Quo vadis, Facebook?

Im Herbst 2010 saß ich in einem Meeting zu einem deutschen Forschungsvorhaben, bei dem Zwischenergebnisse aus den Untersuchung auch auf Facebook bekannt gemacht werden sollen.

“Was ist Facebook?”, frug daraufhin ein teilnehmender Vertreter aus der Industrie. “Bei uns werden all diese Seiten immer gesperrt von der IT, wir können da praktisch gar nichts machen”.

“Facebook?..nee, lieber nicht”, antwortete eine andere Vertreterin aus der Industrie, “..bei uns ist das alles sehr restriktiv, wir haben auf unserer Website auch keine Infos über Forschungsvorhaben”.

Meine Schwester, Juristin & als Mutter 24h dauerbeschäftigt, gehört auch zu denjenigen, die “diesen ganzen Quatsch” ablehnen. Keine Zeit, “keinen Bock auf Daten von mir online”, keinen Nerv auf die Zeitverschwendung – alles Gründe, wieso sie da nicht mitmacht. Ich bin da zwar anderer Meinung, weil ich mein Geld teilweise auch mit “diesem Quatsch” verdiene, respektiere aber diesen – für sie – logischen Entschluss. Freilich, was bringt ihr die Teilnahme?

Alim Market Facebook
…neulich an der Kasse beim Alim Market in der Kaiserstraße.

Facebook muss man nicht mögen, ich habe es in der Vergangenheit gehasst, ich bin kein großer Fan von social networks im Stil von Facebook (oder noch schlimmer: Xing & LinkedIn), aber ich nutze es mittlerweile gerne weil es mir den Kontakt mit anderen ermöglicht, genauso wie Twitter.

Ich nutze Facebook auch deswegen, weil in anderen Ländern als Deutschland Facebook quasi DIE Eingangsplattform für social activities ist. Verbunden mit einem in manchen Ländern kostenlosen Mobilfunkzugang zum mobilen Angebot von Facebook via http://0.facebook.com, muss man sich dann auch nicht wundern, wenn die Jugend bei Facebook & Co. abhängt. Wohlgemerkt, weltweit. Genau so wie der Rest des Internets 24/7/365 offen ist (wenn wir mal von ein paar deutschen Ausnahmen absehen).

Facebook bietet all das, und eben noch viel mehr als Xing & LinkedIn aus bewussten Gründen sein werden und vielleicht auch nicht sein wollen. An Facebook führt also irgendwie kein Weg vorbei – denken sich sicherlich auch die professionellen Facebook Marketer in Deutschland.

screenshot fb hessencenter

Eben komme ich aus dem Einkaufszentrum hier in Frankfurt-Ost – dem Hessen-Center, das gerade eine Aktion für Kunden startet und für die Teilnahme an deren Hessen-Center Facebook Seite wirbt:

http://facebook.com/hessencenter

….steht da in der Mitte auf dem Plakat im Center. Nicht etwa http://www.hessen-center-frankfurt.de, nein, facebook.com/hessencenter. Und daneben ein überdimensionaler “Gefällt mir” Button. Facebook.com/xyz als neue ID?

screenshot hessen-center-frankfurt.de

Zugegeben, die richtige Website ist jetzt auch nicht so der Burner. Aber was möchte man auf der Website eines EKZs schon erfahren – ausser der Öffnungszeiten und vielleicht noch der verfügbaren Geschäfte? Bemerkenswert übrigens der Link zu den Jobangeboten.

Obwohl, das könnte man doch eigentlich auch direkt erfragen, nicht wahr? Also ab damit auf die Pinnwand: “Werdet Ihr hier auch eine Seite mit Jobs anbieten?”

FireShot capture #019 - 'Hessen-Center Frankfurt' - www facebook com hessencenter v=wall

Die Kommunikation läuft also über die Facebook Pinnwand, man ist beim Du (praktisch, direkt) und ich (ich kleines ich) spreche mit a) der Welt und b) dem HessenCenter (wo natürlich nur eine Agentur bzw. ein Student sitzt, der die Kommunikation macht). Kommunikation! Konversationen! Cluetrain? Hach….

Ich erwähne das alles, weil:

  • ich mich ob der angepriesenen URL wundere: facebook.com/eigenername vs. http://www.eigenername.de, und inwieweit es ein Vorteil ist für Firmen, wenn sie Teil eines Netzwerks sind;
  • ich mich über solches direktes Facebookmarketing freue, aber auch wundere, weil es doch gefühlt noch so viele Nichtnutzer gibt und man damit nicht alle erreichen kann;
  • ich mich wundere, ob die Firmen und Projekte wirklich alle bereit sind für eine offene Kommunikation? Konversationen mit dem Kunden! Dabei geht es ja nicht immer nur um Firma X, die ein Produkt Y verkaufen möchte. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Stadt Frankfurt, die bei Facebook über das Presse- und Informationsamt einen Facebookkanal bedient. Machen die gut, wie ich finde, aber viele Teilnehmer und “Gefällt mir”-Klicker nutzen deren Facebook Pinnwand als direkten Rückkanal – und äußern darüber ihren Unmut zur Stadt UND eben allem was dazugehört. Which includes the RMV und all das was der gemeine Bürger sonst noch nicht voneinander abtrennen kann und vielleicht auch nicht muss. Ich, die privaten Firmen, dort die öffentliche Hand und ach ja, die Steuern und überhaupt, macht mal was für unsere Steuern! 11!1! So etwa. So liest sich das auf den Seiten teilweise. Das ist normal und menschlich (und eben nicht so sachlich);
  • ich mich frage, ob Firmen “Marketing” auch als ein Solches verstehen, oder hier den bloßen Verkauf von Produkten sehen (vielleicht auch nur weil es ein für sie messbarer Erfolg ist und sie weiterbringt). Beispiel: Bahnaktion im Herbst 2010 mit dem Verkauf von Tickets über Facebook. Meiner Meinung nach war das ein bloßes Antesten der Bahn über deren altgediente Agentur, ob Facebook als Verkaufsplattform taugt. Die Kunden sahen es anders und äußerten ihren Frust auf der Pinnwand über Stuttgart21, die Verspätungen und was sonst noch im Makrokosmos Deutsche Bahn abgeht. Direkt, auf Antwort hoffend. Die natürlich auf sich Warten ließ, dann aber gut kam. GENAU DARUM GEHT ES meiner Meinung nach. Um Kommunikation! Mit den Kunden sprechen, direktes Feedback geben. Das Angebot kann noch so scheisse sein – wenn die Kommunikation stimmt, ist schon vieles gerettet. Zum Kundenservice in Deutschland hat auch Volker Weber gerade wieder etwas gebloggt. Traurig, aber wahr..
    Bloßes Verkaufen geht meiner Meinung nach (als gelernter Kfm.) über den Preis, über Qualität oder übers Image. Wenn die Bahn Tickets verkaufen möchte, stelle ich mich gerne 3 Tage auf die Zeil in Frankfurt und verkaufe da sicherlich noch mehr Tickets als die über Facebook. Verkauft haben sie übrigens lt. dem oben verlinkten Interview mit der Agentur und dem Bahntypen blendend. Gegenüber meinem Kunden würde ich als Agentur in der Öffentlichkeit aber auch nur positives berichten.
    Daher: Facebook ist vor allem eine Kommunikationsplattform (yeah, “-plattform” :-), kein Verkaufskanal.
  • Ich erwähne es auch, weil ich mich immer wundere, wo diese rasante Entwicklung mit Facebook noch hinführen wird. Dass im Internet nichts von Dauer ist und alles vergänglich ist, ja sogar peinliche Sucheinträge aus der Jugend (“das Internet vergisst nicht”) in der Masse und aufgrund von Suchmaschinenoptimierungsmaßnahmen sowie demand media Flut untergehen, scheint mittlerweile immer mehr bewusst zu werden. Allein: Facebook kann sich Dinge erlauben, die andere Firmen in den Ruin treiben würden. Verschleierte Privacy Maßnahmen, einen unreifen CEO mit schlechter Menschenkenntniss und ein sich ständig wechselndes Layout bzw. Benutzersteuerung sind da nur einige der Gründe, die Position von Facebook kritisch zu hinterfragen.
    Siehe Delicious.com, der social bookmark service von Yahoo!. Yahoo!, diese mittlerweile chinesische Firma. “Geleakt” (wuaarrgh), ist deren slide zur bevorstehenden Schließung von Delicious, dann am nächsten Tag Kommando zurück, delicious wird – wenn überhaupt – verkauft, aber eigentlich ist das alles egal, denn die Menschen brauchen Vertrauen. Vertrauen, dass sie in Delicious nicht mehr haben und dementsprechend abwandern. Eigentlich sehe ich es wie einige Andere, dass Delicious durch die abwandernden Nutzer kaputt gemacht wird, und nicht durch Yahoo!s falsche Geschäftspolitik, aber mittlerweile habe auch ich zu Diigo.com gewechselt. Nicht weil Delicious so schlecht ist, sondern weil mir bei dieser News erst gezeigt wurde, dass es auch noch bessere Alternativen zu Delicious gibt.
    Amazon mit seiner Sperrung der S3 Server für Wikileaks, Paypal ebenso – alles Dinge, die sich eine Firma wie Facebook ohne weiteres erlauben könnte und andere eben nicht so sehr. Eben weil die Nutzer so tief drinstecken und ihre Kontakte – ihr Netzwerk – nicht mehr aufgeben möchten. Dieser scheinbare Zwang zur Facebookmitgliedschaft – der Wert der Verbindungen und der internationalen Kommunikationsmöglichkeiten – ich weiß noch nicht wo uns all das hinführen wird, und ob es hierfür überhaupt eine gewollte Marschrichtung gibt? Auch von Seiten der (antrainierten) Nutzer?
  • Und: ich nutze Twitter lieber als Facebook. Beim Barcamp Darmstadt, als Beispiel, lief die Kommunikation (“back-channel”) über Twitter. Inklusive Twitterwall. Praktisch. Wohl dem der dabei ist und den Dienst zu nutzen weiß.
    Festzuhalten bleibt aber auch der Kommentar von Fefe zum 27C3: “Wie viele Konferenzen kennt ihr, die ein eigenes GSM und ein eigenes DVB-T haben? Und keine Twitter-Wall :-)”. Dabei hatte ich den 27C3 vor allem via Twitter verfolgen können. Und war damit sicherlich nicht der einzige.
  • Bei Facebook mag es vielleicht mittlerweile diverse Einstellmöglichkeiten für die Privatssphäre geben – wer darf welche Inhalte sehen? – aber stellt das auch wirklich jeder so ein? Gerade gestern hat jemand aus meinem Facebook Freundeskreis 200 (!) von seinen vielen Kontakten bei Facebook aus der Kontaktliste gestrichen. Weil er die alle irgendwie doch nicht kannte und eine bessere Übersicht haben wollte. Jemand, der den ganzen Tag mit IT zu tun hat, ein sehr geselliger Typ ist und sich als TED Teilnehmer und PopTech Fellow eigentlich gut mit Selbtmarketing auskennen müsste. Und doch hat ihm Facebook diese Entscheidung (“wer ist mein Freund bei Facebook?”, “wer hat Zugriff auf mein Profil, auf meine Kindheitsfotos, auf meine Familienfotos, auf meine Infos, Konversationen an der Pinnwand?” etc.) in der Vergangenheit nicht so leicht gemacht wie es vielleicht bei anderen Netzwerken der Fall ist.
  • Mir fallen 10 gute Gründe ein, wieso eine Firma in Facebook vertreten sein sollte, aber – bei der o.g. Problematik zum “Freunde-Status” – eher weniger gute Gründe, wieso meine Schwester oder meine Mutter (die regelmäßig Anfragen von ihren DaF-Schülern bekommt), bei Facebook mitmachen sollten. Oder wie ich meiner Mitbewohnerin beibringen kann, dass sie nicht Hinz & Kunz bei Facebook befreundet um ihre FarmVille Boni zu erhöhen, da vielleicht aus Versehen einer ihrer eigenen Schüler reinrutscht und ich ihr aus dem Grund keine privaten Dinge mehr auf die Pinnwand schreiben möchte. Denn: so ganz logisch ist das für mich (als FB power user) eben alles noch nicht. Was bringen mir restriktive Privacyeinstellungen, wenn meine Kommunikationspartner das alles viel lockerer sehen?
    Und: viele sehen in Facebook immer noch das private Netzwerk, weniger die berufliche Seite wie bei Xing oder LinkedIn. Dass sich beide Welten nach Ansicht des Facebook CEOs miteinander vermischen sollten und Facebook eben diese beiden – privaten sowie beruflichen – Fronten abdecken soll, ist für den deutschen Benutzer vielleicht eher befremdlich. So ganz ist das Verständnis von Facebook für Privatnutzer bei eben diesen am Ende von 2010 noch nicht angekommen.

