’ve mentioned it earlier. Oh, on February 1st 2006? There you go….and the comments (still) speak for themselves.
This means that if you interviewed for a job, you might not get it, not because you are white but because the organization does not want to be perceived as favoring whites. In the US/Canada, they call this “reverse affirmative action” and there is a good example of it here.
…Steve replied in a comment back then. And I agree. I also understand the motivation behind this approach and would probably have the same strategy if I was the head of programme. But I am not. I am a 31year old cosmopolitan who has lived in different worlds at the same time, has some key qualifications, and I know how to promote myself. If these organsiations are so much foccused on sustainability, well, let them do it their way. Even if they are spending Germany’s tax payer’s money – let them go ahead and employ locals for more sustainability. If this solves the problem, I am 100% ok with that.
But it doesn’t solve anything. Development aid still is a win-win business. And as such, everyone apparently tries to see where the benefit is. So why shouldn’t I try it as well?
I agree the unemployment rate is high and that may cause resentment on the Kenyan citizen if they perceive that he is getting the job just as when we are abroad and the economy of our host is not doing well, then there is high unemployment rate, the immigrant is the one who bears the scorn.
…Irene replied back then. And yes, even that is true. Btw, the unemployment rate in Germany as of January 2007 is about 10,2%, which equals in about 4,247 million people.
Back to racism. I had been thinking about broaching this issue some time ago and also chatted with sister Kui about it. While she grew up in the UK and is SUCH a mzungu :-), I also grew up in other parts of the world, far away from “home”. She advised me to handle this matter with the uttermost sensitivity, and I had meanwhile tried to ignore it. But then it just came back. I NEED to write it down and publish it here on my blog with my simple words…
Last year, Ngugi wa Thiong’o complained about this apparent racism in the USA, and while I 100% feel him on this issue, I also wonder about two things:
a) Bwana Ngugi, what did you expect of a country where some hiphop artists call themselves “Nigga”? What did you expect to find up there?
b) I wondered about racism in Kenya, and how white people are first of all regarded as white people before anything else. I wondered about this discrimination, and how one finds it among all (!) groups in Kenya. If you are white, you are different. You may have grown up there, you may speak the language, you may know more about Kenyan history than the average Kamau Njoroge from South B, you may know what it feels like to wake up with an empty stomach, you may know about the burdens your extended family has put on you, all these expectations, you may…just be as Kenyan as everyone else. But it doesn’t help. If you’re white, you are different. Sure, this prevailing picture quickly clears up once ppl get to know you better, but it is still there.
And then you, respected Ngugi wa Thiong’o, come to the US and complain about racism? What about the racism back home?
See? I am popularizing it in such a way, putting it in this cheap tit-for-tat response because when I – as a German – go to Kenya and complain about racism, I am afraid of stiring up dust which only generates more hatred. I am afraid of provoking yet another discussion whereas most readers of my blog are smart enough to know that there’s no difference among human beings except maybe for their level of intellect and what kind of chances & knowledge they were given while growing up.
Racism is soooo 20th century. Let’s leave it there.
bridging the gap
Bridging the gap between the things you do, and those you only think about. Bridging the gap between the stuff you write, and the stuff you would like to write about more often.
„So what makes you special, why should I employ you and not someone else from Kenya? Why shouldn’t I employ a graduate from Kenyatta University with a Master degree, pay him around 4000,- EUR and maybe get the same results?“, the lady asked me on that job interview.
She had been to Kenya before, and knows the country to some extent. She’s in charge of a huge programme, and remains focused on the basic needs. A good, diligent worker who achieved a lot during her career. I respect her.
„Because I speak German“, I replied, „and because I don’t feel bad about the simpler work that has to be done sometimes. And because I’ll instantly fix your computer problems and get your team into operation….”
There’s no logical argument why I should be employed instead of a local person unless my marks are better. But they are not.
I also explained her that my German Abitur (A-Levels) back then was achieved under different circumstances, and that I really worked my ass off to get this stupid paper. Same as with these studies – I’ve seen so many people who really delivered good theoretical work, but didn’t know anything about practical stuff. Pls, don’t get me wrong – I don’t want blame anyone for my situation – but since those guys and gals set the standards, it also explains why we so often find assimilated workers in office jobs. People who just play by the rules and have learned to stick to their Terms of Reference only. People who never risk their job for what they believe in. Either because they are cowards, or because they need the job to pay for their families, etc.
