Seesternchen & Co.

Eben habe ich mich kurz ablenken wollen vom Lernen – und mir das MySpace Profil einer Bekannten angeschaut.

Ganz unabhängig vom Inhalt und des immer noch schrecklichen Layouts bei MySpace, gibt es eine Sache in dieser virtuellen Welt, die mich immer wieder aufs Neue abschreckt: die Verwendung von kitschigen Fantasienamen.

Während mein ehemaliger Mitbewohner noch relativ harmlos und pflegeleicht in seiner Welt aus MezzoMix Softdrinks, Pringels Chips, fettigem Essen und diversen Computerrollenspielen jeden Tag von morgens bis abends geduldsam vorm Rechner saß, konnte ich mir bei ihm wenigstens sicher sein, dass er kein Doppelleben als “süße Maus24”, “Seesternchen”, “Waldfee”, “Prinz”, “Ferrrari43”, “Zaubermaus”, “Frühlingsblume48” oder dergleichen in einer der diversen Online Welten geführt hat. Dann schon eher als “Balduin”, “Gondolf” oder “schwarzer Ritter”, denn der gute Mann Junge war Sci-Fi Fan. Rollenspiele halt. Alle Levels, alle Schwierigkeitsstufen, alle Charaktere.
Ach, wir hatten ja auch mal einen Nachbarn, der tagsüber nur geschlafen hat, und dann nachts, jede Nacht!, in sein Multi-User-Dungeon Spiel abgetaucht ist. Das sind aber in sich geschlossene Welten.

Aber zurück zu den kitschigen Fantasienamen, zu denen ich mich eigentlich hauptsächlich frage, wie die Leute dazu kommen? Haben die keine Fantasie? Screennames sind ja schon eine seltsame Erfindung, aber selbst jetzt, nachdem ich fast genau 11 Jahre im Inet unterwegs bin, scheint es mir manchmal wie 1996 vorzukommen.

Irgendwann muss das Reservoir an dämlichen Benutzernamen doch erschöpft sein?

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1 comment » Write a comment

  1. Hihihi! :-))

    Ich kam 1997 in’s Internet, als ich einen alten Laptop an der Telefonbuchse einsteckte und die AOL-CD aus einer Computerzeitschrift installierte.
    Drei Dinge interessierten mich damals:
    1. Nachrichten über Kenia
    2. Porn
    3. Chatten

    Im Gegensatz zu Punkt 2 ist mir Punkt 3 inzwischen extrem peinlich.
    Da kannte ich mal eine Tussi, die nannte sich “Angel Lina”. Mit richtigem Namen hieß sie völlig anders. Aber es gibt da so einen Schnulzen-Schmusesong, da geht es um eine “Angelina”. Nur hat das
    blöde Weib das falsch verstanden. Und da sie sich selber als einen Engel sah, kam sie auf diesen geistreichen Chat-Namen.

    Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass das Chatten damals noch was völlig neues war. Ich lebte damals in einer Bw-Kaserne, und das Chatten war die vermeintlich einzige Möglichkeit, Freunde ausserhalb der Army kennen zu lernen. Und tatsächlich bekam ich auch Anschluß an eine Motorrad-Clique in Flensburg, mit denen ich meine Freizeit dann verbrachte.
    Die große Langeweile beim Chatten mit irgendwelchen hirnlosen Idioten kam erst später.

    Aber gibt’s das heutzutage echt noch, dass jemand seine Zeit damit verschwendet, sich mit “Strapsmaus”, “Olga23” oder “SinglegirlOsnabrück” zu unterhalten?