Frankfurt Gestalten FB

Eine Facebook Seite haben wir übrigens auch für unser open data hyperlocal Projekt Frankfurt-Gestalten.de eingeführt – sogar neuerdings (dank Wolfgang Weicht vom Kombinat für asiatische Verhaltensforschung) mit sog. “landing pages”. Ich finde das sehr gut und bin gespannt, wie es sich entwickeln wird. Gerade weil vielleicht die typischen Facebook Nutzer nicht unbedingt auch bei Frankfurt-Gestalten.de mitmachen würden. Aber ist das wirklich so?

Facebook, quo vadis?

Und: was bedeutet Facebook für Euch?

Erlöse aus Flattr & Co. für das Kinderheim

Das Land Kenia in Ostafrika ist inoffiziellen Angaben zu Folge eines der reichsten Länder Afrikas. Nicht unbedingt wegen der eher bescheidenen Bodenschätze, den erfolgreichen Exportgütern wie Kaffee, Tee, Blumen oder dem Tourismus, sondern wohl vor allem weil es im Ausland so viele Kenianer gibt, die (oft am Fiskus vorbei) ihre Familien aus der Ferne finanziell unterstützen.

Jahrelange Korruption und Missbrauch von staatlicher Gewalt haben trotz einer erstarkenden Mittelklasse auch immer weiter dazu geführt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer und deutlicher wird.

Gelder, die für den Aufbau des Landes gedacht waren, flossen in die falschen Taschen. Innenpolitische Machtkämpfe führen immer wieder zu Verlusten, vor allem bei der armen Bevölkerung.

Kenia ist ein wunderschönes Land voller innerer Spannungen und Gegensätze, es befindet sich im Aufbruch in eine neue Zeit, in der die selbstbewusste Jugend eigene Erfolge verbucht und – verführt von ausländischen Investoren aus China und Russland – ihr Anlagevermögen vermehrt.

Der Mobilfunksektor boomt mit seiner Vorreiterrolle – seit Mai 2010 gibt es in der Hauptstadt Nairobi einen eigenen Inkubator, der gleichzeitig als Treffpunkt aller IT-Spezialisten dient. Die Stadt Nairobi platzt irgendwie aus allen Nähten – was wenig verwundert, denn sie wurde nie auf die ständig wachsende Einwohnerzahl ausgelegt: einen aktuellen Masterplan zur Stadtentwicklung gibt es nicht.

Seine Entwicklung ist auch seiner geopolitischen Lage zu verdanken – Kenia gilt mit seinen Häfen und seiner internationalen Anbindung auch als wichtiges Zentrum internationaler Politik. Zwei UN Programme (UN-Habitat & UNEP) haben dort ihr Hauptquartier.

Bei dieser idealen Ausgangslage könnte man also davon ausgehen, dass Kenia wie jedes andere Land in der Lage sein sollte, seine internen Probleme selber zu regeln.

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Spendenwerbung mit afrikanischen Kindern, gerade zur Weihnachtszeit, war schon wiederholt Gegenstand der Diskussion in diesem Blog (hier, hier, hier, hier und hier).

Diese international als “poverty porn” bezeichnete Methode empfinde ich als falsch, da sie nur weiter das falsche Afrikabild nährt und dunkelhäutige Kinder visuell mit den Begriffen Armut, Elend und Hunger gleichstellt.

Wieso sehen wir bei den Spendenaktionen von UNICEF & Co. keine Bilder von – weißen – unterernährten & geschlagenen & zugedröhnten Kindern aus Moskau, die in der Kanalisation hausen? Oder von den vielen, täglich vernachlässigten armen Kindern in Deutschland?

Der Aufruf zum Spenden kommt für mich in der deutschen Gesellschaft oft einem modernen Ablasshandel gleich, zumindest wenn auf diese rhetorischen Mittel zurückgegriffen wird.

Dabei ist Spenden eine sehr feine Sache und sollte hierzulande viel selbstverständlicher werden! Mein Vater musste mit seinen Geschwistern nach dem 2. Weltkrieg auch monatelang “stoppeln” gehen, also die Früchte vom Feld auflesen (oder eben klauen), weil sie nichts zu Essen hatten. Ohne die gütliche Hilfe Anderer wären sie wohl damals nicht über die Runden gekommen und ich würde nicht diese Zeilen schreiben können. Folglich sind alle Menschen, die ohne eigenen Nutzen anderen Menschen helfen (gelebter Altruismus, sofern erwünscht), in meiner eigenen Wertschätzungsskala ganz weit oben. Die eigene Motivation (“ich mache das weil sonst keiner hilft”, “ich mache das damit ich mich besser fühle”, “ich spende weil es mir auch mal dreckig ging”, etc.) bleibt dabei jedem selber überlassen.

Im Folgenden möchte ich nach dieser Einleitung aber doch erwähnen, wieso ich trotz meiner Ablehnung des poverty porns, der vielen Nichtregierungsorganisationen in Kenia und der gegenwärtigen Übersättigung mit Spendenaktionen das folgende Projekt für sehr gut befunden habe und nach Möglichkeit aus der Ferne unterstütze:

The Nest Home

TheNestHome-screenshot
screenshot der The Nest Home Website

Das Nest Home “..ist ein Programm zur Prävention und zur Wiedereingliederung für Kinder in Not und deren inhaftierter Mütter in Kenia.”

