Kubuntu & ich

Ich fin­de es erstaun­lich, wie sehr ich mich in den letz­ten Tagen an Kubun­tu (KDE) gewöhnt habe. Mei­nen zwei­ten Rech­ner im Büro (nen altes TOSHIBA Tecra S1) habe ich inzwi­schen auch schon mit Ubun­tu (Gno­me) aus­ge­stat­tet, dort aber als Win­dows Install über Wubi.exe, ein­fach um nur mal zu sehen, wie das alter­na­tiv läuft.

Mein Rech­ner zu Hau­se (HP nx8220 lap­top, 1,86 GHz Cen­tri­no, 2 GB RAM, 120GB HDD) ist mit WinXP & Kubun­tu 8.04 bespielt, habe den Bild­schirm letz­tens ein biß­chen an mein WinXP fee­ling ange­passt (mag es ein­fach + ohne Effek­te), mit den Win­dows Schrift­ar­ten und der glei­chen Tape­te wie bei WinXP im Hintergrund.

Der Grund­be­darf an Pro­gram­men ent­spricht ca. dem was ich unter WinXP mache, es ist alles dabei und was dann wirk­lich nicht ver­füg­bar ist, läuft ent­we­der unter Wine oder direkt unter XP.

Eben beim Schrei­ben die­ser Zei­len dach­te ich mir, nee, moment, stimmt das wirk­lich? Was ist mit Nemet­schek (CAD), Arc­View (GIS), Aqua­sys (Hydro­lo­gie)? Was ist mit diver­sen share­ware Pro­gram­men wie zB Paint­ShopP­ro (wel­ches ich seit Jah­ren zufrie­den benut­ze ein­fach weil mir Pho­to­shop immer zu umfang­reich war)? Kann Gimp wirk­lich Pho­to­shop & PSP erset­zen? Na klar! Und die spe­zi­el­le Soft­ware gibt es auch für Linux Sys­te­me — dann sogar meist kos­ten­los. Dies ist übri­gens auch ein Grund, wie­so ich mir die Tage sel­ber auf­er­legt habe, bei Bild­be­ar­bei­tungs­auf­ga­ben im Büro nur noch Gimp zu ver­wen­den (vom Stick, por­ta­ble Ver­si­on). Mzeeced­ric macht es wohl ähn­lich, oder?

Über den Wech­sel von Win­dows zu einem Linux-basier­ten Betriebs­sys­tem gibt es tau­sen­de von inter­es­san­ten Blog­ein­trä­gen — allein den Wech­sel sel­ber zu erfah­ren und ein­fach mal durch­zu­zie­hen, emp­fin­de ich als eine gute Erfah­rung, die man mal sel­ber machen muss. Mei­ne Zeit­in­ves­ti­ti­on bis­her bei den Ein­stel­lun­gen (wo kann ich was ein­stel­len? wie hängt was zusam­men? wo sind die Appli­ka­tio­nen? etc.) beläuft sich auf ca. 8h.

Ein Bei­spiel: die “Instal­la­ti­on” mei­nes Yaku­mo DVB‑T Quick­sticks (nur digi­tal, mit dem hybri­den digitalen/analogen hat­te ich auch schon diver­se Pro­ble­me unter XP frü­her) zum Fern­seh­schau­en auf dem Lap­top hat inner­halb von 1 Minu­te geklappt. Nix Trei­ber extra instal­lie­ren. Nur Me-TV über den Paket­ma­na­ger her­un­ter­la­den, star­ten, Stick wur­de erkannt und inner­halb einer Minu­te waren alle Sen­der gefun­den. Was will man mehr? Zum Ver­gleich: unter WinXP muss man erst die Trei­ber des bau­glei­chen Free­com-Sticks instal­lie­ren (bzw erst­mal die Rou­ti­ne haben, dass Trei­ber von einer mit­ge­lie­fer­ten CD eh nicht aktu­ell sind), dann idea­ler­wei­se ProgDVB laden (share­ware aus Russ­land) und hof­fen, dass die Soft­ware wg der BDA-Trei­ber nicht abschmiert.

Es sind genau die­se Klei­nig­kei­ten, bei denen ich dann den­ke: klar, jetzt kann ich auch die Apple-User ver­ste­hen. Der Erfolg von Apple vor allem in den USA zeigt doch vor allem, dass die Benut­zer ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem (gegen­über) der Viel­falt an Mög­lich­kei­ten vor­zie­hen. Genau die­ses “alles passt”-Gefühl habe ich jetzt unter Kubuntu.

