Ich habe im arte Magazin gelesen…

…dass heu­te um 17:20 Uhr wie­der Your­o­pe aus­ge­strahlt wird, die­se kur­ze Sen­dung bei arte, die über Akti­vis­mus und Wider­stand in Euro­pa informiert.

Kar­rie­re­ori­en­tiert und bloß auf Sicher­heit bedacht — so wird die jun­ge Genera­ti­on ger­ne beschrie­ben. Doch die jun­gen Euro­pä­er in die­ser “Yourope”-Sendung bewei­sen das Gegen­teil: Sie set­zen sich höchst enga­giert für eine bes­se­re Welt ein — und ris­kie­ren dafür eine Menge.

Man möch­te Sté­pha­ne Hes­sel ger­ne die­se Sen­dung zei­gen und sagen: hier, schau her, die Jugend empört sich und ist aktiv, orga­ni­siert sich (bereits seit Jah­ren), klärt auf, enga­giert sich unent­gelt­lich für sozia­le The­men, nutzt dabei das Inter­net und zweck­ent­frem­det Kunst für ihre Zwe­cke. Wobei man natür­lich Kunst als sol­che auch für genau die­se Zwe­cke ver­ste­hen kann.

Über die Aus­sa­gen von Sté­pha­ne Hes­sel kann man sicher­lich geteil­ter Mei­nung sein, aber wer mit 93 im Fern­se­hen noch so schön Gedich­te auf­sa­gen kann, darf nicht nur als Rand­no­tiz auf der Face­bo­ok­wand gepos­tet oder gar in der spä­ten Nacht im Nischen­pro­gramm bei 3sat aus­ge­strahlt wer­den. You­Tube, unser gelieb­tes Popar­chiv, gibt uns hier die Freiheit.

Und nun?
Anlass für die­sen Blog­post war für mich eigent­lich das The­ma Zweck­ent­frem­dung, also die Nut­zung von Medi­en für einen ganz ande­ren Zweck. Ich fin­de es sehr inter­es­sant, wenn Men­schen aus allen Alters­grup­pen Medi­en für ihre Zwe­cke anpas­sen und auf eine Art und Wei­se ver­wen­den, die abseits der geplan­ten und übli­chen Pfa­de eine neue Art der Inter­ak­ti­on ermöglichen.

Die zen­tra­le Fra­ge bei all dem ist für mich auch immer “wie kann ich Mit­bür­ger errei­chen”, und das schrei­be ich des­we­gen weil ich mich ja eigent­lich haupt­be­ruf­lich mit dem The­ma Toi­let­ten und Stoff­stro­m­op­ti­mie­rung beschäf­ti­ge, wel­ches oft schon mit einem Image­fak­tor von ‑10 an den Start geht. Toi­let­ten sind ein Tabu­the­ma, über das welt­weit eher sel­ten geschrie­ben wird. Einen Anfang habe ich jetzt bei reverb maga­zi­ne gemacht, für das ich einen zwei­tei­li­gen Bei­trag ver­fasst habe.

Akti­vis­mus als sol­chen fin­de ich vor allem hin­sicht­lich der ver­wen­de­ten Mit­tel inter­es­sant. Die The­men sel­ber sind für mich eher sekun­där, wobei klar ist dass loka­le The­men eine grö­ße­re Erfolgs­chan­ce ver­spre­chen. Das sehe ich bei unse­rem Hyper­lo­kal Pro­jekt Frankfurt-Gestalten.de, aber auch bei loka­len Facebookgruppen.

Im arte Maga­zin wur­de übri­gens eine Your­o­pe Fol­ge über “jun­ge Mie­ter und bezahl­ba­re Mie­ten” ver­spro­chen, bei der die Jeu­di-Noir Grup­pe in Paris über­teu­er­te Woh­nung besetzt und Woh­nungs­be­sich­ti­gun­gen in Spe­ku­la­ti­ons­ob­jek­ten (in Ham­burg) lahm­ge­legt wer­den. Das The­ma Haus­be­set­zun­gen ist sicher­lich ein alt­be­kann­ter Hut, dass aber hier Woh­nungs­be­sich­ti­gun­gen geen­tert wer­den ist natür­lich noch­mal ein gan­zes Stück interessanter.

Wenn sich jemand beklagt, kön­nen wir es immer noch als Kunst dekla­rie­ren. Praktisch!

(das arte Maga­zin wur­de nach der 3. Aus­ga­be abbe­stellt, weil ich eigent­lich nur auf die Prä­mie scharf war und mein Fern­seh­kon­sum­ver­hal­ten nicht nach einer Fern­seh­zeit­schrift rich­ten mag)

Oh, und weil es so schön und gera­de aktu­ell ist:

(via FB)

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