“Programm” ist hier eigentlich eher der Übersetzung des englischen Begriffes zu schulden, denn es ist keineswegs ein staatliches Programm, sondern ein privates Hilfprojekt mit deutschem Trägerverein im Hintergrund und als eingetragene Stiftung in Kenia registriert.

Dass dieses Projekt überhaupt als Stiftung bzw. Nichtregierungsorganisation in Kenia anerkannt wurde, ist nur dem unermüdlichen Druck der Hauptverantwortlichen und Initiatorin des Projekts, Frau Irene Baumgartner, zu verdanken, die mit ihren Mitstreitern unentwegt, d.h. an 24h am Tag und fast 365 Tagen im Jahr für das Wohlergehen der Kinder sorgt. Da die Mitarbeiter des Nests zur Ablehnung jeglicher Korruption angehalten sind, dauern einige bürokratische Prozesse auf staatlicher Seite oft länger als eigentlich notwendig. Und das, obwohl der Sinn und Zweck dieses Kinder-aufname-heimes nur darin besteht, den in Haft befindlichen Müttern und gelegentlich auch den vielen (!!) Findelkindern eine liebevolle Unterkunft (eben “The Nest”) zu bieten. Es handelt sich um einen Dienst an der kenianischen Gesellschaft, die immer stärker mit offenen Armen bei diesem Projekt mithilft und seinen Wert erkannt hat. Umso erfreulicher ist es dann auch, wenn Adoptionen innerhalb Kenias – z.B. durch kinderlose kenianische Ehepaare – erfolgen können.

Das Nest Kinderheim mit seinen Häusern (mehr dazu auf der Homepage) ist für mich eine wirklich sehr gelungene Einrichtung, die es im Idealfall natürlich überhaupt nicht geben sollte. Es muss sie aber geben, weil es in einer Welt von Gewinnern auch ebenso viele Verlierer gibt, die in ihrer Not oft auf sich selbst gestellt sind. Hartz IV? Gibt es nicht in Kenia.

So zum Beispiel junge & alleinerziehende Mütter, die beim Handeln auf der Straße von der Polizei erwischt und aufgrund einer fehlenden (da teuren & aufwendigen) Geschäftslizenz / Geschäftsausstattung (z.B. kein Verkauf von Lebensmitteln ohne Schürze) eingesperrt wurden. Und die Kinder? Kommen mit ins Gefängnis. Oder verwahrlosen tagelang alleine im Wellblechverschlag, bis sie von den Nachbarn oder den Sozialarbeitern – die Füsse voller Würmer – ganz zufällig entdeckt werden. Es ist ein Teufelskreis, weil die Menschen teilweise aus Not, teilweise aus eigener Dummheit ins Gefängnis kommen und die Kinder darunter zu leiden haben.

Ebenso gibt es auch die traurige, aber wahre Geschichte des kleinen Jungen, der von seiner Mutter in die Toilette geworfen wurde, weil sie zu jung und unfähig war, für ihn zu sorgen. Was macht man in so einer Situation? Wie hilft man? Und ist es nicht ein Fass ohne Boden, wenn es in einer sich wandelnden Konsumgesellschaft immer mehr zur sozialen Verwahrlosung kommt? Wem hilft man? Und wem hilft man nicht?

In der Regel werden die Kinder für die Dauer der Inhaftierung der Mütter bzw. der Eltern aufgenommen und neuerdings auch schulisch ausgebildet. Im Anschluss daran gibt es eine Rehabilitierungsmöglichkeit für die jungen Mütter, wo sie in einer ruhigen Umgebung an der Ausbildung ihrer Fähigkeiten arbeiten können. Wenn das jemand als private Entwicklungshilfe (-zusammenarbeit) oder Diakonie bezeichnen möchte – so be it. Wichtig ist mir, dass sich jemand um all diese Menschen kümmert, ihnen Halt gibt (weil es sonst niemand tut) und dafür Unterstützung bekommt.

10 Minuten Video über das Nest Home in Limuru, Kenya

Die Website des The Nest Home in Limuru (Vorort von Nairobi) in Kenia läuft in einem Unterordner auf meinem Uhuru.de Server und ich unterstütze die Arbeit des Nests hier aus der Ferne über diese technische Seite. Manchmal schicke ich auch ein paar alte (aber noch funktionsfähige bzw. von mir reparierte) Handys zur Familie Baumgartner nach Nairobi, weil man in einem Land wie Kenia – trotz des Reichtums einiger Weniger! – auch diese Dinge gebrauchen bzw. verkaufen kann. Das ist nicht gerade viel und ich würde gerne mehr für das Nest machen: der Unterhalt des Kinderheimes verursacht jeden Monat hohe Kosten. Alleine schon die Krankenhauskosten für kranke Kinder sind so dermaßen hoch, dass man nur ganz direkt nach einem Zahlungserlass bitten kann und auch muss, weil es anders gar nicht zu stemmen wäre. Gesundheit kostet Geld – auch in Deutschland ist die soziale Absicherung für Menschen ohne Aufenthaltspapiere trotz des Grundrechts auf Gesundheit nicht viel besser.

Selber aktiv werden

Meine Motivation zur Hilfe ist nicht das Mitleid mit den tragischen Einzelschicksalen der Kinder – jeder hat seine eigene, oft traurige Geschichte – sondern weil ich diesen Kindern das Familienleben/Gruppenleben und die Geborgenheit ermöglichen möchte, die andere als selbstverständlich betrachten und die ihnen genauso zusteht. Im Gegensatz zu ihren Eltern rutschen sie meist unverschuldet in diese Situation und werden dann der Möglichkeiten beraubt, die ihnen den Rahmen für eine erfolgreiche Entwicklung bieten. Beim wem, wenn nicht bei den Kindern, sollte Hilfe ansetzen?

In der Vergangenheit gab es auch schon diverse Helfer aus Deutschland und den USA, die im Nest Home in Limuru ehrenamtlich ausgeholfen haben (alles selber bezahlt, kein warmes Wasser, etc.), oder aber eine Solaranlage oder ein tolles Kinderklettergerüst errichtet haben. Ohne diese Hilfe von Außen – von Ausländern, aber auch von Kenianern! – wäre das Nest Home Projekt sicherlich nicht zu dem geworden, was es jetzt ist.

