übers Bloggen

Einer der Umstände, die mich manchmal vom Bloggen bzw. Ausfüllen dieser Website mit Inhalten abhalten, ist die Auswahl der Sprache. Weniger ob Deutsch oder Englisch, als vielmehr die Frage nach dem Schreibstil.

Sicherlich kann man anonym bloggen und dann Dinge aufschreiben, die Andere gerne lesen, Reiseberichte verfassen, übers Kochen schreiben oder neues Technikspielzeug. Darum geht es mir aber gar nicht. Dieses Blog entstand ja im Sommer 2005 aus der Not heraus, dass ich mich bei Neon angemeldet hatte und den Moderatoren dort meine Texte für eine Veröffentlichung als Artikel nicht gut genug waren. Ohne Angabe von Gründen. Wohl nicht hip genug. Oder so. Daraufhin beschloss ich, mein eigenes blog aufzumachen – auch weil mich Cedric dazu ermutigt hatte – und bin damit seitdem auch recht glücklich.
Ich blogge hauptsächlich a) auf Englisch, obwohl ich manchmal lieber auf Deutsch schreiben würde, einzig auch nur um bestimmte Dinge anders – nicht besser – ausdrücken zu wollen und b) weil ich ein sog. “Bridgeblogger” bin, manchmal zumindest, der durch das Berichten über die lokale Situation das Ausland informieren möchte.
Vor allem aber versuche ich dabei c) nicht nur eine bestimmte Seite an mir zu bedienen, sondern mehrere Ebenen wiederzugeben. Ich bin ja nicht NUR so wie das dem Leser zwischen den Zeilen hindurchschimmern mag. Was ich hier schreibe muss ja nicht vollkommen meine Persönlichkeit wiedergeben. Deswegen habe ich auch irgendwann persönlichere Dinge gebloggt, weil ich mich für eine breite Palette an Themen interessieren und auch begeistern kann.

“Ich hätte gar nicht so viel zu schreiben oder den Drang, mich anderen mitzuteilen” – solche Sprüche hört man als Blogger oft. Glücklicherweise hat sich das in den letzten zwei Jahren bißchen relativiert, und ich glaube viele dieser Aussagen sind nicht richtig, da es meiner Meinung nach viele anonyme Blogger gibt, die nach außen hin dieses low profile bewahren möchten, um dann aber insgeheim irgendwo über ihre Erfahrungen zu bloggen. Wäre mal ne interessante Studie: wieviele anonyme Blogger gibt es?

Nein, nein, es geht nicht um die öffentliche Tagebuchfunktion. Nächste Woche Dienstag haben wir in der Firma die offene Web 2.0 Gesprächsrunde, die Christian mit moderieren wird, und es werden dann sicherlich nur die Inetaffinen Gestalten auftauchen, diejenigen also, die mit dem Begriff Web 2.0 auch wirklich aktive Inhalte verbinden können und den Sinn und Zweck verstanden haben. Ich freue mich schon sehr darauf und finde es großartig, das Christian hier so missionarisch unterwegs ist!
Meine Arbeitskollegin frug mich letztens, wer das alles lesen soll. Weiß ich doch nicht! Ich hab ihr dann aber den Link mit der öffentlichen Besucherstatistik zu diesem Blog geschickt, was die Frage einigemaßen beantworten sollte.
Für mich sind Blogs also nicht nur persönliche Tagebücher im Internet, sondern vor allem Publikationswerkzeuge, um Inhalte schnell und einfach einer breiten Masse im Internet präsentieren zu können.
Sobald sich mobiles Bloggen vom Handy aus durchsetzen wird (Stichwort: Googles offenes Handybetriebssystem, das diese Dienste mit Sicherheit verschmelzen wird), wird man auch nicht mehr unterscheiden wollen zwischen reinen Blogs und moderierten Webpräsentationen. Alles verschmilzt online zu einem großen Pool an Daten, everything is miscellaneous, ist auffindbar, wird über feeds dem interessierten Leser direkt in den Feedreader befördert, nach Inhalten sortiert, jeder Nutzer ist wie bei den P2P filesharing Diensten auch automatisch Bereitsteller von Inhalten (zB durch Kommentare)…kurz: das Web lebt vom Mitmachen und Verwenden von Informationen.

Die Zweifler werden sich ob des Hypes sicherlich immer noch fragend am Kopf kratzen und ihren old-school-Status unterstreichen wollen. Sollen sie ruhig. Die Verwendung von Blogs oder sozialen Lesezeichendiensten wie del.icio.us (die qualifizierte, von Menschen vorselektierte Inhalte festhalten) sind für mich aber der Beweis dafür, dass diese Dezentralität des Netzes die Gegenwart darstellt.

So, und an dieser Stelle würde ich jetzt gerne auf den Schreibstil eingehen, alleine: es gibt keinen eindeutigen JKE-Schreibstil und außerdem muss ich jetzt grad schnell los und meine Wäsche zum Waschsalon tragen. Have a nice weekend!

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