Und dann wun­de­re ich mich, wie­so ich Bekann­ten und Ver­wand­ten in der Ver­gan­gen­heit nicht doch zu Linux gera­ten habe. Für die meis­ten Zwe­cke (Inter­net­sur­fen, Office, Soli­tär spie­len) ist Kubun­tu völ­lig aus­rei­chend und vor allem siche­rer als die­ses WinXP.

*Siche­rer* bedeu­tet für mich, dass ich mei­ner Mum zB ger­ne einen 1GB USB Stick geben wür­de, den sie dann für ihre Arbeit als DaF-Leh­re­rin benut­zen kann. Wenn ich ihr aber einen sol­chen Stick gebe, wird der mit ziem­li­cher Sicher­heit inner­halb kür­zes­ter Zeit mal­wa­re-ver­sucht sein und ihr Sys­tem infi­zie­ren. Ich woh­ne aber zu weit weg, um ein­fach mal vor­bei­zu­schau­en und Com­pu­ter­pro­ble­me zu richten.
Wenn ich ihr Sys­tem jetzt auf Kubun­tu umstel­len wür­de, könn­te ich ihr guten Gewis­sens so einen Stick in die Hand drü­cken, da sich die­se mal­wa­re nicht auf dem Kubun­tu Sys­tem vervielfacht.
Nach­teil jedoch: vie­le inko­ma­ti­blen Pro­be CDs aus dem Sprach­un­ter­richt wür­den uU nicht funk­tio­nie­ren weil die nur auf Win­dows aus­ge­legt sind.

Und das ist total ärger­lich, da mei­ner Mei­nung nach die Mehr­heit der Com­pu­ter-Gele­gen­heits­nut­zer (aka Genera­ti­on Golf, die als Sin­gles am WE durch Sin­gle­bör­sen surft) mit so einem Sys­tem wie Kubun­tu ide­al bedient wäre. Wer von die­ser Ziel­grup­pe hat denn eigent­lich sei­nen *Eige­ne Datei­en* Ord­ner auf eine ande­re Par­ti­ti­on (sofern vor­han­den) aus­ge­la­gert oder gar gesi­chert? Eben.

Wenn man aller­dings seit Jah­ren nur mit Win­dows arbei­tet, die Jah­re der Home­Com­pu­ter (Ata­ri, Ami­ga, C64) schon ein vier­tel Jahr­hun­dert zurück­lie­gen und man so in die­ser Win­dows-Denk­wei­se drin­steckt, ist ein Wech­sel zu einem ande­ren Betriebs­sys­tem unheim­lich schwer.

So beschränkt sich das bis­her meist nur auf freaks bzw. auf die­je­ni­gen, die Zeit für eine Umstel­lung opfern und den Wech­sel auch wirk­lich wollen.

Jedes Mal wenn ich unter Kubun­tu arbei­te, ärge­re ich mich, dass ich vie­les noch nicht ver­stan­den habe und fra­ge mich dann zB, wie­so es “nicht so ein­fach wie bei WinXP” sein kann. Dabei ist es viel­mehr die Gewohn­heit, die mir WinXP ver­trau­ter erschei­nen lässt. Ein­fa­cher ist es dort näm­lich auch nicht.

Ich bin gespannt, ob und wie sich mei­ne Arbeit am Com­pu­ter zukünf­tig von XP zu Kubun­tu ver­la­gern wird. Gera­de hin­sicht­lich der Ver­brei­tung von frei­er und offe­ner Soft­ware (+ Betriebs­sys­te­me) und mei­nem an die­ser Stel­le oft geäu­ßer­ten Wunsch, alle wich­ti­gen Com­pu­ter­sys­te­me in Kenia mögen doch bit­te auf ein Betriebs­sys­tem wie Ubun­tu umge­stellt wer­den, emp­fin­de ich es als sinn­vol­le Inves­ti­ti­on, sich recht­zei­tig mit Alter­na­ti­ven ver­traut zu machen.

(dis­c­lai­mer: mei­ne ers­ten akti­ven Unix Berüh­run­gen mach­te ich 1996 an der FH FFM und war damals eher abge­nervt, die ers­ten popu­lä­ren SuSe Dis­tri­bu­tio­nen waren auch nicht so der Hit. Mit App­le’s OS konn­te ich mich ob der beschränk­ten Mög­lich­kei­ten nie anfreun­den. Rich­tig Spaß (!) macht mir das alles erst seit Ubun­tu 5.04.)

@Turbodave: habt Ihr bei der neu­en Air­line eigent­lich auch Ubun­tu-basie­ren­de Lap­tops? Du hat­test ja imho schon mehr­fach gewech­selt zwi­schen den OS, jeweils mit gemisch­ten Gefühlen…

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