Entdecke die Möglichkeiten

“Das Web ist ein Werkzeug, mit dem Millionen Menschen eine regelmäßige und sinnvolle Tätigkeit simulieren. Die von der Bundesregierung ermittelte, durch das Web verlorene echte Arbeitszeit von zwei Jahren pro Person wurde kürzlich hinten drangehängt.

Weblogs (auch: Blogs) sind einfache elektronische Publikationssysteme, die von der CIA entwickelt wurden. Weblogs geben Bürgern das Gefühl etwas zu sagen zu haben und verhindern dadurch möglicherweise störende, tatsächliche Aktivitäten. Weblogs sind das digitale Equivalent zum Demonstrationsrecht. (Quelle)”

…so heißt es ironischerweise beim Johnny in einem Artikel, der die schöne bunte 2.0 Welt im Web dem interessierten Leser näherbringen will.

Man kann sich das ruhig mehrmals durchlesen.

Viele Blogs im deutschsprachigen Internet, so erscheint es mir zumindest, haben sich auf das Zusammentragen von Online Informationen spezialisiert. Informationen, die nur in dieser virtuellen Online Welt existieren und von Interesse sind.
Als Beispiel sei hier die Berichterstattung über neue Web 2.0 Dienste genannt – z.B. über neue Plugins für WordPress (s.u.), wenn Flickr mal wieder nen Schluckauf hat oder dass SonyEricsson in Second Life einen Cebit Stand eröffnet.

Für Geeks ist das schon sehr sexy.

Nur: es hat in der realen Welt da draußen eine eher geringe Bedeutung.

Dass es auch anders geht, zeigt Reuters auf seiner überarbeiteten Website.

reuters

Mein Kumpel Mentalacrobatics aus Nairobi erwähnte es bereits letzte Woche: Reuters setzt ab sofort auf seinen Länderseiten im neu überarbeiteten Afrika-Portal auf Bloginhalte, die bei GlobalVoicesOnline zusammengetragen und von Autoren freiwillig aufbereitet werden. Bloginhalte von lokalen Blogs, wie sie z.B. hier auch im Kenianischen Blogwebring zu finden sind.

Freilich, Kenia ist nicht Deutschland, es gibt dort nur zwei bedeutende und einige unbedeutende Tageszeitungen; in Kenia gibt es keine taz und Meldungen, die in Dland wohl eher von Praktikanten zusammengeschustert werden, müssen dort vom Agenturticker 1:1 übernommen werden. Insofern ist man dort auf die Berichterstattung durch Blogger viel mehr angewiesen als hierzulande, wo Blogs wohl eher der Unterhaltung dienen.

Kenia an dieser Stelle auch nur als Beispiel – es gibt sicherlich noch viele andere Länder, in denen es mit der Presse- und Meinungsfreiheit nicht so rosig ausschaut, und in denen Blogs als eine der wenigen repräsentative(re)n Quellen angesehen werden können.

Reuters hat dies verstanden, und nutzt seitdem Blogs als zusätzliche Infoquelle.

Beim Hash von WhiteAfrican wird zur Zeit wieder über ein Mobilfunk Community Projekt in Afrika nachgedacht, bei dem über SMS als möglichen Kommunikationskanal die Menschen auf einem lokalen Weg erreicht und angesprochen werden können.

Hash trat mit dieser an sich sehr interessanten Idee vor einigen Monaten an die Öffentlichkeit und warf es so in die Blogosphere – wobei auch er (wie ich) in dem kenianischen Blogwebring verlinkt ist. Die Verlinkung bedeutet übrigens auch die Einbindung von Bloginhalten in Feeds, so daß täglich eine recht breite Masse von Lesern mit den Inhalten der kenianischen Blogosphere rein visuell konfrontiert wird.

Das interessante an dieser Diskussion, und wieso ich es überhaupt erwähne, ist die Tatsache, dass auf einmal so richtig deutlich wird, wie sehr dieses Bild von “Afrika” fälschlicherweise in den Köpfen der Leute steckt – und wie sehr von außen von einer Einheit ausgegangen wird.

Gut, wir kennen das von der USAmerikanern, die uns hier in Deutschland auch als Teil von Europa sehen, als Teil einer Einheit die wir selber gar nicht so aktiv wahrnehmen.
Im Vergleich zu den afrikanischen Ländern sind wir aber in Europa auch einheitlicher organisiert – alleine wegen des Euros und der Gesetzgebungsrichtlinien durch die europäische Kommission. Gibt es ja alles nicht bei der noch recht jungen Afrikanischen Union.

Das ist dann mitunter einer der Gründe, wieso interessante Web 2.0 Projekte wie Muti aus Südafrika in einigen westafrikanischen, frankophonen Ländern überhaupt nicht bekannt sind: nicht nur wegen der sprachlichen Unterschiede (wenn man von nationalen Sprachen ausgeht, sind wir im vereinigten Europa schon mehrsprachiger, oder?) oder technischer Zugangsschwierigkeiten, sondern weil es unterschiedliche Welten sind, die einander vorbeileben.

Dabei hat sich in den letzten Jahren das Handy als Endgerät in den meisten afrikanischen Ländern als DIE Kommunikationsplattform entwickelt. Das ist ein Prozess und eine Geschwindigkeit, wie sie keiner so schnell erahnt hätte.
Der Unterschied zu einem anderen schnell wachsenden Markt wie Indien oder China besteht dann darin, dass diese beiden Länder, gleichwohl sie als Subkontinente betrachtet werden dürfen, vergleichsweise homogener auftreten.

Es muss also an dieser Stelle die Frage gestellt werden, ob der Mobilfunksektor in Zukunft eine DER neuen Völkerverbindenden Möglichkeiten darstellt, mit dessen Hilfe einzelne Länder, oder auch Völkergruppen innerhalb einzelner Länder zu einer größeren Einheit zusammengeführt werden können.
Ich nehme an, dass der Mobilfunk jetzt schon dort Brücken schlägt, wo es bis vor einiger Zeit noch keine Kommunikation gab, und so auch keinen gesellschaftlichen Fortschritt hin zu mehr Einheit.

Und das – diese Völkerverständigung durch neue Technologien – finde ich dann wieder gut an Web 2.0 & all dem Schnickschnack.

4 comments » Write a comment

  1. Kenyan Blogs Webring feeds – Sehr interessant! Hätte ich mir gerne in meinen Feedreader geladen, geht aber nicht.

  2. Dieser Link lädt die Website in den Browser, ich kann damit aber weder in netvibes noch im Sage-Reader den Feed darstellen. Die Links zu den Feeds oben rechts auf der Seite funktionieren auch alle nicht.

  3. Stimmt!

    Letztens war die Site offline, und ich glaube sie haben bei der Umstellung etwas vergessen. Thx, werds weiterleiten!