Life, it seems, is about bridging the gap between such insanities and remaining focused on yourself.
And then, when I left the premises, I remembered my Kenyan friends telling me how much more Kenyan I am compared to them. Well, when it comes to work permits and payments, I am reduced to my passport and my marks. It is a fair system, which still ignores a lot of practical experiences. Should I have told her that I am “so Kenyan”? :-)
But then: many others depend on such a job, because they can’t do anything else. I don’t. I will make it to Kenya, with or without these companies. But going to Kenya isn’t my dream.

“a room with a view” a.k.a. the beautiful skyline @ Frankfurt am Main as of Feb 15th 2007….there is some love-hate-relationship i am having with this city. strange.
„There are four obstacles on your way to fulfill the dream of your life“, Paulo Coehlo wrote in the preface to „The Alchimist“. The first one is that still as a child, we’re told that our dreams will never become reality. The older we become, the more we try to hide it. We’ve accepted it being a dream, and remaining as such.
And then there is love. „We mistake the love“, he writes, „as an obstacle, but instead it is an additional motivation, and those who really love us, will come along“.
The third obstacle is the fear of the numerous defeats we may encounter on our way to happiness. Often, we seem to be afraid of those failures.
The fourth obstacle, he continues explaining, is about the fear of seeing our dream come true. After all those years of fighting and struggling to make the dream come true, people tend to relinquish, to give it up because they are afraid to also lose their motivation which made them go for that dream.
This small book was given to me by a dear friend, because she wanted to share this little source of wisdom with me. It’s a nice book, but then – I stopped reading it at the most exciting part because something bugged me. Something I couldn’t relate to.
The author talks about dreams and people who often miss their way to happiness and fulfilling their dreams. Only – I don’t have a dream.
I am happy with myself, I am strong and I know that I shouldn’t worry about my future because there will always be a way out of miserable situations. And as a consequence of this, there’s no dream I urgently want to fulfil. Small things maybe, small things here and there, some materialistic, some concerning my studies and some also concerning mapenzi-issues. But still, THE dream (the one and only) isn’t there.
It irritated me. Instead of a wise author trying to tell his readers a nice little story, I was waiting for that advice on how to make deciscions. I am having problems to decide. Particularly here in Europe where the choices are so many. For instance, shopping is a problem. In Kenya the range of available products is often limited (and I don’t need more), so the actual process of deciding upon certain things is much easier. I like that. Keeping it simple. But life isn’t about shopping items you may return if you don’t like them.
Life is about making decisions all the time. Decisions that indicate the difference between childhood and being an adult. But how do you know that your decision was the best?
You can’t know that in advance. So I just applied for another internship (with that above mentioned company!) which should pave my way back to Kenya. I think I will never know the truth if I remain being afraid of making the right decisions. After all, I should be glad about all those different chances I am having right now (good background, broad education, no flat/home/rent, no car, limited obligations – all those things that push most of the sad faces I see in the morning hours out of bed because they have to earn a living and keep on dreaming).
I am trying to bridge the gap between a student’s life, and setting up the framework for a secured future. Also, I am very curious to see where I am in, let’s say: 10 years time from now? Because right now, I am open to everything. And that’s my little precious treasure. Real freedom (uhuru).
Cheers!
applicability
I was sitting on the train to Sudabaaag and reading a computer magazine, when I suddenly realized what had bugged me during my work at the WRMA in Kenya.
As a consequence of this sometimes unsuitable development aid by foreign donors, a simple IT structure and office furnitures for use in the regional and subregional offices were procured in the past. By that time, emphasis – it seems – was put on getting these offices into operation, so someone just procured a few HP desktop computers with WindowsXP & MS Office, as well as an access point to enable a wireless network. For printing needs, a networked TOSHIBA printer was bought and installed – which even supports scanning to a local file. Nice!
And then you are confronted with the prevailing circumstances in a rural area. And this “rural area” stands for anything else but the normal IT environments.