Ich habe daher beschlossen, den Jahreserlös des erst vor Kurzem auf meinem Blog eingeführten “Flattr.com“-Buttons (bei dem sich registrierte Nutzer/Blogger gegenseitig Guthaben zuweisen können, d.h. man legt zu Monatsbeginn einen Betrag fest und dieser wird dann am Monatsende durch Anzahl der Klicks geteilt) an das Nest zu überweisen. Das ist jetzt nicht sonderlich viel (derzeit 1.31 EUR), weil die Flattr Funktion meiner Meinung nach vor allem in der deutschsprachigen Blogosphere bekannt ist, es den Flattr Dienst noch nicht so lange gibt, erst seit kurzem auf meinem Blog richtig aktiv ist (zwischenzeitlich deaktiviert) und weil mein Blog eher international erscheint & ich nur selten Beiträge auf Deutsch verfasse. Aber dennoch – vielleicht kommt ja so einiges zusammen. Selbstverständlich wird es zu dieser Aktion auch ein Update zur Schlussüberweisung geben.

Auf der Website des Nests war eigentlich auch mal ein Paypal Spendenbutton angedacht – viele Unterstützer des Nests wohnen zB. in den USA, für die die Bezahlung via Paypal bequemer wäre. Aufgrund administrativer Abläufe wie Schwierigkeiten beim Ausstellen einer Spendenquittung für Onlineüberweisungen wurde dies aber erstmal nicht umgesetzt. Ebenso haben wir (wir = die ehrenamtliche Verwalterin der Nest Home Website und ich) auf die üblichen Mittel des Social Media Zirkusses wie Facebook und Twitter weitgehend verzichtet. Es gibt zwar mittlerweile eine Facebookseite und sogar eine Initiative von US-amerikanischen Filmemacherinnen, die einen Dokumentationsfilm über das Nest erstellen möchten, aber… aber viel Erfolg führt auch leider oft zu vielem Neid. Neid, den man bei der täglichen Arbeit nicht gebrauchen kann. Neid bei den lokalen Ansprechpartnern in staatlichen Einrichtungen, weil da eine Deutsche quasi im Alleingang und mit Hilfe potenzieller Geldgeber und vieler Freiwilliger ein Projekt aus der Taufe gehoben hat, das so viel Sinn macht und gut ist. Und bei dem es kaum vorstellbar ist (aus kenianischer Sicht), wieso jemand seine ganze Lebensenergie ohne Eigennutz in so ein Projekt steckt.

Spendern, die es gut meinen und die helfen wollen, muss man daher manchmal vor den Kopf stoßen, weil zu viel Hilfe teilweise genau das Gegenteil bewirken kann. Zum Wohle der Kinder eher weniger herumtrommeln und dafür weniger Missgunst vor Ort ernten. Die o.g. internen Machtkämpfe in Kenia gibt es nicht nur in der Politik!

Jedenfalls: ich finde dieses The Nest Home Projekt sehr gut; ich unterstütze es technisch; ich unterstütze es weil es Menschen aus meinen beiden Heimaten Deutschland und Kenia involviert; ich weiß, dass die Gelder alle gut ankommen und direkt verwertet werden; ich weiß dass die Verwaltungskosten (overhead costs) im Gegensatz zu manch anderen Projekten aufgrund sinnvoller Investitionen relativ gering sind und ich weiß, dass dieses Projekt aus rein altruistischen Stücken von einer mehr als engagierten Persönlichkeit geführt wird, die hier nicht ihren Afrikatraum verwirklichen möchte, sondern dort hilft wo Hilfe wirklich gebraucht wird.

Ich möchte daher jeden Leser dieses Blogbeitrages bitten, entweder die Flattr-Funktion unterhalb dieses Blogbeitrages zu benutzen, oder aber für dieses Projekt auf eines der hier angegebenen Konten zu spenden.

Für eine dauerhafte Unterstützung gibt es auch einen Förderverein in Oldenburg, den “Tunza Dada e.V.”, dessen Mitglieder mit ihren 6,- EUR Monatsbeiträgen die 38 Gehälter des Projekts finanzieren und Sonderzahlungen wie z.B. Reparaturen an den Gebäuden oder dringende Neuanschaffungen ermöglichen. Der Verein hat derzeit 171 Mitglieder und 200 fördernde Nicht-Mitglieder.

Herzlichen Dank!

Juergen “Kikuyumoja” Eichholz (@jke)
Frankfurt am Main, 11.12.2010

update:
Wie angekündigt habe ich den gesamten Jahreserlös via Flattr von meinem Blog ans Nest überwiesen. Allen Spendern ein herzliches Dankeschön!

Inside a micro SD card reader

Opened it up, so you don’t have to.

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Oh, look! A GL827!

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Old vs. new reader. I’ve used the old one for the last two years, and it never broken albeit being carried around in my right pocket, next to the keys. Also, the micro SD inside never got lost. Amazing quality.

I prefer these microSD card readers to conventional USB memory keys or even the key-type keys because they provide a slot for the microSD card from the phone. Now, the best option would probably be to have a key-shaped microSD card USB reader.

Wer braucht Kino, wenn er in einer Stadt wie Frankfurt wohnt?

Heute Abend in der U-Bahn saß ein älterer Mann – “südländisch”, würde man wohl sagen, also natürlich ein Türke (was ebenso natürlich nicht stimmt), der vertieft in einer orangenfarbenen DIN-A4 Mappe las. Jede Seite mit arabischen oder persischen Schriftzeichen – so genau konnte ich es im Vorbeigehen nicht erkennen – war handgeschrieben, und mit seinem Schurrbart und dem Blick wirkte dieser Mann wie…

…ja?

Das ist genau der Punkt. Wir wissen gar nichts voneinander. Und doch musste ich beim Anblick dieses Mannes an den Themenschwerpunkt Istanbul bei arte.tv denken, letztens, wo es auch einen Bericht über Arabeske gab, dieser für westliche Ohren kitschigen Volksmusik:

“…l’arabesk s’est muée en phénomène national et a révolutionné la pop turque”.

