der Lonely Planet Sklave

Forsty, unser ehe­ma­li­ge Geo- und Eng­lisch­leh­rer mit lang­jäh­ri­ger Safa­rier­fah­rung, schrieb letz­te Woche aus Mali:

Mir wur­de z.B. klar, dass ich eine gewis­se Hek­tik sogar auf mei­nen Rei­sen in Afri­ka nicht able­gen kann. Ich bin z.T., über­trie­ben aus­ge­drückt, ein ‘Lonely Pla­net Skla­ve’, dem es haupt­säch­lich dar­um geht, wie er von A nach B kommt, vom bedeut­sa­men Wochen­markt zu Welt­kul­tur­er­be­ge­bäu­den. Dass sich zwi­schen A und B tol­les, authen­ti­sches afri­ka­ni­sches Leben abspielt, wird dabei völ­lig vergessen.
Die Spa­nie­rin, auf deren Visi­ten­kar­te “Moni­ca — Tra­vel­ler” steht, hat mir wäh­rend der gemein­sa­men Pinassen­fahrt ein wenig die Augen geöffnet.
Sie reist haupt­säch­lich nach Stra­ßen­kar­te, zu Orten, die ihr vom Namen oder der Lage her gefal­len und benutzt den Rei­se­füh­rer über­wie­gend, um sich über Trans­port- und Unter­kunfts­mög­lich­kei­ten zu informieren.

Die­ses Zitat hier in mei­nem Blog, weil ich mir vor ca. einem Jahr einen ähn­li­chen “Vor­wurf” gefal­len las­sen muss­te. Rei­sen als Beschäf­ti­gung und ohne ein ört­li­ches Ankom­men? Wo, oder bes­ser: was ist das Ziel?

Gute Rei­se­be­rich­te kann man sicher­lich auch daheim schrei­ben (und an die­ser Stel­le viel­leicht der Hin­weis, dass der von mir über­aus geschät­ze und letz­tes Jahr lei­der ver­stor­be­ne Rys­zard Kapu­scin­ski sei­ne meis­ten Bücher auch erst zu Hau­se zusam­men­schrieb). Rei­sen als Sol­ches habe ich für mich noch nie als ein Abklap­pern von Sehens­wür­dig­kei­ten emp­fun­den, aber es beinhal­te­te für mich auch immer ein Ankom­men an einem Ziel. Ziel­los durch die Gegend fah­ren und Erfah­run­gen zu sam­meln — das wider­strebt mei­nem Natu­rell und mei­ner — ich nen­ne es — “afri­ka­ni­schen Effi­zi­enz”. So wie ich auch über die vie­len Autos stau­ne, in denen nur eine Per­son von A nach B reist (= unge­nutz­te Kapazitäten).

Frei­lich, ein sol­ches Her­um­trei­ben muss man sich leis­ten kön­nen — finan­zi­ell und kar­rie­re­tech­nisch. Ein Her­um­rei­sen muss für mein Ver­ständ­nis aber vor allem men­tal, im Kopf statt­fin­den. Der ört­li­che Trans­fer, der oft kurz­wei­li­ge Auf­ent­halt an einem ande­ren Ort bedeu­tet nichts, sofern es kei­ne Bereit­schaft oder Mög­lich­keit zur inten­si­ven Wahr­neh­mung der neu­en Umge­bung gibt. Und das geht vor allem über die ande­ren Men­schen, da die sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung allei­ne mei­ner Mei­nung nach zu einem ein­sei­ti­gen, zu ver­fält­schen Ein­druck führt.

Wäre ich Jour­na­list, wür­de ich sicher­lich nur über Tech­nik schrei­ben wol­len. Abs­trak­te Zustän­de und Gegen­hei­ten, deren brei­te Attrak­ti­vi­tät nur in der Benut­zung durch Men­schen ensteht (~ sie­he auch: was ist so toll am iPho­ne? => die ein­ma­li­ge Benut­zer­füh­rung / UI, user interface).
Als Blog­ger habe ich die­se Vor­ga­ben alle nicht und kann schrei­ben, was und wie es mir passt. Dass es dann teil­wei­se zu Vor­wür­fen kommt, weil man stän­dig Gefahr läuft, Din­ge oder Zustän­de zu Ver­all­ge­mei­nern oder zu über­trei­ben, ist das schö­ne Risi­ko dabei. Schön, weil es zu mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Lesern ver­hilft und teil­wei­se rhe­to­risch gewollt ist.

Forsty habe ich übri­gens letz­tens nahe­ge­legt, für sei­ne nächs­te Rei­se ein Blog ein­zu­rich­ten. Und da er über­aus inter­es­sant und all­täg­lich schreibt, wird sich das sicher­lich auch sehr lohnen.

Für mei­ne nächs­te Rei­se bzw. loka­len Bericht habe ich mir vor­ge­nom­men, noch mehr auf die Sicht­wei­se ande­rer ein­zu­ge­hen und ent­spre­chend mehr aus ihrem Leben zu berich­ten. Ges­tern frug ich zB mei­nen einen Arbeits­kol­le­gen, der letz­tes Wochen­en­de bei der Afri­ca­san (Water & Sani­ta­ti­on Con­fe­rence) in Dur­ban (SA) war, wie er es denn gefun­den hät­te. Sei­ne Ant­wort: “Außer dem Hotel, dem Tagungs­ort und dem Flug­ha­fen habe ich nicht so viel mit­be­kom­men vom Land…”.

Wie gut, dass ich dann nicht mit­ge­fah­ren bin (obwohl ich da ursprüng­lich unbe­dingt hin­woll­te und auch das Ange­bot hat­te, mitzufahren…).

AOB: bei mir gibts heu­te Tor­tel­li­ni mit Mais-Schmand-hel­le-Sau­ce + Tro­cken­pe­ter­si­lie ausm Glas. Ein wei­te­res 15 Minu­ten Gericht für wenig Geld (ca. 2,50 EUR).

21022008204

Die­ses Geschirr is der Burner.…

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