There’s no computer shop in the area that deals with hardware or software (although there are many IT users in rural towns like Embu); there are frequent power failures + unstable power supplies which make the use of Uninterrupted Power Supplies (UPS) unavoidable; there’s lots of dust and other climatic influences; people aren’t properly trained how to handle IT ….and then there’s MS Windows XP – an operating system which gives each user lots of freedom and is in use all over the world. Despite of numerous viruses which often affect MS products thus hindering ppl from effective work on their computers, MS asks for an activation of their products either by telephone or over the internet. Now, internet isn’t available all over the world, and when I was confronted with the task of activating MS products such as Windows XP & Office 2003, fellow blogger Steve adviced me to send him the numbers instead so that he could call his local MS distributor in North America (thx!) and ask for the registration code. Fortunately, I was able to unlock the copies over the internet (as both computers came with an internal dial-up modem), and also managed to obtain the telephone number you have to dial in Kenya (0202868800) once there’s no internet.
Now, there might be a reason for complicated activation procedures, but the point is that MS – and this software manufacturer is just a good example – clearly missed the market and its needs. Whereas it makes sense to have a unique standard world wide which also enables exchange of data, there’s no need of having WindowsXP computers in an office of a Government Authority if other systems (hardware & software combinations) are much more effective and also much more reliable.
What we need are simple but reliable solutions to very basic but also unexpected problems.
Think of an (expensive) SUN workstation and its (cheaper) terminals, think of open software that does the same job as MS products, think of free operating systems that offer much more reliabilty and security, think of IT hardware that consumes less energy and has less movable parts (which could brake).
We blogged about this solar computer the other day with Lady AfroM, we often talk about the US-$100 laptop and we see more and more open source & free of charge software being available over the internet. The technology is there, and all we need is a durable computer that just does the normal jobs (office, browser, email, voip, photo editing).
As far as I remember, there are in fact a few smart people out there who have already come up with such an IT structure – only: I can’t see them on the market. And neither did the guy who procured those HP desktop computers.
Could it be that Microsoft personal computers are dominating the market just because the competition has such a lousy marketing?
I don’t know. What I do know is that being forced to work with such sensitive and vulnerable systems as those based on MS software is like eating Githerii (beans&maize) with chopsticks. It could be so much simpler.
As for this OLPC initiative and the US-$100 laptop – I am very curious to see what kind of reverse engineering and further use of these machines we’ll see in future. At least, these simple computers deliver most basic needs for computer users, and I think that a similar – restricted – technology should be used in government offices (where ppl are jeopardizing the IT with their USB flash sticks and games, but that’s another story…). What I would like to see are “ready to buy” and simple but effective computers that just provide a stable environment with basic tools for every day use. Something that just works – 24/7/365.
Why? Because there’s a market out there.
Kwaheri, nyumbani…
So you really thought I’d leave my beloved home-of-choice without saying good-bye? Naaa….
“127 days”, it said on that form from the Immigration Departement. 127 days of staying, working, living and enjoying beautiful Kenya. And I enjoyed every single day….
And now I am sitting here at JKIA departure lounge, reflecting the last hectic days, and actually trying to figure out what Europe will be alike. I’ll hopefully arrive tonight, and by tomorrow afternoon, I’ll have to bury my father and speak to a crowd on behalf of my family. Quite an interesting task, but something I am looking forward to. Everything will work out fine.
You see, the message I am taking with me on this journey into a new future is something I learned and experienced in Kenya. Something I needed to come here for in order to understand a few things that have started to have an impact on my life.
Upon arrival in Embu, I quickly realized that staying in such a rural area, one *might* easily become quite religious. Or as I would call it rerrigiiiaaas.
Now, instead of telling you more details of this journey to myself, let me just show you this picture of a church service (in Kiswahili!) I attended on my last day in Embu.

Reason for showing you this one – and I hope I didn’t offend anyone by taking a picture within church – is that among all these people who opened their heart on a sunday morning to something they have never seen but truly believe in, I felt at home. It made me feel good.
It are these impressions and feelings I am taking home. Something that gives me strength from within (yes, happiness is that easy to obtain! :-)
Thengiu muno, Kenya. Kwaheri(ni)…