Folglich stellte ich mir vor, wie dieser Mann in den 1970er, oder vielleicht auch 1980er Jahren ein lokaler Star war, der in seiner Freizeit dramatische Texte über Liebe und Schmerz schrieb und in Gedanken noch in dieser alten Zeit lebt. Am Abend, wenn er auf seinem Weg zum Flughafen ist, wo er in einer 10h Schicht durch die Gänge des Terminals läuft und den Müll der Fluggäste entfernt. Sich in der U- und S-Bahn mental auf die Eintönigkeit der Arbeit vorbereitet, in dem er die alten Texte durchgeht und sich des Schmerzes erfreut, der gefühlt besser war als der Luxus in der neuen Welt.

Das ist natürlich nur ein Gedankenspiel. Maximal drei Minuten lang einen fremden Menschen anschauen und sich eine Geschichte dazu überlegen. Erfundene Geschichten zu Menschen, die in dieser Stadt leben und früher in einem anderen Kulturkreis ganz anders gewirkt haben?

Frankfurt am Main, diese typische Großstadt mit ihrem hohen Anteil an zugereisten Mitbürgern, eignet sich hierfür irgendwie ganz gut. Das Kopfkino siegt immer wieder in Frankfurt, diesem Schmelztiegel aus Kommerz und Kulturen – selten eine Stadt wie Frankfurt erlebt, die so viel HassLiebe in sich trägt. Was also liegt näher, als sich vor Langeweile im öffentlichen Nahverkehr die Menschen anzuschauen, und sich vorurteilbeladene, aber doch irgendwie passende Geschichten auszudenken (eben weil man es nicht besser weiß)?.

Bis jetzt habe ich mich noch nie so richtig gelangweilt im Leben. Wann waren wir eigentlich das letzte Mal im Kino?

glowing keyboard stickers

The problem

The keyboard and the screen are THE two important user interfaces between humans and their computers. Whenever I buy new hardware, I try to include these two parameters in my list of important criteria – especially since both my active machines do not come with a backlit keyboard (which is really sad).

So unless you’re the proud owner of an Apple MacBook (Pro) or Dell Latitude notebook with a backlit (!) keyboard, you’ve probably asked yourself why your notebook doesn’t come with a backlit keyboard, or how you could change that.

As far as I know, only these two manufacturers (Apple and Dell – but maybe also MSI and some Sony models) offer backlit keyboards on their laptops/notebooks, and there’s no comfortable way of installing a backlit keyboard unless you’re into some hardware hacking and/or have access to a light emitting foil and transparent keys.

The alternatives

6930p-led

My HP Elitebook 6930p comes with an illuminated keyboard, which is a little LED light that pops out on top of the display (bezel) – very similar to what you may already know from IBM ThinkPads, but slightly better (because it doesn’t blind the eyes like the ThinkPad light on many new Lenovo ThinkPads & has an extra hardware button).

It’s ok and works, but not really a 100% satisfying solution. A backlit keyboard would be the better alternative.

On my Asus eee PC 1000HG, there’s no such light. Also, the keyboard on this netbook PC is rather thin, so any hardware modding would require extra space – and an LED that pops out from the bezel would probably only add another irritating light source (I’ve tried to hack one onto my netbook, but failed in doing so and had to realize that only a commercial solution would deliver sufficient results).

1000HG-USB-light

So I bought these external (USB) & flexible lights which kind of do the job for the time being, but also add another bulky gadget. Plus: the USB version blocks a USB port.

1000HG-LED-clip

You can see from the picture that the 2nd external solution is clipped to the display bezel and delivers a very bright light.

Both these external keyboard lights can be adjusted, but luminance can’t be set and they are actually wayyyyyy to bright. Not nice.

So I kept on looking for a better alternative and stumbled upon these “glowing fluorescent keyboard stickers” (which you may already see in action on the pictures above) from this dealer on eBay:

1000hg-stickers

At ~ 6,- EUR for a set of stickers, I couldn’t resist and ordered these directly from the US (~ 10 days from the USA to Germany).

Now, these stickers DO NOT GLOW and AREN’T FLUORESCENT, but – as the dealer writes on his website:

“Glowing characters pick up any source of light coming in/ through ( such as light from your own monitor, laptop, or even USB light etc, etc) – allowing keyboard characters to brighten up immediately by reflecting the light, yet, stickers are not the source of light themselves. It is just the same effect* as a road signs reflection, or strips on uniform worn by construction workers or police.”

I think this best explains how these stickers work and why you won’t see glowing stickers on the following snapshot of the keyboard:

1000hg-stickers-attached

The main difference, and a reason why I’ll stick to these stickers on the keyboard for now, is that the letters are bigger and much more visible in darkness. So even though they aren’t glowing in the dark – like a clock dial – they do add some value and an improvement to this rather darker netbook keyboard with its tiny lettering.

I didn’t fix the stickers on the F-keys (top row) – and if you look at the pictures above of the attached stickers on my netbook, you’ll realize that this top row with its Function keys isn’t really readible in any kind of darkness. With netbook keyboards already being too small for the average user, I don’t understand why the lettering also is this poor.

Other than that, the flat surface of the stickers also adds some sort of chiclet touch to the keyboard (flat & single keys on modern Apple/ Sony/ MSI/ Asus/ Acer etc. keyboards). And while there’s a BIOS update available for the Asus eee PC 1000H that allows the use of a chiclet keyboard as found on the Asus eee PC 1000HE, there’s no such luck for 1000HG owners like me. So unless there’s a much better hardware mod for backlit keyboards available in future (Hello Chinese copy masters, inventors of cheap touchpad covers – how come you never ventured into this?), I’ll probably have to stick to these not glowing, not fluorescent but somehow OK’ish stickers.

(* it’s not the same effect, maybe similar effect. The same effect would require these stickers to be much more expensive because the technology used on good road signs is high-tech. This is the material used on these stickers, and the company that produces these adhesives also produces the retro-reflectors on traffic signs…)

German M-Pesa – would it be successful?

(…in English, und nicht auf Deutsch, because I’d love to see comments from non-German speakers as well. Dankeschön!)

Mobile payment solutions, or m-payment, aren’t anything new to the interested mobile user. There are different (technical) models for mobile payments:

  • Premium SMS based transactional payments
  • Direct Mobile Billing
  • Mobile web payments
  • Contactless Near Field Communication

During this year’s local BarCamp in Darmstadt (for the Rhein-Main area), I also presented a few slides on M-Pesa & M-Kesho which are quite succesful in Kenya since their launch. Safaricom‘s former CEO, Michael Joseph, also talked about the success & struggle that came along with it during his Q&A session at (the) iHub Kenya earlier last month. Afaik, M-Pesa on Safaricom (Kenya, 51% owned by Vodafone) is a Premium SMS based transactional payment system.

You can google for M-Pesa and also check YouTube for the various videos on M-Pesa and why it has become so successful in EAK over the last three years (obviously, due to the lack of and need for alternatives).

Now, Germany. A country with seemingly more ATMs than public toilets :-), a working payment system, affordable (sometimes free) bank accounts with minimal charges, a cash culture where card-based payment systems are diverse and convenient to handle, but most importantly:the existing mix of cash & cards is an approved system that most often works and doesn’t require much behaviour change.

During another session on future mobile apps (during the BarCamp), fellow blogger Kai-Christian asked the attendees about their perception of mobile apps, and what we would like to see being developed.

As a hardware guy, I naturally love the idea of gadget add-ons that will turn your iPhone/smartphone into an e.g. medical test device, but when I look at the African market – and that was my main intention when I presented the slides on AfriGadget, Ushahidi, the iHub & Co (= what can we learn & adopt from them? South>North exchange) – I think it’s a very valid question to ask about the lowest denominator: telephony & sms, and why we are foccussing on High-Tech only (as opposed to the long-tail in mobile phone users, ~ 80% on simple phones), and why the market for SMS-based services still isn’t as satisfied as it should be.

To me it seems that since 1997, since the introduction of WAP, not much really changed in this sector (in .DE) because everyone was looking for the “killer app”, and this perception only really changed with true internet phones like the iPhone and such.

So I asked if a mobile payment system like M-Pesa would be possible in Germany.

One of the attendees, Silke (who is an expert on commerce systems and also blogs their usage on her private site), instantly replied that these mobile payment systems wouldn’t be successful in Germany because ppl wouldn’t need them (due to the aforementioned availability of ATMs & alternatives).

Software developer & technical consultant with a mobile service provider, Ali Pasha, added another comment to that and explained that there are security issues that come along with using SMS (which is true, because there is no 100% encryption). Given that a lot of Germans are having privacy concerns with Google Street View and objected the publication of street photos (which aren’t that private anyways), security issues are to be taken very serious when it comes to doing business in Germany (and, of course, elsewhere, but Germans seem to be very attached to security issues). No risk, no problem?

There are existing mobile payment systems available in Germany (also some upcoming ones based on Contactless NFC right here in Frankfurt), and I also remember the late Paybox service from early 2000 which is now only active in Austria. I don’t know the actual reasons for their failure in Germany, maybe due to investors pulling back or because of a tight competition with banks & providers, or both, but it’s interesting to note that their failure obviously wasn’t due to users who rejected the system, but because of external pressure. I, for one, remember using Paybox as a happy customer. If there is one thing I’ve learned in business, (then) it’s that the best and most accepted solution isn’t always the one that will prevail and succeed.

screenshot mpass

What you see here is a screenshot taken from mpass, a German system run by Vodafone (M-Pesa!) – a list of online shops where you can already pay using mpass. Not too many, if I may say so, and I am sure that mpass isn’t as popular in Germany as it probably should (be).

And obviously, mpass isn’t like M-Pesa because it a) isn’t implemented into the SIM (SIM-toolkit) and b) mpass is also only (?) used as an add-on to online shopping, to confirm a payment, while m-pesa provides much more than that (e.g. the direct exchange of credit).

Sooo…. if a similar technology is already available, and if they have been “alive” since 2008 – what do you think? Would a mobile payment system (of any kind) be successful in Germany? Would it take a SIM-toolkit modification like M-Pesa to reduce security concerns among German users? I remember having an M-Banking menu item on my old D2/Vodafone SIM card which never worked, and I am not the only one who never understood this.

I think one of the main arguments for M-Pesa (from  provider perspective) is that users are forced to stick to a SIM (and the network), while mpass works from all networks. Is this due to a European law which regulates, but also limits the competition? I don’t know. But what I do know is that there’s often a different reality to what has been evaluated in field studies, or what we (as interested users) may assume of the market. Just as M-Pesa had been adopted to the Kenyan market by its users – “misused”, if you will. I like that. I’d like to see a similar development in Germany, if only to further explore what’s really possible with basic mobile phone functionality like telephony or sms.

What do you think?

BarCamp Darmstadt 2010 & Co.

Ich bin grad zurück vom BarCamp Darmstadt 2010, bei dem sich nicht nur IT Fritzen, und auch nicht nur Interessierte aus dem Rhein-Main Gebiet haben blicken lassen.

Wenn jemand eine so lange Anfahrt aus dem Saarland in Kauf nimmt um sich mit Leuten auszutauschen, die er/sie vielleicht sonst nur “von Twitter” her kennt, durch die eine oder andere Session inspiriert wird oder einfach nur schaut was beim BarCamp los ist, dann spricht das wohl schon für die Qualität der sehr guten Organisation und vielleicht auch der Teilnehmer.

In fast jedem Fall empfand ich diese 2 Tage (von 08:00 bis 18:00 Uhr) in einem Gebäude der Deutschen Telekom in Darmstadt als gelungen – entsprachen sie doch genau meinen Vorstellungen vom BarCamp, wo es übrigens jedem Teilnehmer überlassen wird, durch einen eigenen Beitrag eine sog. Session zu gestalten und die Diskussion/Austausch zu einem Thema zu fördern. Außerdem verwahrlost man als selbstständiger “was-mit-IT/Web/Medien”-Worker leicht, so dass dieser zwanglose Austausch bei den Stammtischen, Webmontagen, Ignite-Abenden, TEDx[Stadtname] und jetzt diesem BarCamp eine wirklich angenehme Alternative darstellt. Ein BarCamp empfinde ich dabei im besten Fall immer als eine Art Weiterbildung – auch wenn man meint, vieles zu kennen, gibt es doch immer wieder neue Kontakte.

Ich habe auch so eine (sehr gut besuchte – thx!) Session gestaltet heute morgen, direkt als Erster um 10:00 Uhr, zum Thema Afrigadget & Softwareprojekte / Startups in (Ost-)Afrika. Das war eigentlich gar nicht geplant, aber Wolfgang Weicht vom Kombinat für asiatische Schwarmintelligenzforschung sowie Jan Eggers vom HR hatten mich dann dazu gebracht, dass ich in der Nacht auf Sonntag vor allem vorm PC saß und diese 93 slides zurechtgebastelt habe, die einen Einblick zur Arbeit bei/für AfriGadget & Co bieten sollen:


(Update: die originale Präsentation wurde gelöscht, daher diese hier, die ich beim AfricaGathering in London gehalten hatte)

Eine ähnliche Präsentation hatte ich vor 8 Monaten schon einmal vor einer kleinen Gruppe bei der Socialbar Frankfurt gehalten – seinerzeit aber ohne diese eigentlich wichtigen Ergänzungen zum Thema Ushahidi/Crowdmap und iHub Kenia. Unser Gruppenblog Afrigadget.com ist sicherlich ein nettes Technikblog mit sozio-kulturellen Beobachtungen im afrikanischen low-tech Kontext, die wirkliche Innovation in 2010 in Ostafrika stellt für mich aber das iHub Kenia dar, das eine Fülle von neuen High-Tech Möglichkeiten bietet, und noch viel mehr – wie der bekannte GlobalVoices/Geekcorps Blogger Ethan Zuckerman jetzt auch nochmal feststellen konnte (und, wie er schreibt, am liebsten dort bleiben würde).

Über den Nutzen eines Open Source Crowdsourced Mapping Tools wie Ushahidi im Bereich der Nothilfe mag man sicherlich geteilter Meinung sein, aber mir ging es jetzt vor allem darum, dass ein technisch auf Weltniveau mitschwimmendes, aus einem Entwicklungsland wie Kenia stammendes Tool auch in Deutschland für ein interessantes Projekt eingesetzt werden sollte. Der Alex Boerger, Designer/Kommunikations/Mediendingens, kam dann auch gleich mit einem interessanten Projektvorschlag rüber: Ushahidi nutzen, um den Leerstand von Büroräumen in Mainz zu tracken. Die Idee finde ich super! Ganz abgesehen davon, dass der Alex auch ganz andere coole Ideen hat, freue ich mich natürlich sehr über diese Wahrnehmung des Ushahidi Potentials. Etwas gut zu finden und es dann auch einzusetzen sind zwei komplett verschiedene Dinge.

Sehen kann man das auch bei unserem Feierabendprojekt “Frankfurt-Gestalten.de” (FG), für das wir massiv Postkarten ausgelegt und den Vertretern von Namics und TripleSense für die direkte Ansprache wohl eher Unannehmlichkeiten bereitet hatten (man möge mir dies verzeihen). FG basiert auf dem Content Management System Drupal, das zwar eigentlich total genial ist und eine wunderbare Flexibilität bietet, aber auch seine Tücken hat. In einem Land wie Deutschland, in dem die Profis gerne auf Typo3 als “bestes CMS” verweisen, fühlt sich die gemeinsame Einarbeitung in Drupal auch irgendwie gut an. Im Ausland ist Drupal bekannt und beliebt, nur in Deutschland….

Und dann auch noch bei einer Diskussionsplattform zur Lokalpolitik, wobei diese beiden Begriffe hier eigentlich nicht wirklich zutreffen – auch nicht der Begriff “Internetforum” (wie die FNP schrieb) – und auch bei mir eher Erinnerungen an Begriffe wie “Diskussionsbedarf” aus Asta-Zeiten hervorrufen. Das alles soll FG eigentlich nicht sein, sondern in erster Linie eine Übersichtsseite zu den Aktivitäten der Lokalpolitik nach Stadtteilen geordnet, und virtuelle Anlaufstelle für die Probleme der Bürger mit der Möglichkeit, eine eigene Initiative zu starten (ohne den ganzen Quatsch, den man mit einer Iniative sonst vielleicht verbinden würde – wer will sich heutzutage schon öffentlich engagieren, wenn er dafür nach Stuttgart oder Gorleben fahren muss?). Nein, FG ist für uns auch Neuland, dass es in dieser Form erstaunlicherweise bundesweit noch nicht gegeben hat. Insofern lassen wir uns gerne überraschen und freuen und auch über die zugesagte Mitarbeit einiger heller Köpfe im Rhein-Main Gebiet, so dass sich Frankfurt-Gestalten eigentlich nur nach vorne entwickeln kann.

makezine_instructables

Gefreut habe ich mich auch sehr über dieses Make: “The Best of instructables, Vol. 1” Buch aus dem Hause O’Reilly – einer Spende zu den regelmäßig stattfindenden Webmontagen, die ich als Gegenleistung für einen kleinen Tweet erhalten hatte (und dafür schäme, aber die Neugierde beim Bücherangebot war zu groß). Ich bin nämlich ein leidenschaftlicher Bastler, habe mir in der Vergangenheit auch schon das Makezine gekauft und lese die O’Reilly Bücher idR auch online bei PaperC – der Plattform für Fachbücher. Lohnt sich. Heißen Dank!

Bedanken möchte ich mich auch bei den Sponsoren und dem Orga-Team für das super organisierte BarCamp – vom Ticket, über die Verpflegung hin zu den T-Shirts war da wirklich alles dabei. Einzig das sehr wackelige & umständliche WLAN im Gebäude der Deutschen Telekom fand ich etwas seltsam und Netzempfang der anderen Wettbewerber war dort auch fast unmöglich innerhalb des Gebäudes. Später funktionierte dann der Fonic Stick, war dann aber nur noch für Twitter von Bedeutung. Fürs nächste BarCamp wünsche ich mir daher entweder ein besseres WLAN, oder gute Empfangsmöglichkeiten bei den Mobilfunkanbietern. Das klingt jetzt vielleicht etwas kleinkarriert, aber mittlerweile laufen bei solchen Veranstaltungen nicht nur der back channel über Twitter, eine gute Netzabdeckung ist daher schon recht wichtig.